Gedanken zum Weltingenieurtag

Zwölf Forderungen für mehr Nachhaltigkeit am Bau

Zwölf Forderungen für mehr Nachhaltigkeit am Bau legt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau pünktlich zum internationalen Tag des Ingenieurwesens für nachhaltige Entwicklung vor. Seit 2020 würdigt die Unesco jährlich am 4. März mit dem „World Engineering Day“ den Beitrag der Ingenieure zur Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung.

„17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Welt hat die UN in ihrer „Globalen Agenda 2030“ definiert. Mindestens acht davon betreffen unmittelbar die Aufgaben der am Bau tätigen Ingenieurinnen und Ingenieure“, macht Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, die Bedeutung des Berufsstandes deutlich.

Praktische Ansätze für mehr Nachhaltigkeit im Bauwesen, Veranstaltungen und das Bekenntnis der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau zum Schutz des Klimas und zum Erhalt von Biodiversität sind unter www.bayika.de/de/klimaschutz gebündelt. Denn Möglichkeiten, nachhaltiger zu bauen, gibt es viele, weiß Professor Gebbeken. Er fordert:

1. Das Cradle to cradle-Prinzip muss Grundlage eines jeden Bauprojektes sein. Hat man den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerkes von Anfang an im Blick, entstehen effizientere, nachhaltigere Bauten und weniger Müll. Schon bei der (Stadt)Planung muss bedacht werden, wie Umnutzungen ermöglicht werden können, wann Instandsetzungen zu erwarten sind und was mit den verbauten Materialien geschieht, wenn das Bauwerk sein Lebensende erreicht hat.

2. Einführung eines Katasters „städtische Ressourcen“: Damit ist ein schneller Überblick möglich, wo ungenutzte Ressourcen liegen. Diese sollten stets aktiviert werden, bevor neue Flächen genutzt werden. Beispielsweise sind Skaterparks unter innerstädtischen Brücken denkbar.

3. Sanieren vor Neubau: Die Sanierung von Bestandsgebäuden ist in sehr vielen Fällen möglich und deutlich ressourcenschonender als Abriss und Neubau.

4. Beim Abriss von Gebäuden müssen die Baustoffe konsequent recycelt und wiederverwendet werden. (Urban Mining). Der Einsatz von nachwachsenden Naturbaustoffen wie Holz, Lehm oder Stroh muss verstärkt geprüft werden.

5. Variables Planen und flexibles Bauen sind das Gebot der Stunde. Nicht mehr genutzte oberirdische Parkhäuser können beispielsweise zu Wohn- und Geschäftsräumen umgebaut werden. Nicht mehr benötigte Tiefgaragen könnten z.B. zu Lagerflächen oder Rechenzentren umfunktioniert werden.

6. Die starre Trennung zwischen Wohnen, Infrastruktur, Grünflächen und Freizeit muss multifunktionalen Lösungen weichen. Ein Gebäude muss verschiedene Nutzungen in sich vereinen. Das Innere zum Wohnen und Arbeiten, die Fassade begrünt zur Unterstützung des Stadtklimas und auf dem Dach ein Bolzplatz.

7. Städte sollten nach dem Prinzip der Schwammstadt errichtet werden. Der Klimawandel führt verstärkt zu Starkregen und Hochwasser. Städte, die so gebaut sind, dass sie Wasser aufnehmen und speichern können, sind deutlich besser gegen Schäden durch Wetterkapriolen geschützt. In Trockenperioden steht das gespeicherte Wasser den Pflanzen und Tieren zur Verfügung.

8. Sinnvoll ist eine finanzielle Belohnung derjenigen, die Flächen entsiegeln und in Retentions- und Grünflächen umwandeln. Das beginnt bereits auf dem Garten des eigenen Grundstückes. Wer Büsche und Bäume pflanzt, sollte finanziell besser gestellt werden als diejenigen, die ihr Grundstück großflächig versiegeln und Steingärten anlegen. Auch private Investoren, die im öffentlichen Interesse handeln, müssen für den zusätzlichen Aufwand über Steuern oder Förderungen entlohnt werden.

9. Dächer und Fassaden dürfen nicht ungenutzt bleiben. Durch die Begrünung von Dächern oder der Installation von Photovoltaikanlagen entsteht ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz. Begrünte Fassaden tragen ebenfalls zu einem gesünderen Stadtklima bei und verhindern das Aufheizen der Städte in den heißen Sommermonaten.

10. Gebäude können und müssen deutlich über den im Gebäudeenergiegesetz geforderten Standard hinaus optimiert werden. Eine Verschärfung der vom Gesetzgeber festgelegten Anforderungen von 20 % bis 25 % wäre technisch problemlos möglich. Gerade die Modernisierung von Bestandsgebäuden birgt ein immenses Potential zur Einsparung von CO2. Oft reichen hier kleinere Maßnahmen für eine große Wirkung aus.

11. In der Verkehrsinfrastruktur muss den Systemen der Vorzug gegeben werden, die mit den geringsten Flächen auskommen. Infrastruktur für motorisierten Verkehr sollte noch mehr in den Untergrund verlegt werden.

12. Trennwassersysteme müssen in Neubaugebieten Pflicht werden. Toiletten dürfen nicht mit kostenbarem Trinkwasser gespült werden. Hier kann man Regenwasser nutzen.

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