Baden-Württemberg: Solarpflicht für bestehende Gebäude ab 1. Januar 2023

Gesetz greift bei allen grundlegenden Dachsanierungen

Ab 1. Januar 2023 müssen in Baden-Württemberg bestehende Wohn- und Nichtwohngebäude bei einer grundlegenden Dachsanierung mit einer Photovoltaikanlage versehen werden.
Bild: Zukunft Altbau

Ab 1. Januar 2023 müssen in Baden-Württemberg bestehende Wohn- und Nichtwohngebäude bei einer grundlegenden Dachsanierung mit einer Photovoltaikanlage versehen werden.
Bild: Zukunft Altbau
In rund einem halben Jahr weitet das Land Baden-Württemberg die Solarpflicht auf bestehende Gebäude aus. Ab 1. Januar 2023 müssen bestehende Wohn- und Nichtwohngebäude bei einer grundlegenden Dachsanierung mit einer Photovoltaikanlage versehen werden. Damit tritt nach der Anforderung für neue Nichtwohngebäude, Parkplätze und Wohngebäude die letzte Stufe der Solarpflicht des Landes in Kraft. Darauf weist das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau hin. Wer ab 2023 sein Dach saniert, muss 60 % der solargeeigneten Dachfläche mit Photovoltaikmodulen belegen. Zur Erfüllung des Gesetzes kann auch eine solarthermische Anlage errichtet werden. Im Südwesten gibt es pro Jahr rund 50.000 grundlegende Dachsanierungen. Die Zahl neuer Solaranlagen wird daher vermutlich deutlich zunehmen.

Was ist eine grundlegende Dachsanierung?

Eine grundlegende Dachsanierung liegt dann vor, wenn die Eindeckung eines Daches mit Dachziegeln oder die Abdichtung eines Flachdaches vollständig erneuert wird. Ausgenommen sind Baumaßnahmen, die ausschließlich zur Behebung kurzfristig eingetretener Schäden vorgenommen werden, z. B. Sturmschäden oder kleinflächige Reparaturen.

Das Potenzial der Solarpflicht ist hoch. Jährlich gibt es im Südwesten laut Umweltministerium rund 11.000 Wohnungsneubauten, bei denen die Solarpflicht zum Tragen kommt. Pro Jahr werden zudem rund 3.500 neue Nichtwohngebäude errichtet – bei im Schnitt deutlich größeren Dachflächen. Die Zahlen bei Dachsanierungen sind noch höher. Jährlich werden knapp 40.000 grundlegende Dachsanierungen von Wohngebäuden vorgenommen und rund 10.000 von Nichtwohngebäuden.

Wann greift die Solarpflicht?

Die Pflicht greift, wenn eine zur Solarnutzung geeignete Dach- oder Stellplatzfläche vorhanden ist. Dies ist bei den meisten Häusern der Fall. Als solargeeignet gelten Dachflächen, die ausreichend von der Sonne beschienen werden. Damit sind unverschattete oder nur geringfügig verschattete Dachflächen gemeint, die nach Süden, Osten oder Westen ausgerichtet sind. Zudem muss zumindest eine ihrer Einzeldachflächen eine zusammenhängende Mindestfläche von 20 m2 aufweisen. Dächer mit einer Dachneigung von mehr als 20°, die nach Norden zeigen, werden als nicht geeignet eingestuft. Für eine Solarnutzung generell als ungeeignet gelten Gebäude mit einer Raumnutzfläche von weniger als 50 m2. Denkmalgeschützte Gebäude sind nicht per se von der Solarpflicht ausgenommen. Dies wird im Einzelfall geprüft.

Ein Beispiel zeigt, was die Solarpflicht konkret bedeutet. Ein freistehendes Einfamilienhaus verfügt etwa über rund 80 m2 Dachfläche. Um die Pflicht zu erfüllen, sind knapp 50 m2 des Dachs zu belegen. Das ergibt eine installierte Leistung der Solaranlage von rund zehn Kilowatt. Eine Photovoltaikanlage kostet derzeit pro Kilowatt Leistung rund 1.400 bis 1.600 €, die gesamte Beispielanlage also rund 15.000 €. Mit ihr können je nach Ausrichtung der Anlage rund 10.000 KWh Strom im Jahr erzeugt werden, rund dreimal so viel, wie ein Durchschnittshaushalt ohne E-Auto und Wärmepumpe verbraucht.

Wie kann das Gesetz auch erfüllt werden?

Hauseigentümer können die Anlagen statt aufs Hausdach auch in unmittelbarer räumlicher Umgebung aufbauen, bspw. auf dem Carport vor dem Haus oder im Garten. Die Verpachtung der Dachfläche an Dritte, die dort eine Solaranlage installieren und betreiben, ist ebenfalls möglich. Eine weitere Option ist eine solarthermische Anlage, die das Brauchwasser erwärmt oder die Heizung unterstützt. 

Die Photovoltaikpflicht in Baden-Württemberg im Überblick

- Seit 1. Januar 2022: Neubau von Nichtwohngebäuden, Neubau von offenen Parkplätzen mit mehr als 35 Stellplätzen
- Seit 1. Mai 2022: Neubau von Wohngebäuden
- Ab 1. Januar 2023: bei grundlegender Dachsanierung – Wohngebäude und Nichtwohngebäude

Die Details sind in der Photovoltaik-Pflicht-Verordnung des Umweltministeriums Baden-Württemberg geregelt.

Kurzvideo zur Solarpflicht


Ein kurzer Erklärfilm des Umweltministeriums zeigt, warum die Photovoltaikpflicht eingeführt wurde, was sie genau bedeutet und wen sie betrifft:

- www.youtube.com/watch?v=z-iIoWkIHMs

- www.youtube.com/watch?v=lOirWY0lX48 (mit Untertitel)

Thematisch passende Artikel:

2022-1-2 Für Wohn- und Nichtwohngebäude

Lüftungskonzepte

Das Lüftungskonzept ist ein wichtiger Bestandteil der Gebäudeplanung und bei der Realisierung von KfW-Effizienzhäusern erforderlich. Darüber hinaus ist die Erstellung für Neubauten und bei...

mehr
2008-09

Baugenehmigungen für Wohngebäude in Deutschland

Die Anzahl erteilter Baugenehmigungen für Wohngebäude ist im Jahr 2007 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken (-29,7 %). Der Rückgang betraf insbesondere neue Gebäude (-33,8 %)...

mehr
2011-02

Baugenehmigungen für Wohngebäude in Deutschland

Die Anzahl erteilter Baugenehmigungen für Wohngebäude hat im Jahr 2009 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen (+ 1,8 %). Die Zunahme war bei den erteilten Baugenehmigungen für...

mehr
2020-05

Baden-Württemberg: Tarifvertrag zur Kurzarbeit

Der Industrieverband Technische Gebäudeausrüstung Baden-Württemberg e.V. (ITGA BW) und die IG Metall – Bezirk Baden-Württemberg haben sich am 20. März 2020 auf einen „Tarifvertrag über eine...

mehr

dena: Öffentlichen Gebäuden fehlt der Energieausweis

Ab dem 1. Juli 2009 muss in öffentlichen Gebäuden mit Publikumsverkehr und über 1000 m² Nutzfläche ein Energieausweis deutlich sichtbar aushängen. Allerdings haben bisher noch 75 % dieser...

mehr