Derzeit weltgrößte Eisspeicherheizung für Ecolab Deutschland

Neuer Unternehmenssitz in Monheim

Ecolab, führender Anbieter von Reinigungslösungen, wird an seinem neuen Firmensitz in Monheim bei Düsseldorf ein Eisspeicher-System für die Gebäudeheizung und Klimatisierung einsetzen. Mit 1,6 Mio. l Fassungsvermögen handelt es sich dabei um die weltweit größte Anlage ihrer Art – größer noch als die einer Hamburger Wohnanlage (1,5 Mio. l) oder der Klimaschutzsiedlung in Köln-Porz (1,2 Mio. l). Hersteller des innovativen Eisspeicher-Systems, das nahezu CO2-frei arbeitet, ist das Friedrichshafener Technologieunternehmen Isocal (www.isocal.de ) in Kooperation mit Viessmann (www.viessmann.de ).

 

„Gegenüber einer konventionellen Anlage lassen sich mit dem Eisspeicher mehr als fünfzig Prozent Energiekosten einsparen“, betont Ralf Mnich, Geschäftsführer des für die Gesamtplanung der neuen Ecolab-Zentrale zuständigen Büros PBS & Partner in Haan, „außerdem werden hier fast ausschließlich regenerative Energiequellen genutzt, die keine schädlichen Treibhausgase verursachen“. Ecolab wolle beim Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehen.

Mit  Ecolab setzt ein weiteres Großunternehmen auf die bereits vielfach bewährte SolarEis-Technologie. Bisher nutzen neben Privatanwendern, Unternehmensverwaltungen und Logistikzentren vor allem Hotels, Kliniken und öffentliche Einrichtungen das System. In der Deutschlandzentrale von Ecolab werden damit ab Ende Oktober mehr als 22 000 m2 Labor- und Verwaltungsflächen auf fünf Etagen versorgt.

 

Das Grundprinzip

Energie, die beim Gefrieren von Wasser entsteht, wird mithilfe einer Wärmepumpe zum Heizen genutzt. „Die Verwandlung von Kälte zu Wärmeenergie erfolgt dabei ähnlich wie bei einem Kühlschrank, nur umgekehrt“, erklärt der Erfinder des Eisspeichers Alexander von Rohr. Zusätzlich „zapft“ die Wärmepumpe weitere regenerative Energiequellen an: Sonne und Luft über Dachkollektoren und die natürliche Erdwärme in direkter Umgebung der unterirdischen Eiswasserzisterne. Diese fungiert als Latentwärmespeicher, in den sich Energie über längere Zeit einlagern und je nach Bedarf abrufen lässt.

Details zur TGA

„Mit dem Eisspeicher können Gebäude nahezu aller Größenordnungen äußert zuverlässig, wirtschaftlich und umweltfreundlich mit Raumwärme versorgt werden – vom Einfamilienhaus bis zu ganzen Wohnsiedlungen oder großen Gewerbekomplexen“, so ISOCAL-Geschäftsführer Heiko Lüdemann. In den Sommermonaten liefert die Anlage Kälte für die Gebäudeklimatisierung, die als eine Art „natürliches Abfallprodukt“ in der Tauphase des Eisspeichers anfällt.

Bauherr des für 900 Arbeitsplätze konzipierten Gebäudes ist die Firma General-Kontrakt-Bau (GKB) aus Leichlingen bei Köln. Die GKB realisiert das Projekt im Auftrag einer Investorengruppe in einer Rekordzeit von nur zehn Monaten. Auf die Installation der Heiz- und Kühlanlage entfallen davon rund sechs Wochen. Planungsingenieur Ralf Mnich: „Grundsätzlich verursacht das Eisspeicher-System bei der Montage der Heizanlage keinen Mehraufwand gegenüber herkömmlichen Anlagen. Allerdings wird die Installation des unterirdischen Speichers und der darin verankerten Wärmetauscher je nach Anforderung und örtlichen Gegebenheiten individuell angepasst.“ In Monheim „verschwindet“ der Eisspeicher in einer Tiefe von etwa 4 m unsichtbar unter dem Firmenparkplatz.

Neben dem Speicher selbst besteht die Anlage aus zwei Wärmepumpen vom Typ Viessmann/KWT, 66 Sonnen-/Luftkollektoren, 140 km Heiz- und Kühlleitungen, mehreren Hundert Flachheizkörpern, sowie den Steuerungseinheiten der Energiezentrale im Basement. Um den Wärmebedarf des Gebäudes von 1,2 MW zu decken, kommen Wärmepumpen mit einer Leistung von insgesamt 840 kW sowie zwei Gasbrennwertkessel zum Einsatz, die bei Extremkälte zugeschaltet werden können. Die Anlage läuft mit einer Temperatur von 45/38 °C. Die Raumtemperatur in den Laboren und Büros von Ecolab beträgt ganzjährig zwischen 20 und 22 °C.

Wahl der Technik

Ausschlaggebend für die Entscheidung, ein Eisspeicher-System zu nutzen, seien in diesem Fall vor allem auch die örtlichen Gegebenheiten gewesen. Planer Ralf Mnich: „Ursprünglich wurde eine geothermische Anlage ins Auge gefasst. Allerdings liegt das Gebäude in einem Trinkwassergewinnungsgebiet. Daher sind Tiefbohrungen an dieser Stelle nicht zulässig. Der Eisspeicher von Isocal bietet hier eine optimale Alternative, da er gar nicht erst mit dem Grundwasser in Berührung kommt und – anders als bei Erdsonden – somit keine Genehmigung der zuständigen Wasserschutzbehörde erforderlich war.“

Einen Beitrag zum Thema Eisspeicher finden Sie hier: Zeit für die Eis(speicher)ära

 

Uwe Herzog


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