Zur Klimadebatte in der Heizungsindustrie

Die Klimaziele Deutschlands auf dem Prüfstand

Die Diskussionen um den richtigen Weg, dem Klimawandel entgegenzutreten, haben mit dem 20. September 2019 einen neuen Höhepunkt erreicht. In Berlin verlieren sich die Koalitionspartner der Bundesregierung in Diskussionen. Die Folgen für die Entscheidungen, die jetzt getroffen oder eben auch nicht getroffen werden, werden alle Bürger Deutschlands und – da der Klimawandel sich nicht an Staats- und Ländergrenzen hält – Europas und der ganzen Welt mitbeeinflussen. Auffallend ist, dass immer noch zu Wert auf mehr Effizienz und Energieeinsparung gelegt wird.

Die deutsche Heizungsindustrie nimmt eine weltweite technologische Spitzenstellung ein
Foto: BDH

Die deutsche Heizungsindustrie nimmt eine weltweite technologische Spitzenstellung ein
Foto: BDH

Eine Reihe an Meldungen rund um das Thema Klimawandel und Klimadiskussion hat die Fachredaktionen der TGA-Branche in den letzten Tagen erreicht. Dieses Thema ist zu wichtig, um es außen vor zu lassen. Im Folgenden finden Sie eine wachsende Anzahl an Stellungnahmen und Marktideen für die Heiztechnik der Zukunft. Die Unternehmen sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt:

Brötje mit erfolgreichen Feldversuchen:

Wasserstoffbetriebener Wärmeerzeuger

Heinz-Werner Schmidt ist als Geschäftsführer für alle Marken der BDR-Therma-Gruppe in Deutschland verantwortlich. Neben Brötje sind das Remeha und Senertec.
Foto: August Brötje GmbH, Rastede
Heinz-Werner Schmidt ist als Geschäftsführer für alle Marken der BDR-Therma-Gruppe in Deutschland verantwortlich. Neben Brötje sind das Remeha und Senertec.
Foto: August Brötje GmbH, Rastede

Eine Innovation im Zusammenhang mit einer Emissionsreduzierkung in der Heiztechnik stellt die August Brötje GmbH mit Sitz im niedersächsischen Rastede vor. Dabei handelt es sich um einen wasserstoffbetriebenen Wärmeerzeuger, der einem modernen Gas-Brennwertkessel ähnelt. Das Gerät wurde mit einer Nennwärmeleistung von bis zu 28 kW für die Wärmeversorgung von 1- bis 2-Familienhäusern konzipiert. Weitere Gerätegrößen werden nach Angaben des Unternehmens– nach Abschluss umfangreicher Feldversuche – zur Verfügung stehen.

Die Verwendung von reinem Wasserstoff zur Beheizung wurde in Deutschland bisher vornehmlich mit der Brennstoffzellen-Technologie in Verbindung gebracht und mit großem Aufwand getestet. Bei der hier vorgestellten Neuheit aus der BDR-Thermea.Gruppe, zu der auch Brötje gehört, handelt es sich um ein reines Heizgerät, das den CO2-neutralen Brennstoff über das vorhandene Erdgas-Versorgungsnetz nutzt.

BDR Thermea hat in Kooperation mit dem Netzbetreiber Stedin bereits ein erstes Wasserstoffheizgerät in einem Reallabor in Rozenburg (Niederlande) im Einsatz. Dort wird es unter üblichen Bedingungen auf seine Alltagstauglichkeit getestet. Weitere 400 Wasserstoffheizgeräte werden innerhalb der nächsten zwei Jahre in England installiert. Mit einer Markteinführung rechnet Heinz-Werner Schmidt, Geschäftsführer Deutschland, in 2021.

Standpunkt von Stiebel Eltron

„Energiepreise auf CO2-Emission ausrichten“

Stiebel Eltron beschäftigt weltweit rund 3.700 Menschen, davon etwa 1.700 am Stammsitz Holzminden.
Foto: Stiebel Eltron
Stiebel Eltron beschäftigt weltweit rund 3.700 Menschen, davon etwa 1.700 am Stammsitz Holzminden.
Foto: Stiebel Eltron

„Aus Sicht eines deutschen Mittelständlers, der einen Großteil seines wirtschaftlichen Erfolges im In- und Ausland mit umweltfreundlicher Heiztechnik erzielt, sind tiefgehende Entscheidungen als Weichenstellung in Richtung einer CO2-ärmeren Zukunft unerlässlich. Grüner Fortschritt steckt in Deutschland mittlerweile in einer Sackgasse, weil es der Politik bisher an Mut mangelte und sie sich in kleinteiligen Maßnahmen verrannte. Historisch gewachsene Energiesysteme und Fördermaßnahmen müssen insgesamt auf den Prüfstand gestellt werden. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Energiepreise.

Ziel muss es sein, diese künstliche Stromverteuerung schnellstmöglich zu beenden. Denn klar ist, dass jede Anwendung, bei der fossile Verbrennung durch strombasierte Systeme ersetzt wird, angesichts des immer grüneren Strommixes zur CO2-Einsparung beiträgt.

Konkreter Korrekturbedarf besteht beispielsweise im Wärmemarkt, der für rund ein Drittel der gesamten deutschen CO2-Emissionen – mehr als der Straßenverkehr – verantwortlich ist. So werden umweltfreundliche Wärmepumpen zwar staatlich gefördert, was aber nur deswegen notwendig ist, weil die dafür notwendige Antriebsenergie Strom massiv verteuert wurde. Das ist nur ein Beispiel dafür, dass die Instrumente zur Steuerung der Energiewende nicht aufeinander abgestimmt sind. Das aktuelle System treibt die Verbraucher in diesem Bereich trotz punktueller gegenteiliger (finanziellen) Anstrengungen in die Nutzung fossiler Energien.

Dazu kommt: Die Heizungsindustrie in Deutschland bekleidet derzeit eine europäische Führungsrolle. Der Reifegrad von Wärmepumpentechnologie ´Made in Germany´ befindet sich im europäischen Vergleich noch auf einem Spitzenplatz.

Die entscheidende Frage wird aber in Zukunft sein, ob es der Bundesregierung gelingt, den Anteil erneuerbarer Energien im Wärmesektor konsequent auszubauen. Das ist die Basis dafür, dass die deutsche Heizungsindustrie ihre Markterfahrung im internationalen Wettbewerb auch zukünftig ausspielen kann um damit im Inland qualifizierte und zukunftssichere Arbeitsplätze zu erhalten oder auszubauen. Dafür sind andere Rahmenbedingungen der Politik gefragt, die sowohl dem Bürger als auch den Herstellern Planungs- und Investitionssicherheit geben.

Eine technologiespezifische Maßnahme, bei der zuvor keine grundlegenden Lenkungsmechanismen in Richtung CO2-ärmere Techniken installiert worden sind, ist weitgehend sinnlos. Deswegen sollte eine Abwrackprämie technologieoffen für alle ineffizienten Wärmeerzeuger gelten und nur dann angeboten werden, wenn sichergestellt ist, dass die abgewrackten Geräte durch neue Techniken ersetzt werden, die nachweislich deutlich weniger CO2 ausstoßen – wie beispielsweise Wärmepumpen.

Fazit: Alle Maßnahmen führen nur dann zu einem Erfolg, wenn zuvor die Aufschläge auf die Energiepreise rigoros an den jeweiligen CO2-Emissionen ausgerichtet wurden – und zwar bei allen Energiearten. Das ist die dringendste Aufgabe der Politik. Anschließend können Verbraucher in allen Bereichen völlig technologieoffene Entscheidungen treffen.

 

Standpunkt von Max Viessmann

Austausch veralteter Heizungsanlagen

Maximilian Viessmann, Co-CEO der Viessmann Group
Foto: Viessmann
Maximilian Viessmann, Co-CEO der Viessmann Group
Foto: Viessmann

„Klimaziele zu erreichen, ist allein eine Frage der Verantwortung: Wie viel wollen wir heute für die Generationen von morgen tun? Wie erhalten und schaffen wir Lebensräume für unsere Kinder und Enkelkinder? Veraltete Öl- oder Gasheizungen auszutauschen, ist vor allem eines: ein guter Anfang mit sofortiger Wirkung. Es ist eine erste Maßnahme, die sich umgehend positiv auswirkt – für das Klima und die eigenen Energiekosten. Aber es muss mehr folgen. Wenn wir jetzt handeln wollen, dann mit der richtigen Kombination und Balance aus erneuerbaren Energien und maximaler Effizienz bei fossilen Energien, die für alle praktikabel sind. Deshalb ist die kategorische Ablehnung einzelner Energieträger schlichtweg falsch.

Im Unterschied zu anderen Sektoren stehen uns bei der Gebäudesanierung bereits heute großflächig innovative, CO2-sparsame Lösungen zur Verfügung, darunter Brennstoffzellen, Wärmepumpen und Effizienzheizungen mit moderner Brennwerttechnik und Wirkungsgraden von über 100 %. Klimaschutz ist also keine Frage der technologischen Möglichkeiten, sondern eine des Willens. Was hält uns auf? Lassen Sie uns die anstehenden Aufgaben zusammen angehen. Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung für die Generationen von morgen übernehmen. Es gibt viel zu tun! Und zwar jetzt.“

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