Rund 120 TGA-Planerinnen und Planer kamen zum Workcamp 2026 des tgabar e. V. nach Heidelberg, um gemeinsam an Praxislösungen für die TGA-Planung zu arbeiten.
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Das „WORKCAMP“ des tgabar e.V. ist kein Konferenzformat im klassischen Sinn. Keine Plenums-Keynotes, keine Produkt-Slots, keine Podiumsdiskussion. Stattdessen: ein professioneller Moderator, sechs Lounges, in räumlich getrennte Bereiche aufgeteilt, mit Pinnwänden, Post-its, einem Lounge-Host und einem Co-Facilitator je Raum. Die Teilnehmenden arbeiten in vier Phasen – Einstieg, Sammeln, Verdichten, Übergabe – an einem konkreten Kapitelentwurf für das Workbook 2026 für die TGA-Planung.
„Fortschritt schlägt Perfektion“ lautet der Leitsatz. Was vermieden werden soll: dass die Teilnehmenden mit langen Hausaufgaben-Listen nach Hause fahren und der Motivationsschub aus Heidelberg im Tagesgeschäft versickert. Die Lounge-Outputs sollen weitestgehend in den vier Slots fertig werden. Alle sechs Lounges haben am Ende des zweiten Tages substanzielle Entwürfe vorgelegt, die direkt in den Büroalltag wandern können.
Kapitel 1: Wer macht eigentlich was? – Die Leitungs- und Rollen-Lounge
Die Lounge Büro- und Projektleitung hat das umfangreichste Workbook-Kapitel beigetragen: eine Beschreibung der fünf zentralen operativen Rollen in der TGA-Planung (eigentlich: Generalfachplanung) mit jeweils Muss-, Soll- und Kann-Aufgaben. Was unspektakulär klingt, beantwortet eine in jedem Planungsbüro wiederkehrende Frage: Welche Aufgaben gehören eigentlich verbindlich in welche Funktion?
Die fünf abgegrenzten Rollen der TGA-Planung sind Fachplanung, Technische Systemplanung, CAD-Modellkoordination, Bauüberwachung und Projektleitung. Sie sind ausdrücklich keine Stellenbeschreibungen, sondern eine Sortierhilfe für thematisch zusammengehörige Aufgaben – in der Praxis übernimmt eine Person fast immer mehrere Rollen gleichzeitig.
Das im Workcamp entwickelte „Wimmelbild“ visualisiert die Aufgaben und Rollen der TGA-Generalfachplanung.
Bild: tgabar / Roman Fritsches-Baghul, KI-generiert
Aus dieser Praxis-Beobachtung leiten die Autoren konkrete Empfehlungen ab. Drei davon dürften in vielen Büros Diskussionen anstoßen: Die Kombination CAD-Modellkoordination plus Projektleitung in einer Person wird für größere Projekte ausdrücklich nicht empfohlen, weil die CAD-Modellkoordination operative Präsenz im Modell braucht, die Projektleitung dagegen eine steuernde Distanz zum Tagesgeschäft. Die CAD-Modellkoordination wiederum soll idealerweise aus der Technischen Systemplanung kommen – dort ist die Modellierungstiefe vertraut. In BIM-Projekten empfiehlt die Lounge unbedingt, aus der CAD-Modellkoordination die Rolle der BIM-Fachkoordination zu machen, die methodische Verantwortung für Modellpflege, IFC-Export und AIA-/BAP-Anforderungen übernimmt. Ohne diese Spezialisierung geraten BIM-Anforderungen schnell unter den Tisch.
Besonders stolz ist die Lounge Büro- und Projektleitung auf das abschließend erstellte Rollen-Schaubild in Form eines „Wimmelbildes“, das den Mitgliedern als Poster und bzw. oder Roll-Up zur Verfügung gestellt werden soll. Es erlaubt Quer- und Neueinsteigenden einen schnellen, aber detaillierten Überblick der Aufgaben und Rollen der TGA-Generalfachplanung.
Kapitel 2: Wo Grundleistung aufhört – Die BIM-Lounge
Die Lounge Smarte BIM- und TGA-Planung hat sich mit einer Frage befasst, die in nahezu jedem TGA-BIM-Projekt auftaucht: Welche objektbasierten Parameter muss eine TGA-Fachplanung als Grundleistung nach HOAI und AHO liefern – und ab wann beginnt die Besondere Leistung?
HOAI und AHO Heft Nr. 11 beschreiben Grund- und Besondere Leistungen auf Prozessebene, nicht auf Parameter- oder Attributebene. In der Software-Realität tragen Bauteile dutzende Attribute – für jede TGA-Komponente einzeln festzulegen, welcher Parameter wann Grundleistung sei, ist nicht machbar. Aus dieser Lücke heraus hat die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Reinhard Wimmer zwei komponentenunabhängige Kernregeln formuliert:
- Werkerfolg-Regel: Ein objektbasierter Parameter ist Grundleistung, wenn er für den Werkerfolg eines an der Planung fachlich Beteiligten – des eigenen oder eines fremden Gewerks – zwingend erforderlich ist. Alles, was darüber hinausgeht und ausschließlich für Betrieb, Vergabe oder modellbasierte Termin- und Kostenplanung benötigt wird, ist Besondere Leistung.
- Gewerk-Schnittstellenregel: Informationen, die ein anderes Gewerk zur Erfüllung seiner eigenen Grundleistung benötigt, sind vom liefernden Gewerk als Grundleistung zu erbringen. Damit wird die HOAI-Pflicht zum „Mitwirken bei der technischen Zusammenführung zu Koordinationsmodellen“ auf die Parameter-Ebene heruntergebrochen.
Erprobt wurden die Regeln an drei Beispielbauteilen – Heizungspumpe, Lüftungsventilator, Steckdose – unabhängig voneinander durch verschiedene Mitglieder. Die Bewertungen stimmten in der überwiegenden Mehrheit überein. Beispiel Pumpe: Die elektrische Nennanschlussleistung ist Grundleistung der HLS-Planung in LPH 5, weil die Elektroplanung diese Lastannahme für ihre eigene Netzberechnung braucht. Schutzart und Schutzklasse dagegen sind Besondere Leistung. Die wenigen Streitfälle ließen sich in zwei Klassen sortieren – Parameter, bei denen Werkerfolg und Betrieb schwer trennbar sind, und Parameter, deren Notwendigkeit von einer Systementscheidung des Bauherrn abhängt. Beide Klassen sollen projektspezifisch in AIA und BAP geklärt werden. Das Kapitel trägt intern den Status Version 3 und soll in der Fach-Community diskutiert und an weiteren Bauteilfamilien validiert werden.
Kapitel 3: KI als Pflichtaufgabe – Die KI-Lounge
Die Lounge KI in der TGA-Planung hat den Entwurf eines fünfteiligen KI-Workbooks für Geschäftsführer und Inhaber von TGA-Planungsbüros mitgebracht. Die zentrale Botschaft: Künstliche Intelligenz (KI) einzuführen ist 2026 keine strategische Option mehr, sondern eine Pflichtaufgabe. Seit August 2024 ist der EU AI Act in Kraft, seit Februar 2025 gilt die Pflicht zur KI-Kompetenz für Mitarbeitende nach Artikel 4. Wer KI nutzt, ohne seine Leute zu schulen, verstößt schon heute gegen geltendes Recht.
Das Workbook sortiert KI-Anwendungen in fünf Spielarten, die im Planungsbüro auseinandergehalten werden sollten: Generative KI (bspw. „ChatGPT“, „Claude“, „Copilot“ etc.) für Schreib- und Recherchearbeit; klassisches Machine Learning für Last- und Energieprognosen; Automatisierungs- und Agenten-KI für E-Mail-Sortierung und Daten-Extraktion; Fach-KI in CAD-, BIM- und AVA-Software; und Embedded KI in Geräten – die TGA-Planende doppelt betrifft, als Werkzeug im Büro und als Komponente in den geplanten Anlagen.
Den größten unmittelbaren Hebel sieht die Lounge in den Schreibarbeiten entlang der HOAI-Leistungsphasen: Erläuterungsberichte aus Stichpunkten ausformulieren, Leistungsverzeichnisse (LV) vereinheitlichen, Protokolle aus Tonmitschnitten erzeugen. Realistische Zeitersparnis bei sauberer Einführung: 20 bis 40 % bei klassischer Routine-Schreibarbeit. Diese Ersparnis fällt allerdings nicht in den Schoß – sie kommt nur mit ordentlich eingeführten Werkzeugen, geschulten Mitarbeitenden und gelebter Endkontrolle. Das Workbook enthält zehn Use-Case-Steckbriefe mit fertigen Prompts, ein DSFA-Prüfraster, ein Hochrisiko-Prüfschema für den EU AI Act und einen Change-Management-Leitfaden mit dem Konzept der KI-Champions als Multiplikatoren in der Belegschaft.
Kapitel 4: Was auf der Baustelle wirklich hilft – Die Bauüberwachungs-Lounge
Die Lounge Bauüberwachung hat in Heidelberg drei Arbeitsstränge mit konkreten Inhalten aufgesetzt, deren Wirkung sich allerdings erst in der Vereinheitlichung zwischen den Mitgliedsbüros voll entfaltet – bewusst kollaborativ angelegt statt im Alleingang zu Ende geschrieben.
Erstens die Begriffsklärung: Was unterscheidet Objektüberwachung, Bauleitung und Fachbauleitung in der Praxis? Die Lounge will hier eine vereinsweit konsistente Terminologie verankern, weil unklare Begriffe immer wieder zu unklaren Vollmachten und Haftungslagen führen. Zweitens eine Sammlung von LV-Texten, die sich in den Mitgliedsbüros als nützlich für die Objektüberwachung erwiesen haben – von Rollen und Befugnissen bis zur Abgrenzung zwischen Ausführungs- und Montageplanung. Eine Best-Practice-Empfehlung lautet, die Teilleistungen 5e und 5f aus der Ausführungsplanung in die Leistungsphase 8 zu verschieben, weil sie dort sachlich enger an der Baustellen-Realität liegen. Drittens ein Werkzeug-Cluster: 360°-Kameras, Drohnen und mobile Roboter für Baudokumentation und Mängelmanagement, mit dem Ziel einer projektübergreifenden Entscheidungsgrundlage für Büros, die sich eine Anschaffung überlegen.
Kapitel 5: Roadmap statt Workbook-Kapitel – Die Elektrotechnik-Lounge
Die Lounge Elektrotechnik ist einen bewusst eigenen Weg gegangen – statt der Vier-Phasen-Workbook-Logik der anderen Tische hat sie die Slots auf eine Projektierungsaufgabe ausgerichtet: Installationsplan nach Leistungsphasen, Schemen je Anlage, Anlagen Teil 1 (Strom, PV, Ladeinfrastruktur) und Teil 2 (BMA, EDV, SAA). Die Roadmap reicht bis Ende 2027 mit dem Ziel einer Checklistenerstellung pro Anlage.
Kapitel 6: Nachwuchs auf drei Stufen – Die Bildungs-Lounge
In sechs thematischen Lounges erarbeiteten die Teilnehmenden Entwürfe für ein gemeinsames Workbook zu BIM, KI, Projektorganisation, Bauüberwachung, Elektrotechnik und Nachwuchsförderung.
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Eine der konkretesten Antworten des Vereins auf den Fachkräftemangel in der TGA-Planung läuft in der Bar Bildung – verantwortet von Berker Yilmaz und Jochen Streich: Die Azubi Bar ist seit längerem etabliert. Jeden dritten Freitag im Monat trifft sich die Lounge online, 60 Minuten für Auszubildende, anschließend 60 Minuten für Studierende. Die Inhalte sind über drei Kompetenzcluster und vier Lehrjahre verteilt: CAD-Hard-Skills von CAD-Grundlagen bis zum Funktions-Schema, TGA-Tech-Skills von Gewerke-Grundlagen bis zur Gebäudeautomation, ÜBL-Soft-Skills vom Azubi-Knigge bis zur Abschlussprüfungs-Dokumentation. Jede Session schließt mit einem Handout; neun Leitfäden liegen bereits vor.
Die Studi Bar überträgt das Prinzip auf Studierende und ist im Aufbau. Geplant sind ein Forum, Quartalstermine, ein Mentoringprogramm mit erfahrenen Planerinnen und Planern, ein hochschulübergreifender Planungswettbewerb sowie Bachelor- und Masterarbeiten in Kooperation mit Mitgliedsbüros.
Daneben läuft die Plattform World of TGA (www.world-of-tga.de) als Recruiting- und Community-Portal für Schülerinnen und Schüler – eine Stelle, an der die etablierten Branchen-Kampagnen bislang kaum aufgestellt sind. Die Seite spricht Schülerinnen und Schüler unter dem Leitmotiv „Next Generation Heroes“ direkt an, erklärt das Berufsfeld jenseits der Selbstverständlichkeit von Heizung, Strom und Wasser und führt über eine deutschlandweite Karte zu Ausbildungsplätzen in den Mitgliedsbüros – flankiert durch Testimonials junger Berufseinsteiger und eigene Kanäle auf Instagram und YouTube.
Ergebnisse der Mitgliederversammlung
Aus den zwei Tagen geht ein gemeinsames Workbook 2026 hervor, welches die Lounge-Kapitel zusammenführt. Geplant sind zwei parallele Formate: ein physisches Buch und ein digitaler Bereich auf der Vereinswebsite mit Mitglieder-Login.
Der (wiedergewählte) Vorstand der tgabar (v.l.): Roman Fritsches-Baguhl, Berker Yilmaz, Sarah Tax, Claudius Schade und Christopher Duftschmied.
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Im Rahmen der Mitgliederversammlung am Abend des ersten Tages wurde der Vorstand des Vereins von drei auf fünf Köpfe erweitert. Neu hinzu kamen Claudius Schade als Chief Teams Officer (CTO) und Berker Yilmaz für den Bereich Bildung, neben den bisherigen Vorständen Sarah Tax, Christopher Duftschmid und dem Vorsitzenden Roman Fritsches-Baguhl. Mit aktuell rund 130 Mitgliedern, darunter mehr als 90 Ingenieurbüros der TGA-Planung, vertritt tgabar e.V. ca. 4.500 TGA-Planende und ist die einzige Plattform dieser Art im DACH-Raum. Die nächste Konferenz ist für Mai 2027 angekündigt.
