Sie befinden sich hier:

zur Übersicht
Brandschutz | News | 13.11.2018

Überblick über Brandrisiko bei Dämmstoffen

Vier Kategorien: leicht, normal und schwer entflammbar sowie nicht brennbar

In jüngster Zeit ist die Feuergefahr von Dämmmaterialien in das Zentrum des öffentlichen Interesses gerückt. Tatsächlich spielen diese Baustoffe bei Bränden jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Das haben jetzt auch die vorläufigen Ergebnisse der noch laufenden ersten Untersuchungsphase beim Londoner Hochhausbrand gezeigt, die Mitte Oktober 2018 in der Fachwelt bekannt wurden: Die Wetterschutzverkleidung brannte völlig ab und hat zur schnellen Verbreitung des Feuers geführt, während die Wanddämmung in großen Teilen erhalten blieb. Darauf weisen die Experten von Zukunft Altbau hin, dem vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderten Informationsprogramm.

  • Beispielfoto Brandversuch. | Quelle: kathy 1976/Pixelio

Ist ein Brand entstanden, brennt zuerst die Inneneinrichtung der Wohnung. Erst jetzt ist die Gebäudedämmung prinzipiell in Gefahr. Da die meisten Dämmstoffe jedoch äußerst schlecht brennen, halten die Materialien einen Brand lange aus. In vielen Fällen werden mineralische Stoffe wie Glas- oder Steinwolle als Dämmmaterialien eingesetzt, die überhaupt nicht brennen können.

Neben Naturdämmstoffen mit entsprechenden Zusätzen eignen sich als Dämmstoffe auch organische Stoffe wie Kunststoffschäume. Aus Kostengründen kommen dabei vor allem Dämmplatten aus Polystyrol zum Einsatz. Sie sind in den letzten Jahren wiederholt mit Brandereignissen in Verbindung gebracht worden und damit vermehrt in Kritik geraten. Das Material Polystyrol ist grundsätzlich brennbar. Bei der Produktion der Dämmplatten fügen die Hersteller jedoch Flammschutzmittel hinzu, die die Platten schwer entflammbar machen.

Doch auch Polystyrol kann nach einiger Zeit bei hoher Temperatur brennen und abtropfen. Um das Brandrisiko bei Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) aus Polysterol zu minimieren, ist bei Mehrfamilienhäusern Brandschutz Pflicht. Er verhindert die Weiterleitung des Brandes über die Dämmung auf andere Geschosse.

Die Intensität und Häufigkeit der Diskussionen um brennende Dämmungen stehen im Kontrast zu den Fakten. Brennende Dämmungen gibt es jährlich nur in 0,005 % aller Wohnungsbrände in Deutschland. Die Fälle, bei denen Dämmungen Feuer fangen, sind meist Fassaden, die sich noch in der Bauphase befinden, oder wenn der Brand außerhalb der Immobilie entsteht.

Bei Dämmstoffen gelten in Deutschland die gleichen Sicherheitsstandards wie bei allen anderen Baumaterialien. Sie werden in die vier Kategorien leicht entflammbar, normal entflammbar, schwer entflammbar und nicht brennbar eingeteilt (B3, B2, B1 und A1/A2). Welche Brandschutzvorgaben die Bauteile erfüllen müssen, hängt von der Gebäudeklasse ab. Bei kleinen Gebäuden mit einer Höhe unter 7 m reicht eine normal entflammbare Fassadenbekleidung aus, da die Fluchtmöglichkeiten höher eingeschätzt werden als bei mehrgeschossigen Gebäuden. Ist eine Immobilie zwischen 7 und 22 m hoch, bedarf es schwer entflammbarer Systeme. Dazu gehören u.a. Polystyrol-Dämmplatten. In Hochhäuser dürfen ausschließlich nicht brennbare Dämmstoffe verwendet werden, etwa Stein- oder Mineralwolle.

Thematisch passende Beiträge

  • Integrierter Brandschutz

    Der Vorbeugende Brandschutz in der TGA stellt für die am Bau beteiligten Gewerke ein reales Haftungsrisiko dar. Die im Baurecht formulierten Brandschutzziele stellen hohe Anforderungen an die Koordination und Planung von Objekten, einschließlich deren Entwässerungstechnik. Hier haben sich Bodenabläufe aus Gusseisen durch ihre Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit bestens bewährt. Normen und...

  • Brandschutz im Baudenkmal

    Das Buch widmet sich sinnvollen Brandschutzmaßnahmen von ausgewählten Sonderbauten. Im Verhältnis von Wohngebäuden sind Sonderbauten statistisch viel seltener von Bränden betroffen; wenn es aber zu einem Brand kommen sollte, sind in aller Regel deutlich mehr Menschen gleichzeitig einer Gefahr ausgesetzt. Deshalb gibt es berechtigte Auflagen und auch mit dem Denkmalschutz vereinbarte...

  • BS Brandschutz 1/2017

    Das Supplement „BS Brandschutz“ behandelt zweimal im Jahr die Themen baulicher Brandschutz, technischer Brandschutz sowie Recht und Organisation im Brandschutz. Mit der ersten Ausgabe im Jahr 2017 informieren wir Sie u.a. über Dienstleistungen für Brandschutzexperten, eine statische Rettungswegbetrachtung, die Abnahmesicherheit für Leitungsinstallationen, den Brandschutz in der...

  • bvfa-Statistik zu Bränden in Senioren- und Pflegeheimen

    Bereits 13 Tote infolge von Bränden in sozialen Einrichtungen im Jahr 2018

    Die Zahl an Bränden in den stationären Einrichtungen der Alten- und Behindertenpflege bewegt sich in den letzten Jahren auf kontinuierlich hohem Niveau. Die Bilanz der bvfa-Statistik zeigt die dramatische Entwicklung von Bränden in sozialen Einrichtungen: Im Jahr 2018 weist die Statistik bereits Mitte August mit 13 Brandopfern fast dreimal mehr Todesopfer auf als im Vorjahr (2017: 5 Brandopfer)...

  • Fachinformationen und Fachforum zum Brandschutz

    Im Vorfeld der zweiten Fachforenstaffel zum Thema Brandschutz (http://bauverlag-events.de/event/tab-fachforum-brandschutz-herbst/), die Ende Oktober startet und in den vier Städten Bielefeld (27. Oktober), Ingolstadt (3. November), Magdeburg (10. November) und Darmstadt (24. November) stattfinden wird, erscheint die Ausgabe 2/2016 des Supplements „BS BRANDSCHUTZ“. Das zeitlos aktuelle Thema...

alle News

News der SHK- und Kältebranche

  • Alle News


  • Alle News


  • Top 5 - Meistgelesen

    Inhalte der nächsten Heftausgaben

    • Heft 03 / 2019

      Klimatechnik für ein Hochleistungsmessgerät – Die German Biomedicine NanoSIMS Facility in Göttingen

      Das Center for Biostructural Imaging of Neurodegeneration (BIN) der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) weihte Ende Oktober 2018 sein Nano-Sekundärionen-Massenspektrometer (NanoSIMS) feierlich ein. Das Architektur- und Ingenieurbüro pbr, Niederlassung Magdeburg, erbrachte nicht nur die Gesamtplanung für den Neubau des Forschungsgebäudes, sondern auch die bauliche Planung zur Einbringung und Sicherstellung des reibungslosen Betriebs des hochsensiblen NanoSIMS. Dabei lohnt sich ein besonderer Blick auf die spezifische Klimatechnik für das Messgerät.


      Foto: Christian Bierwagen

    • Heft 04 / 2019

      Ein Transit-Management-System im Park-Tower – Aufzugs- und Türsteuerung für smarte Gebäude

      Die Anwohner des Park-Towers brauchen keine Schlüssel. Ein Transit-Management-System öffnet den Bewohnern des Hochhauses im schweizerischen Kanton Zug automatisch die Türen und stellt den Aufzug passend bereit.

      Foto: Schindler

    tab @ Twitter

    Branchenbuch der Kälte- und Klimatechnik

    Branchenbuch der Kälte- und Klimatechnik

    Branchenbuch der Kälte- und Klimatechnik

    Das Branchenbuch der Kälte- und Klimatechnik bietet ausführliche Informationen rund um die Anbieter von Kälte- und Klimatechnik.
    Hier geht's zur Online-Recherche

    Anbieter finden:

    Finden Sie mehr als 4.000 Anbieter im EINKAUFSFÜHRER BAU - der Suchmaschine für Bauprofis!

    tab-Newsletter
    • » Zweimal im Monat kostenlose News.
    • » Heft-Highlights – auch ohne Heft-Abo.
    • » Bei Nichtgefallen jederzeit zu kündigen.

    Riskieren Sie einen kurzen Blick und erhalten Sie weitere Informationen.