Zur Eurovent-Energieklassifizierung

Die Zuordnung von Geräten

In diesem Artikel erläutern die Autoren die Zusammenhänge der Eurovent-Energie­klassen für Lüftungsgeräte und zeigen, dass ein Lüftungsgerät je nach Verwendung in unterschiedlichen Betriebspunkten auch unterschiedlichen Energieklassen entsprechen kann. Dies bedeutet konkret, dass die Eurovent-Energieklassen nicht so einfach zu deuten sind, wie die Aufkleber, an die wir uns als Käufer von Haushaltsgeräten gewöhnt haben.

Einleitend muss erwähnt werden, dass die Eurovent-Zertifizierung mit den dazugehörigen Energieklassen einen freiwilligen Nachweis darstellt, während die Energieaufkleber an Haushaltgeräten gesetzlich gefordert werden.

 

Welche Parameter sind in der Festlegung der Energieklasse beinhaltet?

Im Eurovent-Regelwerk ist eine Berechnung der Energieklasse nach den folgenden technischen Parametern beschrieben:

Dimensionierte Außentemperatur,
Temperaturwirkungsgrad bei ausgeglichenen Luftmengen,
Druckverlust über Wärme­rückgewinnungseinheit,
Luftgeschwindigkeit im Gerät,
„Absorbed Power Factor”...
Einleitend muss erwähnt werden, dass die Eurovent-Zertifizierung mit den dazugehörigen Energieklassen einen freiwilligen Nachweis darstellt, während die Energieaufkleber an Haushaltgeräten gesetzlich gefordert werden.

 

Welche Parameter sind in der Festlegung der Energieklasse beinhaltet?

Im Eurovent-Regelwerk ist eine Berechnung der Energieklasse nach den folgenden technischen Parametern beschrieben:

Dimensionierte Außentemperatur,
Temperaturwirkungsgrad bei ausgeglichenen Luftmengen,
Druckverlust über Wärme­rückgewinnungseinheit,
Luftgeschwindigkeit im Gerät,
„Absorbed Power Factor” berechnet die Leistungsaufnahme der Motoren (entspricht fast dem SFP-Wert).

Eurovent hat die Einteilung der Energieklassen auf Basis der Richtlinie DIN EN 13 053 durchgeführt. Die Festlegung der Energieklassen ist relativ komplex, und es ist nicht immer einfach zu erkennen, wie die einzelnen Parameter auf die berechnete Energieklasse einwirken. In Tabelle 1 sind die verschiedenen Anforderungen aufgeteilt in Klassen dargestellt, welche hauptsächlich zur Bestimmung der Energieklassen herangezogen werden.

Um die Regeln zu veranschaulichen, wurden in Tabelle 2 gleich neun verschiedene Beispiele dargestellt, welche alle die entsprechende Energieklasse für das gleiche Gerät – nur in verschiedenen Betriebspunkten kennzeichnen. Hier wird sehr deutlich, dass ein Gerät, hier am Beispiel des „Exhausto VEX160“ mit Kreuzstromwärmetauscher alle Energieklassen von A bis D haben kann, und wie wichtig der gewählte Betriebspunkt hierbei ist. Es wurde bewusst ein Gerät mit Kreuzstromwärmetauscher gewählt, da so die Spannweite in den Energieklassen am besten demonstriert werden kann. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel auch, dass es einen Bedarf an noch besseren Klassen als der heutigen A-Klasse gibt (siehe Tabellen 3 und 4), wie im Weiteren noch zu sehen sein wird.

Es ist sicherlich nachvollziehbar, dass die gewählte Luftmenge und Druckleistung einen entsprechenden Einfluss auf die jeweilige Energieklasse hat, dass aber auch die gewählte Außenlufttemperatur mit in die Bewertung einfließt, ist vielleicht etwas überraschend.

In den Beispielen 5, 6 und 7 der Tabelle 2 wurde lediglich die Außenlufttemperatur geändert, wodurch sich die Energieklasse von „C“ bei -12 °C bis auf „A“ bei +8 °C verbessert.

Die Begründung hierfür liegt darin, dass der Temperaturwirkungsgrad in wärmeren Klimazonen natürlich eine geringere Bedeutung für den gesamte Energiebetrachtung hat, als dies in kälteren Klimazonen (z. B. in Skandinavien) der Fall ist. Dagegen hat der Energieverbrauch für die Motoren (SFP) einen stärkeren Einfluss auf die Energieklasse, wenn das Gerät in wärmeren Klima­zonen mit hohen Außenlufttemperaturen eingesetzt wird.

Aus Tabelle 2 kann sehr einfach entnommen werden, dass es nicht ausreicht nach einem Lüftungsgerät der ”Energieklasse A” zu fragen – es ist in jedem Falle zu beschreiben, in welchem Betriebspunkt diese Klasse erreicht werden soll. Somit können auch zwei verschiedene Lüftungsgeräte ohne Kenntnis des Betriebspunktes nicht miteinander verglichen werden.

Aus diesem Grund hat Exhausto entschieden, keine Geräte mit aufgeklebter Energie-Effizienz Label zu liefern, da der Betriebspunkt zur Ausfertigung des korrekten Aufklebers für jeden einzelnen Auftrag spezifisch erfragt werden müsste. Sollte trotzdem ein solches Label gewünscht werden, so kann dieses jederzeit online mit den Auslegungsprogrammen „QuickSelect“ und „EXselect“ ausgedruckt werden.


Einfluss eines schlecht dimensionierten Kanal­systems

Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Energieklassifizierung nicht ganz einfach zu verstehen ist, ist in Tabelle 2 in den Beispielen 4 und 5 dargestellt. Hier wird deutlich, dass eine Anlage mit hohem Druckverlust im Kanalsystem (Nr. 4) eine bessere Energieklasse bekommt als eine Anlage mit niedrigerem Druckverlust (Nr. 5).

Die Erklärung ist denkbar einfach, da die Eurovent-Regeln den Gerätehersteller nicht für ein schlecht dimensioniertes Kanalsystem verantwortlich machen – ganz im Gegenteil werden Geräte, die mit einem hohen externen Druckverlust und einem vergleichsweise vernünftigen Energieverbrauch arbeiten können, besser klassifiziert.

Eurovent – RLT – Passivhaus – DIBt

Derzeit gibt es in Deutschland diverse anerkannte Zertifizierungsmöglichkeiten, die unter verschiedenen Gesichtspunkten, alle von einer unabhängigen Prüfstelle (z. B. TÜV) durchgeführt werden.

Somit wird dem Verbraucher die Entscheidung nicht gerade einfach gemacht, nach welchen Kriterien er sein Produkt auswählen soll.

Es wäre daher wünschenswert, wenn sich künftig auf ein generelles gemeinsames anerkanntes Zertifizierungsverfahren geeinigt werden würde, welches allen verschiedenen Anforderungen gerecht wird. Nur so kann dem Verbraucher eine eindeutige Vergleichbarkeit ermöglicht werden, und die Gerätehersteller müssen nicht mehrere verschiedene Zertifizierungen durchlaufen – die letztendlich der Verbraucher zu zahlen hat.

Exhausto hat sich für Eurovent entschieden, da dies auch europaweit anerkannt werden sollte (Die Prüfung wurde vom TÜV Süd und TÜV Nord durchgeführt).

Aus den Tabellen 3 und 4 wird deutlich, dass die „VEX200“-Serie (Rotationswärmetauscher) und „VEX300“-Serie (Gegenstromwärmetauscher) die Bedingungen zur Erfüllung der Energieeffizienzklasse A in allen berechneten Beispielen (gleiche Betriebspunkte wie in Tabelle 1) erfüllen.

Daher wäre es sinnvoll, wenn Eurovent neue Klassen z. B. A+ und A++ oder ähnliches einführen würde, um somit evtl. den anderen Zertifizierungsstellen gerecht, und als übergeordnete Zertifizierungsstelle auch in Deutschland anerkannt zu werden.

Dieser Wunsch wird derzeit von einem Komitee im Eurovent diskutiert, indem alle zertifizierten Produkte berücksichtigt werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es hierzu noch keine Stellungnahme, jedoch drängen auch andere Länder auf Grund ihrer nationalen Normungen und An­forderungen auf eine Ent­schei­dung.

Fazit

Es gibt zwei wichtige Erkenntnisse bei dieser Betrachtung der Eurovent-Energieeffizienzklassen:

Ein Lüftungsgerät kann keiner festen Energieeffizienzklasse zugeordnet werden. Diese Klassifizierung ist nur durch Kenntnis des tatsächlichen Betriebspunktes möglich, der auch immer Bestandteil des Labels ist. Durch die gezeigten Beispiele wird deutlich, dass es durchaus möglich ist sowohl gute als auch schlechte Ergebnisse für das gleiche Gerät zu bekommen.
Eine weitere Unterteilung der Energieklassen wäre wünschenswert, um ein einheitlich anerkanntes Energielabel durchzusetzen.

Jetzt Artikel freischalten:

tab DIGITAL

14 Tage kostenlos testen

2,49 € / Woche*

Fachwissen jederzeit und überall.

Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 E-Paper für mobiles Lesen
  • Online-Archivzugang

*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.

Jetzt bestellen

tab KOMBI

4,99 € / Woche*

Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.

Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 Print-Ausgaben pro Jahr
  • E-Paper für mobiles lesen
  • Teilnahme an einem Fachforum
  • Online-Archivzugang
  • Veröffentlichen eines Projekts

*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand

Jetzt bestellen

Thematisch passende Artikel:

Energieeffizienz bei RLT-Geräten

Als einer der ersten Hersteller bietet robatherm seit Mai 2008 Raumlufttechnische Geräte mit Energieeffizienzklasse A oder B nach der RLT-Richtlinie 01 des deutschen Herstellerverbands...

mehr
Ausgabe 11/2013 Ab 2015 Pflicht

Energielabel für Heizgeräte

Am 26. September 2013 traten die Verordnungen zur Energieeffizienzkennzeichnung von Heizgeräten und Warmwasserbereitern in Kraft. Nach Ablauf einer zweijährigen Übergangsfrist wird das neue...

mehr
Ausgabe 04/2009

Energielabel für RLT-Geräte

Auf der Basis der RLT-Richtlinie 01 „All­ge­meine Anforderungen an Raum­luft­tech­nische Gerä­te“ hat der Her­stellerverband Raum­luft­tech­nische Geräte e.V.,...

mehr
Ausgabe 05/2014 Der Klassifizierung voraus

Luftfilter mit A-Label

2011 führte Eurovent ein neues Testverfahren mit der Bezeichnung Richtlinie 4/11 zur Überprüfung der Effi­zienz von Luftfiltern ein. Diese bezieht sich auf die Ener­gie­effizienzklassifizierung...

mehr
Ausgabe 04/2019 Mit neuer Eurovent-Energieeffizienz-Klassifikation

Luftfilter-Katalog

Der Filterexperte Mann+Hummel hat seinen aktualisierten Luftfilter-Katalog veröffentlicht. Die Produkte gemäß der DIN ISO EN 16890, der internationalen Norm für die Partikelfiltration in...

mehr