Wettbewerbsvorsprung durch Investitionen
Viega baut Fertigung aus
Im Jahr 2009 tun sich die meisten Unternehmen schwer mit Investitionen. Auch der Attendorner Systemanbieter Viega spürt die Krise; doch die Reaktion vieler anderer Firmen – den Kopf in den Sand stecken, Investitionen und Marketingausgaben zurückstellen und hoffen, dass man irgendwie überlebt – davon halten die beiden Cousins, Mitinhaber und Geschäftsführer Heinz-Bernhard und Walter Viegener wenig, wie ein Besuch der TAB-Redaktion in der neuen Viega-Produktionsstätte in Bayern zeigt.
Viega (www.viega.de) hat mit der Inbetriebnahme einer neuen Produktionsstätte eine wichtige Basis für den Ausbau der Kunststoffrohr-Sortimente gelegt. Im bayerischen Niederwinkling – am Standort der 2007 von Viega übernommenen Firma Gabo, deren Kompetenz im Rohrleitungsbau mit dem Know-how von Viega kombiniert wurde – fertigt das Unternehmen zukünftig Metallverbundrohre, Kunststoffrohre sowie Wellrohre.
Viega verfügt mit der 27 Mio. €-Investition erstmals über eine Kunststoffrohr-Fertigung in Deutschland. Der 20 000 m2 große Neubau wurde am 23. Juni offiziell eröffnet. Die neue Fertigung soll...
Viega (www.viega.de) hat mit der Inbetriebnahme einer neuen Produktionsstätte eine wichtige Basis für den Ausbau der Kunststoffrohr-Sortimente gelegt. Im bayerischen Niederwinkling – am Standort der 2007 von Viega übernommenen Firma Gabo, deren Kompetenz im Rohrleitungsbau mit dem Know-how von Viega kombiniert wurde – fertigt das Unternehmen zukünftig Metallverbundrohre, Kunststoffrohre sowie Wellrohre.
Viega verfügt mit der 27 Mio. €-Investition erstmals über eine Kunststoffrohr-Fertigung in Deutschland. Der 20 000 m2 große Neubau wurde am 23. Juni offiziell eröffnet. Die neue Fertigung soll ein wichtiger Meilenstein beim Ausbau der Kunststoffrohr-Sortimente für den deutschen und europäischen Markt sein – darunter die „Fonterra“-Systeme für die Flächentemperierung sowie das neue „Raxofix“-Programm für Trinkwasserinstallation und Heizkörperanbindung.
In der Krise Stärke zeigen
„Auch wenn die Finanzkrise vorhersehbar gewesen wäre, hätten wir diese neue Fabrik gebaut“, betont Heinz-Bernd Viegener und er ist sich sicher, dass Krisen für gut aufgestellte Firmen der richtige Weg seien, um sich Wettbewerbsvorsprünge zu erarbeiten. Das Credo von Viega laute daher: „Das Unternehmen in der Krisenzeit stark zu halten, um in konjunkturell guten Zeiten noch stärker zu sein.“
Das funktioniert allerdings nur, wenn man – wie Walter Viegener ausführt – „nach solider mittelständischer Prägung das verdiente Geld im Unternehmen lässt, es also investiert.“
Und Investitionen gab es in den vergangenen Monaten reichlich. Die neue Produktionsstätte in Niederwinkeln stellt dabei nur einen Baustein im Maßnahmenkatalog dar, mit dem sich Viega für die Zukunft rüstet.
Am Standort Ennest wurde neben den generellen Modernisierungs-Investitionen ins Fertigungszentrum und Seminarcenter ein automatisches Rohrlager errichtet.
Der zweite westfälische Standort, Lennestadt, erhielt eine neue Produktionshalle für Kunststoff-Entwässerungstechnik.
Im thüringischen Großheringen wurde im Mai 2009 eine neue Produktionshalle zur Erweiterung der Kapazitäten im Stahl- und Edelstahl-Sortiment eingeweiht.
Am Hauptfirmensitz in Attendorn entstand ein Büro-Neubau mit 9400 m2.
In den USA (McPherson, Kansas) wurde ebenfalls in diesem Frühjahr ein Produktions- und Logistikstandort mit 45 000 m2 Nutzfläche für Kunststoff-Rohrsysteme für den amerikanischen Markt eingeweiht. Dieses stellt damit das amerikanische Pendant dar zur
bereits erwähnten neuen Fertigungshalle in Niederwinkling.
Kunststoffsysteme als Weichensteller für die Zukunft
Vor allem mit den Investitionen in Niederwinkling und McPherson wird deutlich, dass Viega den Markt für Kunststoffrohre mit der dazugehörigen Verbindungstechnik als Weichensteller für die Zukunft sieht. Erfahrungen auf diesem Gebiet hat Viega schon seit 30 Jahren. Bereits seit 1982 hat das Unternehmen mit „Sanfix“ das erste Komplettsystem für Trinkwasserinstallationen im Programm. Seit 1988 setzt Viega mit „Sanpress“ auf die Pressverbindungstechnik und seitdem entstand ein Presstechnik-Sortiment, das es „in einer derartigen Anwendungsvielfalt – von der Gebäudetechnik über die Versorgungs- und industrielle Anlagentechnik bis in den Schiffbau – weltweit bei keinem zweiten Anbieter gibt“, weiß Heinz-Bernhard Viegener zu berichten.
In diesem Sortiment waren Metall- und Kunststoff-Systeme gleichermaßen vertreten – allerdings mit einem kleinem Schönheitsfehler: Viega hatte keine Kompetenz in der Kunststoff-Rohr-Fertigung. Da der Zukauf von Rohren auf Dauer nicht akzeptabel gewesen sei, entschied man sich die entsprechenden Schlüsselwerte im eigenen Haus zu schaffen. Ein erster Schritt war der Kauf des amerikanischen Kunststoff-Systemherstellers Vanguard im Jahr 2005. 2007 kam dann die Traditionsfirma gabo aus Niederwinkling hinzu, und seitdem verfügt Viega nicht nur über eine Betriebsstätte zur Kunststoffrohr-Fertigung, sondern auch über das Know-how aus 40 Jahren Erfahrung eines renommierten Unternehmens. Mit „Fonterra“ sind in weniger als drei Jahren zwölf Systeme zur Flächenheizung und -kühlung entstanden. Und auch die Rohre für das neue „Raxofix“-System für Trinkwasserinstallationen und Heizungsanbindung werden aus Niederwinkling kommen.
Qualitätssicherung enorm wichtig
Und das nun eingeweihte neue Werk kann sich wirklich sehen lassen: Von der zentralen Materialbereitstellung über Extrusion und Halbfertigwaren-Lager bis Rückwickeln und Logistik sind sämtliche Arbeitsschritte konsequent ablaufoptimiert aufgebaut. Ein hoher Automatisierungsgrad gehört ebenso dazu wie beispielsweise die effiziente Anordnung der Maschinenbedienung durch gegenüberliegende Bedienseiten.
Diese Struktur garantiert – nach der Wareneingangsprüfung des Granulates – die Qualität des Endproduktes schon während der Herstellungsphase. Denn permanent werden hier schon durch Inliner-Lasermessverfahren z.B. Außendurchmesser und Ovalität des Rohres geprüft oder per Ultraschalltechnik die gleichbleibende Rohrwanddicke abgesichert. Dies ist ein ganz entscheidender Aspekt bei den Mehrschichtverbundrohren, die aus bis zu fünf Materiallagen bestehen – und dennoch bis auf den Bruchteil eines zehntel Millimeters immer identisch sein müssen.
Ergänzende Material- und Produktprüfungen unterstreichen den Qualitätsanspruch von Viega: So werden daher pro Produktionslinie bei jedem Produktwechsel und in Zwischenintervallen einzelne Prüfstücke zusätzlich mikroskopischen Untersuchungen auf Homogenität unterzogen, die Haftvermittlung der verschiedenen Schichten kontrolliert oder einer Zugprüfung ausgesetzt, um die Reißdehnung zu testen. Zeitstandsmessungen und Wärmebehandlungen gehören darüber hinaus ebenfalls zu den standardmäßigen Prüfverfahren.
Investitionskosten senken
Das in Niederwinkling u.a. gefertigte „Raxofix“-Programm ist ein Rohrleitungssystem für Trinkwasser- und Heizungsinstallationen. Die neue „raxiale“ Verbindungstechnik für formstabile und flexible PE-Xc-Rohre vereint Vorteile aus radialer Press- und axialer Schiebetechnik. Damit lässt sich „Raxofix“ ohne Kalibrieren, Anfasen oder Aufweiten der Rohre schnell und sicher installieren. Außerdem ist das System besonders wirtschaftlich, denn durch die druckverlustarmen Verbinder kann bei exakter Berechnung manche Teilstrecke im Rohrnetz um bis zu zwei Dimensionen kleiner ausfallen. Das senkt die Investitions- und Betriebskosten und unterstützt durch das geringere Anlagenvolumen den Erhalt der Trinkwassergüte bis zur letzten Entnahmestelle.
Optimaler Durchfluss
Die Rohrverbindung ist absolut kraftschlüssig und verdrehsicher. Dafür sorgen die hochbelastbaren und strömungsgünstigen Formstücke aus hochwertigem Rotguss in Verbindung mit den PPSU-Stützkörpern. Ohne O-Ring werden damit homogene, kunststoffgerechte Verbindungen mit optimalem Strömungsverhalten durch minimale Widerstandsbeiwerte (Zeta-Werte) realisiert. Bei „Raxofix“ bleibt der freie Rohrquerschnitt fast uneingeschränkt erhalten – rechtwinkelige Strömungsumlenkungen oder scharfe Abrisskanten sucht man in den gegossenen Formstücken vergebens. Das zahlt sich messbar aus, denn die Druckverluste sind wesentlich geringer als bei anderen Systemen mit Press- oder Steckverbindern, die oft durch starke Einschnürungen in den Stützkörpern sehr hohe Widerstandsbeiwerte aufweisen.
Wie viel das ausmacht, wird an einer gängigen Doppelwandscheibe für eine hygienebewusste Reihenleitung einer Trinkwasserinstallation auf der Etage deutlich: Während der Zeta-Wert des „Raxofix“-Verbinders unter 4 liegt, beträgt er bei einigen Wettbewerbsprodukten fast 20. Bei dieser Anwendung kommt man mit „Raxofix“ üblicherweise mit der Dimension 16 mm aus, während man bei anderen Systemen für den gleichen Nutzungskomfort teilweise auf die Nennweite 20 mm oder sogar noch höher ausweichen muss. Das bedeutet dann erhebliche Mehrkosten für Rohr, Verbinder sowie Dämmung und sonstige Nebenarbeiten – ein Effekt, der sich je nach den Versorgungsdruckverhältnissen bei den Kellerverteil- und Steigeleitungen dann noch spürbar fortsetzen kann.
In Trinkwasseranlagen wird außerdem ein hygienischer Anlagenbetrieb erreicht: In den optimiert ausgelegten Rohren findet ein häufigerer Wasseraustausch statt; das mit Verkeimungsgefahr verbundene Stagnationsrisiko wird deutlich reduziert.
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