Praxisnahes Lernen in Münster
Abgasanlagen in der „Grünen Werkstatt“Im Bildungszentrum der Handwerkskammer Münster wurden zwei Abgasanlagen mit mehreren Komponenten installiert. Diese dienen der Aus- und Weiterbildung, denn es lassen sich nahezu alle Wärmeerzeuger anbinden.
Hohes Niveau der Ausbildung
Das Referat Technische Gebäudeausrüstung der Handwerkskammer Münster plante in den vergangenen Jahren die Einrichtung eines neuen Kompetenzzentrums: die „Grüne Werkstatt“. Mit diesem neuen Lehrwerkstattkonzept trägt das Bildungszentrum der Handwerkskammer (HBZ) der aktuellen Entwicklung im Aus- und Weiterbildungsbereich Rechnung. Demnach besteht immer mehr Bedarf nach praxisbezogenen sowie projekt- und problemorientierten Arbeits- und Lernformen, die gewerkeübergreifend gedacht werden. Das neue Konzept ermöglicht einen attraktiven und aktivierenden Unterricht nach...
Hohes Niveau der Ausbildung
Das Referat Technische Gebäudeausrüstung der Handwerkskammer Münster plante in den vergangenen Jahren die Einrichtung eines neuen Kompetenzzentrums: die „Grüne Werkstatt“. Mit diesem neuen Lehrwerkstattkonzept trägt das Bildungszentrum der Handwerkskammer (HBZ) der aktuellen Entwicklung im Aus- und Weiterbildungsbereich Rechnung. Demnach besteht immer mehr Bedarf nach praxisbezogenen sowie projekt- und problemorientierten Arbeits- und Lernformen, die gewerkeübergreifend gedacht werden. Das neue Konzept ermöglicht einen attraktiven und aktivierenden Unterricht nach modernsten Lehrmethoden. Dabei wird insbesondere auf die Verzahnung von praktischen und theoretischen Lehrinhalten sowie auf Themen aus dem Bereich der Regenerativen Energien Wert gelegt.
In der „Grünen Werkstatt“ können neben den klassischen Gas-Brennwertgeräten auch holzbeschickte Feuerstätten, Wärmepumpen, Kältetechnik sowie Brennstoffzellen zu Lehrzwecken angeschlossen werden. Damit werden verschiedene Zielgruppen angesprochen, neben den SHK-Fachleuten beispielsweise Kälteanlagentechniker oder Elektriker. Um den gewerkeübergreifenden Gedanken zu betonen, nutzt das HBZ beispielsweise Werkzeug-Rollcontainer für alle Zielgruppen. Die Anlagen stehen außerdem für Firmenschulungen offen. Zu den Sponsoren für die Heizungstechnik zählen u.a. die Unternehmen Viessmann und Brötje.
Planung der Anlage
Ausgangspunkt der Konzeption war ein durch Umstrukturierung frei werdender großer Raum, in dem verschiedene Anschlüsse für Gas, Strom oder Kälte bereits vorhanden waren. Die Grundlagenplanung erledigte das Referat TGA der Handwerkskammer, für bestimmte fachbezogene Bereiche zog man als Planer u. a. die Plancad Ingenieur GmbH aus Nottuln hinzu. Dabei ging es beispielsweise um die Hydraulik sowie um Berechnungen und Ausschreibungen.
In Bezug auf die Abgasanlagen samt Komponenten setzte das HBZ auf die Kompetenz von Raab. Hier spielte vor allem eine Rolle, dass der Spezialist für Abgastechnik alle Anforderungen abdecken konnte. „Das Unternehmen Raab plante die komplette Anlage entsprechend den baulichen Gegebenheiten und Vorschriften“, resümiert Rudi Mlynek, Leiter des Referats TGA der Handwerkskammer. „Die Zusammenarbeit hat sich aus unserer Sicht bewährt, denn wir hatten mit Rico Gilgasch einen Ansprechpartner für alle Bereiche der Abgastechnik.“ Die Betreuung umfasste vom Planungsvorschlag über Aufmaß und Baustellenbegleitung den gesamten Bereich bis zum Test der Komponenten und der Einweisung des Heizungsbauers.
Details der Abgas-Installation
Entsprechend den Abmessungen der Aufstellräume konzipierte das Unternehmen Raab zwei identische Anlagen. Ausgehend von einer senkrechten Rohrführung wurde jeweils ein waagerechter Abgassammler mit wenig Gefälle vorgesehen, an dem wiederum fünf Anschlüsse platziert sind. Unterhalb auf der Wand befinden sich sämtliche für eine Installation wesentlichen Details – vom Heizungsvor- und -rücklauf über Strom- und Gasanschlüsse bis zum Kondensatablauf. Auf der Rückseite dieser Installationswand sind die Verrohrungen mitsamt Umwälzpumpen, Verteilern und Regeleinrichtungen untergebracht.
Die Edelstahl-Abgasanlage mit einer Gesamthöhe von ca. 9 m wurde mit „DW-Alkon“ in der Nennweite 250 aufgebaut, einem doppelwandigen System mit 30 mm Wärmedämmung. Die patentierte konische Steckverbindung ist druckdicht bis 5.000 Pa. Durch die metallische Flächendichtung ist eine Anlage bis 600 °C temperaturbeständig. Da auf elastomere Dichtringe verzichtet werden kann, gilt ein solches System als verschleiß- und wartungsfrei. Im unteren Bereich sitzen die Reinigungstür und der Kondensatablauf. In der Waagerechten wurde „DW-V-Alkon“ eingesetzt und mit Spannbändern gesichert.
Motorische Abgasklappen
An den Abgängen der T-Stücke – an den Feuerungs- bzw. Rauchrohranschlüssen – wurde jeweils eine motorische Abgasklappe installiert. Hier kam die Ausführung „250 MUK D“ zum Einsatz. Diese Komponenten werden bei Geräten ohne Zündflamme eingesetzt, etwa Kaskadenanlagen. Sie sind metallisch dichtschließend, kondensatbeständig und eignen sich für Über- und Unterdruck-Abgasanlagen bis 200 °C. Abgasklappen weisen eine Reihe von Vorteilen auf: Sie eignen sich für alle Brennstoffarten, dienen als Regelelement der Verbesserung der Verbrennungsqualität, reduzieren die Stillstandsverluste, vermeiden Abgasrückströmungen und verhindern das Entweichen aufgeheizter Raumluft. Damit bewirken sie eine Energieeinsparung und so eine Verbesserung der Gebäudeenergiebilanz. Im HBZ ist vor allem das sichere Verschließen der nicht genutzten Abgasstutzen von Bedeutung.
Leichtbauschächte im Dachraum
Die doppelwandige Abgasanlage wird oberhalb des Schulungsraums durch einen Leichtbauschacht geführt. Mit diesem Schachtsystem aus der Serie „LB 90“, der das Rohr umkleidet, kann den Ansprüchen an Sicherheit und Brandschutz Genüge getan werden. Des Weiteren lässt das geringe Gewicht ein Aufsetzen auf nahezu jeder Zwischendecke zu. Als Material für den Leichtbauschacht werden 4 cm starke Fibersilikatplatten genutzt, die sich einfach in Trockenbauweise versetzen lassen. Auch die Übergänge in der Decke bzw. in der Dachhaut wurden mit Elementen aus dem Raab-Programm umgesetzt. Rund 3 m des „LB 90“ wurden jeweils für diesen Abschnitt benötigt.
Installation über Dach – Rauchsauger
Der letzte Abschnitt der Abgasanlagen über Dach wurde wieder mit „DW-Alkon“ umgesetzt. Auf beiden Schornsteinen wurde jeweils ein Rauchsauger „Diajekt 250“ montiert. Diese Komponente bewirkt eine sichere, zuverlässige Abgasführung, eine elementare Anforderung an jede Feuerstätte. Der „Diajekt“ verbessert durch einen konstanten Zug den Abbrand, was zudem einen niedrigeren Energieverbrauch und einen geringeren Emissionsausstoß nach sich zieht. Dies gilt für alle Feuerstätten mit sensiblen Anforderungen an einen stabilen Unterdruck, auch bei Mehrfachbelegungen wie im HBZ. Das Gerät verkraftet laut Kutzner + Weber eine Mündungstemperatur von bis zu 300 °C.
Das Lüfterrad des Rauchsaugers arbeitet nach Bedarf, also vorwiegend in der Anheizphase. Ist die Betriebstemperatur erreicht, schaltet es ab, was den Energieverbrauch minimiert. Durch seine besondere Konstruktion stellt das Gerät die freie Ausströmung des Abgases im Stillstand sicher. Alle elektronischen Bauteile sind außerhalb der aggressiven und heißen Abgase angeordnet. Daher gilt der „Diajekt“ als äußerst langlebig, zumal er bis auf den Motor komplett aus rostfreiem Edelstahl gefertigt wird. Schnellverschlüsse am Gehäuse ermöglichen eine rasche und einfache Reinigung bzw. Wartung. Die Installation konnte durch den Einschubadapter, der mit einem Schwingungsdämpfer verschraubt wurde, schnell und problemlos ausgeführt werden.
Gesteuert wird der Rauchsaugerbetrieb mithilfe der Regelung 2.0. Sie kann Rauchsauger mit einer Leistung von bis zu 600 W ansteuern und verfügt über eine Ansteuerung für einen Zugbegrenzer, einen Alarmausgang (Öffner/Schließer) sowie über einen analogen Ausgang zur Ansteuerung von EC-Motoren oder Motoren mit Frequenzumrichter. Das 32 x 64 mm große Display bietet ein komfortables Bedienfeld. Das Startsignal für die Regelung geben die Abgastemperaturwächter, die direkt am Abgasstutzen der Feuerstätte installiert wurden.
Erste Erfahrungen
Die „Grüne Werkstatt“ ist seit Februar 2016 in Betrieb. Bei den bisher durchgeführten Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen konnte sich das Konzept bewähren. „Grüne“ Themen werden mit den Anforderungen an die Gebäudeausrüstung verbunden, so dass die Absolventen den direkten Bezug zur Praxis haben und dies auf ihre eigenen Projekte übertragen können.
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