Planungs- und Haftungsfehler verringern
Höhere Sicherheitslevel ohne steigende ProjektkostenAbgelehnte Brandschutzkonzepte führen immer häufiger zu Bauverzögerungen und höheren Kosten. Sind die Herausforderungen bei Großprojekten um einiges höher, stehen zunehmend auch Gebäude mit veränderten Nutzungskonzepten in der Kritik. Verzögerungen der brandschutz- und gebäudetechnischen Sanierung oder eine so genannte Nutzungsuntersagung können die Folgen sein. Um Risiken rechtzeitig zu erkennen, müssen Planer, Architekten, Investoren und Versicherer daher bereits in der Planungsphase gemeinsam mögliche Gefährdungsanalysen erarbeiten und den Stand der Technik immer im Blick haben.
Risiken rechtzeitig erkennen und abfedern
Die Risikoanalyse und damit auch die funktionale Sicherheit sind im Prinzip auf allen baurechtlich vorgeschriebenen Anlagen anwendbar. Sogar auf die GLT, wenn diese nicht rückwirkungsfrei mit der...
Risiken rechtzeitig erkennen und abfedern
Die Risikoanalyse und damit auch die funktionale Sicherheit sind im Prinzip auf allen baurechtlich vorgeschriebenen Anlagen anwendbar. Sogar auf die GLT, wenn diese nicht rückwirkungsfrei mit der Sicherheitseinrichtung gekoppelt ist. Insbesondere bei Ausschreibungen sind die verschiedenen individuellen Kundenvorgaben und Kundenwünsche mit Blick auf die funktionale Sicherheit oft nur schwer unter einen Hut zu bekommen. Wird aus Kostengründen heute oftmals der Sicherheitsintegritätslevel (SIL) nur auf Mindestanforderungen ausgerichtet, kann sich das später auch haftungsrechtlich rächen und die Kosten nachträglich in die Höhe schnellen. Ebenso gilt es, den Stand der Technik immer im Blick zu haben. Gerade hier hat sich in den letzten Jahren einiges getan. So kann beispielsweise ein vom TÜV zertifiziertes Entrauchungssystem durch den Wegfall zeitraubender Einzelzulassung auf einfache Art neben einer integrierten Risikoanalyse auch bis zu SIL3-Anforderungen abdecken.
Bei den Sicherheitsschutzzielen haben Entrauchungskonzepte eine besondere Bedeutung. Eine einheitliche Planungs- und Ausführungsgrundlage gibt es nicht. Vielmehr muss für jedes Objekt (trotz nahezu identischer Objekteigenschaften) ein individuell in Bezug auf die Ausführung der maschinellen Rauch- und Wärmeabführung beplant und auch geprüft werden. Aus Kostengründen werden diese jedoch oftmals nur mit baurechtlichen Mindestanforderungen ausgeführt, wodurch das Risikopotential haftungsrechtlich steigen kann. Fehler- oder mangelhafte Brandschutzplanungen sind daher häufig Anlass für Behörden die Freigabe zu verweigern.
Die Folge: Die Bauabnahme wird trotz eines von der Behörde zugestimmten Konzeptes durch weitere genehmigungsrechtliche Auflagen die Projektzeit und somit die Kosten erhöhen. Aktuelle Fälle werden derzeit mehrfach von Gerichten, Sachverständigen und der Fachpresse aufgegriffen. Eine fachgerechte Planung von Brandschutzkonzepten entscheidet daher zunehmend über das Gelingen des Bauvorhabens. Ein Mehr an Sicherheit durch einen höheren Sicherheitslevel kann sich daher für Auftraggeber und Planer auch monetär rechnen und spätere Planungsfehler und Zeitverzögerungen vermeiden. Kommt es dennoch zu Planungsfehlern und daraus resultierenden Haftungsrisiken von Architekten und Planern, können diese aus versicherungstechnischer Sicht mit einer individuellen und projektbezogenen Planungshaftpflichtversicherung abgedeckt werden, weiß Georg Schill, Experte aus dem Geschäftsbereich Marsh Risk Consulting in Stuttgart.
Bei der Planung von Brandschutzkonzepten sollte zwingend eine Risikoanalyse erarbeitet werden. Ob und wann ein Risiko tolerierbar ist, hängt unter anderen von gesetzlichen Anforderungen, Leitfäden der Behörden und dem jeweiligen Nutzungskonzept ab. Auflagen und Ziele der Behörde, Betreiber und die Versicherungswirtschaft sind jedoch nicht immer vereinbar. In der Praxis werden daher Gebäude und Objekte oftmals mit geringeren Sicherheitsanforderungen geplant und genehmigt.
„Mit Zunahme der Komplexität und steigenden Kundenanforderungen lässt sich das Risiko des Planers nicht immer über eine Versicherung abdecken“, sagt Georg Schill. „Planungsfehler erzeugen beim Versagen der Genehmigung durch die Behörde in der Regel ein Haftungsrisiko für Architekten und Planer. Je nach Ausgestaltung der Versicherung können Planungsrisiken abgefedert werden: Zum Beispiel bei baulichen Mängeln, in deren Folge der Architekt nachplanen muss oder im schlimmsten Fall die bisher durchgeführten Arbeiten zurück gebaut werden müssen“, beschreibt Georg Schill ein mögliches praktisches Szenario. „Wird beispielsweise im Nachgang eine Verbesserung des Entrauchungs- oder Sprinklerkonzeptes aufgrund von Baumängeln verlangt, könnten die Mehrkosten bereits abgefangen werden. Dieses Risiko kann zusätzlich zur Betriebshaftpflichtversicherung abgesichert werden“, ergänzt Georg Schill.
Durch die gestiegenen Brandschutzanforderungen ist es für Fachplaner eine Pflichtkür den aktuellsten Stand der Technik im Blick zu haben. Investoren und Planer haben den Wunsch die Baugenehmigung mit möglichst wenigen Auflagen zu bekommen. Oft werden aber nur Minimalanforderungen erfüllt, bei deren Genehmigung sich die Behörde auf das vorgelegte und genehmigte Brandschutzkonzept bezieht und somit das Risiko wieder beim Planer liegt. In deren Folge ist das Bauprojekt oftmals nur schwer oder mit nachträglichen Änderungen versicherbar.
Entrauchungssteuerung einer neuen Generation
Durch die individuellen Nutzungskonzepte der Gebäude kann man Brandschutzplanungs- und Ausführungsgrundlagen nicht vereinheitlichen. Hier gilt es für jedes Objekt die Rauch- und Wärmeabführung neu zu planen! Ein aufwendiger Prozess beginnt und sollte nach der Erarbeitung der Schutzziele zwingend mit der Risikoanalyse fortgesetzt werden.
Wie in allen Bereichen der Gebäudetechnik wird auch im Brandschutz das sicherheitstechnische System (Safety Instrumented System) über Sensorik, Logikeinheit und Aktorik als Sicherheitskette betrachtet. Sensoren, wie BMA mit Rauchmeldern, Handtaster, Feuerwehrentrauchungstableau, und dieEntrauchungssteuerung als Logikeinheit sowie Aktoren, wie z.B. Entrauchungsventilator, Brandschutzklappen und Entrauchungsklappen, bilden die Sicherheitskette.
Die Spezifikation der Sicherheitsanforderungen an das SIS definieren die Sicherheitsfunktionen und Randbedingungen, die ausgeführt werden. Der anzuwendende SIL wird einerseits am Anfang des Projektes zur Ermittlung der notwendigen Sicherheitsintegrität, Architektur und sicherheitstechnischen Kenngrößen des SIS und spätestens am Ende des Projektes beim Assessment zur Validierung der erfüllten SIS-Anforderungen benötigt.
Die Experten der Hosch Gebäudeautomation GmbH haben hier eine Software namens „rigentoPlan“ entwickelt, mit der die Fachplaner bereits im Vorfeld selbst eine SIL-Analyse am PC vornehmen können. „In einem Risikographen integriert, können Fachplaner auf einfachem Weg reproduzierbare Risikoanalysen vornehmen. Planer können die Software kostenlos erhalten und somit bereits in der Vorphase viel Zeit sparen“, erklärt Halit Ay, Entwicklungsleiter und TÜV geprüfter FS-Ingenieur bei Hosch.
„Die Umsetzung aller erforderlichen Maßnahmen und deren fachgerechter Ausführung erforderte bisher einen hohen Zeitaufwand. Anlass für uns ein multifunktional integrierbares Entrauchungskomplettsystem mit Modulen zurAusschreibungsplanung zu entwickeln. Die praktischen Erfahrungen bei der Planung und Umsetzung effizienter und sicherer Gebäudeautomation motivierten uns, die Gestaltung der Entrauchungskonzepte bei gleichzeitiger Erhöhung der Sicherheitsebenen zu vereinfachen. Zunehmend erreichen die Lösungen bei den Behörden und aus der Wirtschaft hohe Anerkennung. Für den renommierten ,Plus X Award’ nominiert, wurden wir im Juni 2014 mit dem Preis in Bonn für unsere Anstrengungen mehrfach ausgezeichnet“, freut sich Hosch-Geschäftsführer Holger Schaefe.
Mit dem „rigentoS3“-Komplettsystem, verfügbar ab Mitte 2014, werden alle Sicherheitsstufen, auch integrierbar in bestehende Systeme, bis SIL 3 problemlos realisiert. Mit dem TÜV-geprüften System greifen Anlagen- und Brandschutztechniker nun auf ein zertifiziertes Komplettsystem mit verbessertem Sicherheitskomfort und vereinfachter Installation zurück. Durch den Wegfall der zeitraubenden Einzelzulassung, diese muss jetzt nicht mehr extra beantragt werden, verringert sich der Aufwand bei der Planung und Ausführung erheblich“, so Holger Schaefe weiter.
„In den letzten Jahren wurden die praktischen Erfahrungen bei der Planung und Umsetzung immer komplexer. Anlass für uns einen Branchentag als Wissensforum im September zu gestalten und so auch Randbedingungen und Haftungsfragen zu beleuchten. Denn schon bei der Risikoanalyse muss der Zielwert der Sicherheitsintegrität, d.h. die sicherheitstechnische Leistungsfähigkeit und die Wahrscheinlichkeit der Ausführung jeder Sicherheitsfunktion schnell und einfach bestimmt werden,“ so Halit Ay, der aus Erfahrungen bestätigt, dass Programmierarbeiten bei Großprojekten schon mal Monate oder gar Jahre an Programmierungszeit in Anspruch nehmen können und so die Kosten in die Höhe treiben.
„Motivation für uns, die aufwendige Programmierung mit „rigentoEng“ im System zu integrieren und mit einer einfachen Parametrierung zu ersetzen. Rechnet man die Manntage die zur Programmierung bisher benötigt wurden und so höhere Projektkosten erzeugen, hat sich unser Komplettsystem durch den Wegfall der zeitaufwendigen Programmierung dann bereits amortisiert. Mit der Risikoanalyse kann der Zielwert der Sicherheitsintegrität, d.h. die sicherheitstechnische Leistungsfähigkeit und die Wahrscheinlichkeit der Ausführung jeder Sicherheitsfunktion schnell und einfach bestimmt werden.In den Jahren der Entwicklung des „rigentoS3“-Systems konnten wir im Team die Anforderungen aus der täglichen Praxis immer weiter modifizieren. So entstand dann auch mit „rigentoEng“ eine benutzerfreundliche Anwendungssoftware, die ohne aufwendige Einzelprogrammierung auskommt“, zeigt sich Halit Ay zufrieden.
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