Leuchtturmprojekt im Breisgau

Passiv-Hochhaus in Freiburg

Mit der Einweihung des weltweit ersten Hochhauses im Passivhausstandard am 21. April 2011 feierten kommunale Wohnungsbaugesellschaft, Energieversorger und Wissenschaftler einen wichtigen Meilenstein ihres Leuchtturmprojekts. Damit existiert erstmals ein Hochhaus, dessen Heizwärmebedarf nach Sanierung deutlich unter 20 kWh/m²a gesunken und mit dem eines neu gebauten Passivhauses vergleichbar ist. Der Heizwärmebedarf nach Sanierung liegt bei einem Fünftel des ursprünglichen Werts und wurde damit um 80 % gesenkt. Gemeinsam haben sich Freiburger Stadtbau GmbH, die badenova Wärmeplus und das...

Mit der Einweihung des weltweit ersten Hochhauses im Passivhausstandard am 21. April 2011 feierten kommunale Wohnungsbaugesellschaft, Energieversorger und Wissenschaftler einen wichtigen Meilenstein ihres Leuchtturmprojekts. Damit existiert erstmals ein Hochhaus, dessen Heizwärmebedarf nach Sanierung deutlich unter 20 kWh/m²a gesunken und mit dem eines neu gebauten Passivhauses vergleichbar ist. Der Heizwärmebedarf nach Sanierung liegt bei einem Fünftel des ursprünglichen Werts und wurde damit um 80 % gesenkt. Gemeinsam haben sich Freiburger Stadtbau GmbH, die badenova Wärmeplus und das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE zum Ziel gesetzt, den Primärenergiebedarf des komplettem Stadtteils bis zum Jahr 2020 um 50 % zu reduzieren.

Bei dem sanierten Hochhaus handelt es sich um ein sechzehn Stockwerke hohes Gebäude im Freiburger Stadtteil Weingarten. Nach eineinhalbjähriger Sanierung ziehen dort alte und neue Mieter ein. Mit Unterstützung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE wurde der Primärenergiebedarf für Beheizung, Trinkwassererwärmung, Lüftung, Beleuchtung und Haushaltsstrom bereits um 40 % gesenkt. Nach der offiziellen Einweihung setzen die Fraunhofer-Forscher ihre wissenschaftliche Arbeit fort. Sie erfassen und analysieren über zwei Jahre den Energieverbrauch des Gebäudes im realen Betrieb. Die Ergebnisse haben, wie das gesamte Projekt, Modellcharakter und sollen zukünftig in vergleichbare energetische Sanierungsvorhaben einfließen.

 

Basis des Sanierungskonzepts ist der Einbezug der alten Balkonflächen in den Wohnraum. Das Gebäude ist damit kompakter und die Wärmeverluste im Verhältnis zur Nutzfläche geringer. Die dadurch bedingten höheren Raumtiefen machten Untersuchungen zur Tageslichtversorgung notwendig. Zusammen mit Berechnungen des Energiebedarfs und des sommerlichen Wärmeschutzes wurden für die Planer Vorgaben zur optimalen Zonierung der Grundrisse und Gestaltung der Fassade erarbeitet, um einen möglichst hohen Komfort bei geringem Energiebedarf zu gewährleisten. Die großen, sturzfreien Fensterflächen lassen das Tageslicht tief in die Räume eindringen. Der außenliegende Sonnenschutz sorgt im Sommer dafür, dass die Sonne „draußen“ bleibt und die Räume nicht zu warm werden. Zur Reduktion des Energiebedarfs wurden Fassade, Dach und Decken gedämmt sowie Dreifachverglasungen eingebaut. Besondere Aufmerksamkeit galt der Vermeidung von Wärmebrücken. Durch Aerogeldämmung konnten die Fraunhofer-Forscher Wärmebrückeneffekte an besonders kritischen Stellen minimieren. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versorgt die Wohnung kontinuierlich mit frischer Luft. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von knapp 24 kWp installiert.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 04/2018 Wasserstoff-Einspeiseanlage in Betrieb genommen

Forschungsprojekt des Fraunhofer ISE in Freiburg

Wasserstoff als flexibler Energieträger kann zu einem wichtigen Element der Energiewende werden. Er ermöglicht im Sinne der Sektorenkopplung einen Transfer von erneuerbaren Energie in jeden Sektor...

mehr

Fraunhofer ISE entwickelt interaktives Tool zur Wärmepumpenwahl

Die Industrie steht vor der Herausforderung, in den kommenden Jahrzehnten ihre Prozesse von fossilen auf erneuerbare Energien umzustellen. Ein wesentlicher Baustein dabei sind...

mehr

Sonnenhäuser werden rentabel

Ergebnisse einer Untersuchung
Dieses Sonnenhaus in Landshut bezieht etwa 80 % des W?rmebedarfs von 68 m2 Solarkollektoren. Das Haus ist eines von neun untersuchten Geb?uden im Projekt HeizSolar.

Das neue Marktanreizprogramm (MAP) für Hausheizungen mit erneuerbarer Energie gibt es seit dem 1. April 2015. Manche aus dem MAP resultierende Folgen werden erst so langsam deutlich. Saniert man etwa...

mehr
Ausgabe 02/2018 Grundsteinlegung für ein Laborgebäude am Fraunhofer ISE

Zentrum für höchsteffiziente Solarzellen

Seit über 30 Jahren zählt das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE zu den führenden Forschungseinrichtungen für Solarenergie. In der Photovoltaik erzielt das Institut immer wieder...

mehr