Natürliche Kältemittel in der Praxis

Je leistungsstärker ein Kernspintomograph (MRT) ist, desto höher fällt sein Energieverbrauch aus. Dies liegt am hohen Stromverbrauch und an der nötigen Dauerkühlung des Magneten. Bisher werden in diesem Bereich nur chemische Kühlmittel wie beispielsweise R404a verwendet. Dass sich der Einsatz von natürlichen Kühlmitteln nicht nur positiv auf die ökologische, sondern auch auf die ökonomische Seite auswirkt, zeigt die Radiologische Gemeinschaftspraxis Dr. med. Kroker, Dr. med. Leipold und Peter Mihm in Bad Reichenhall. Im Ärztezentrum in der Alten Saline (siehe Infokasten ganz unten) steht seit einigen Monaten der erste MRT, dessen Magnet auf Basis natürlicher Kältemittel gekühlt wird.

„Leider fehlt bisher der richtige Durchbruch im Umstieg auf eine natürliche Lösung. Viele Betreiber kleinerer, spezieller Anlagen wissen oft nicht, dass sich ein Umstieg für sie auch wirtschaftlich lohnt“, weiß Rudolf Einöder, Geschäftsführer vom Kälte-Klima-Fachbetrieb, der Einöder GmbH (www.einoeder.de) aus Siegsdorf. Die Firma Einöder hat bereits langjährige Erfahrung in der Installation von Anlagen mit natürlichen Kältemitteln. Mit der Kühlung eines Kernspintomographen hat sie aber Neuland betreten. „Dafür haben wir jetzt ein Vorzeigeobjekt für den Einsatz natürlicher Kühlmittel in diesem Bereich“, freut sich Rudolf Einöder.

In Bad Reichenhall hat er nicht nur die Kühlung des MRT-Magneten, sondern auch eine Vollklimatisierung der Räume und eine Wärmerückgewinnungsanlage für das gesamte Ärztehaus installiert. Über die Wärmerückgewinnungsanlage werden bis zu 75 % der nötigen Heizwärme für den Komplex gewonnen. Alles funktioniert auf Basis des natürlichen Kältemittels R723.

Rund 200 000 € Gesamtinvestitionen waren für die Anlage nötig, ein Drittel mehr als für eine Anlage auf Basis herkömmlicher chemischer Mittel. „Das schreckt viele ab. Wer sich dann die Bilanz über fünf Jahre anschaut, wird zur natürlichen Kühlung greifen“, sieht Rudolf Einöder hier noch Aufklärungsbedarf. „Unsere Maßgabe war, die effizienteste und zukunftsfähigste Anlage zu finden, so dass wir später nicht wieder umrüsten müssen“, erklärt Anton Grassmann vom Planungsbüro Grassmann. Gemeinsam mit der Projektentwicklung – Bauträger GmbH Riess & Herrenreich sowie dem Architekten Andreas Paulweber war dieses für die Umgestaltung der denkmalgeschützten alten Gebäude zum neuen Ärztezentrum verantwortlich war.

Die Lösung auf Basis natürlicher Kühlmittel erwies sich als ideal. „Der Einsatz natürlicher Kältemittel ist nachhaltig, mit 50 % Ersparnis in der Energieaufnahme äußerst effizient und viel wartungsärmer als die Nutzung chemischer Mittel“, zählt Rudolf Einöder die drei größten Vorteile auf. Zudem werden Neubau und Erhaltung herkömmlicher Anlagen im Zuge der F-Gase-Verordnung von 2006 immer schwieriger. Viele chemische Kühlmittel werden nach und nach verboten, so seit 1. Januar 2010 auch die Nutzung von R22 in Neuanlagen.  


Bis zu 35 % Förderung

Bereits seit 2008 fördert das Bundesministerium für Umwelt (BMU) mit dem Impulsprogramm für Klimaschutz an gewerblichen Kälteanlagen energiesparende Systeme auf Basis natürlicher Kühlmittel. Es wird eine Fördersumme von bis zu 200 000 € gewährt. Der volle Zuschuss ist bei einer integrierten Wärmerückgewinnung abrufbar. Die Radiologie konnte diesen beantragen und liegt schon vor den zu erwartenden Energieersparnissen auf gleicher Höhe mit den Investitionen für eine herkömmliche Anlage. Grundlage für die Förderanträge sind Berechnungen zum zu erwartenden Energieverbrauch im Vergleich der unterschiedlichen Kühlmittel. Hier geht es hauptsächlich um den Total Equivalent Warming Impact, den TEWI-Wert. „Damit ist der Einfluss der Kälte­anlage, des verwendeten Kälte­mittels und der zum Kühlen notwendigen Energie auf die globale Erwärmung gemeint“, klärt Burkhard Dunst, Geschäftsführer der Firma Frigoteam auf. Das Planungsbüro konzipiert und entwickelt gemeinsam mit Einöder umweltfreundliche Kälteanlagen. Zudem hat Burkhard Dunst bereits einigen Betreibern erfolgreich bei der Antragsstellung beim BMU geholfen. Die Berechnung für das Kältesystem in der Radiologie zeigte, dass sich bei Nutzung des natürlichen Kältemittels über die Laufzeit von 15 Jahren eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes von rund 1134 t ergibt.

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