„Ambient Assisted Living“ in Berlin

Musterwohnung für mehr Mündigkeit

Für den Berliner Planer Sebas­tian Busch war es eine spezielle Herausforderung: Die Konzep­tion einer Wohnung, die auf rund 140 m2 das ganze Spektrum dessen zeigt, was heute im Bereich „Ambient Assisted Living“ möglich ist. Eine Wohnung, die eine klassische Wohnsituation darstellt, mit Wohn-, Schlaf- und Badezimmer sowie Flur, Küche und WC. In einem Ambiente, das auch auf den zweiten Blick nur ansatzweise ahnen lässt, welche technischen Raffinessen hier integriert wurden, um Menschen mit Behinderung oder Senioren ein komfortables Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

Auftraggeber war die Berliner OTB GmbH & Co. KG, ein auf orthopädische und technische Hilfsmittel spezialisierter Gesundheitsdienstleister, der das Projekt in Kooperation mit 44 Partnern aus Forschung, Industrie und Dienstleistung realisierte. Diese Partner integrierten in die Wohnung nicht weniger als 88 den Alltag erleichternde Assistenzsysteme.

So lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zuhause

Zusammen mit Planer Sebastian Busch und Busch-Jaeger gelang es OTB-Geschäftsführer Tiago da Silva, das Projekt im Berliner Bezirk Marzahn innerhalb von zwölf Monaten zu realisieren. Tiago Da Silva war es auch, der einen markanten Begriff für diese ganz spezielle Musterwohnung kreierte: „Ermündigungswohnung“. Der OTB-Chef erläutert den Begriff so: „Wir wollen in dieser Wohnung zeigen, wie Menschen durch innovative Technik zu bezahlbaren Preisen in die Lage versetzt werden, ihr Leben so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden selbst zu organisieren. Damit wenden sie eine Entmündigung ab. Deshalb sprechen wir hier von unserer Ermündigungswohnung.“

Elektroinstallation im Wohnprojekt

Busch-Jaeger unterstützt das Wohnprojekt mit einem breiten Spektrum an Lösungen aus dem Bereich Elektroinstallationstechnik. Dazu zählt das Türkommunikationssystem „Busch-Welcome“, das durch ein Telefon-Gateway mit der Telefonanlage verbunden wird.

Der Nutzer kann dann ganz bequem von seinem Telefon aus mit dem Besucher vor der Tür Kontakt aufnehmen und daraufhin gegebenenfalls den Eintritt gewähren. Des Weiteren wurden Schalter und Steckdosen der Serie „future linear“ eingesetzt sowie die „Schuko“-USB-Steckdose, deren USB- und „Schuko“-Anschluss ohne Einschränkung gleichzeitig genutzt werden können.

Für das Lösen des Steckers ohne jegliche Kraftanstrengung sorgt die Busch-„Service­steck­dose“. Hier drückt ein handlicher Hebel den Stecker aus der Steckdose.

Die in Bodennähe montierte Objektsteckdose verhindert Stolperfallen durch Stromkabel, weil sich der Stecker sofort aus der Dose löst, wenn jemand daran hängenzubleiben droht.

Die Musterwohnung verfügt außerdem über die „Schuko“-Steckdose mit LED-Orientierungslicht „Busch-steplight“. Mit ihrem senkrecht nach unten gerichteten Lichtkegel beleuchtet sie in der Nacht dezent, aber effektiv den Weg ins Bad.

Bewegungsmelder von Busch-Jaeger ersparen die Suche nach dem Lichtschalter in der Dunkelheit. Farbig gekennzeichnete Steckdosen mit Kontrollleuchte markieren einen Stromkreis, der per Zentralschalter ein- oder ausgeschaltet werden kann.

Zu den weiteren sinnvollen Ausstattungen der „Ermündigungswohnung“ zählt ein elektrischer Kleiderlift, der Bekleidung platzsparend im oberen Schrankbereich verstaut und auf Knopfdruck in bequemer Griffhöhe bereitstellt.

Ähnlich funktioniert ein Gardinenlift, der älteren oder gebrechlichen Menschen die riskante Nutzung der Leiter erspart und die Gardinen für die Reinigung elektrisch absenkt. Praktisch für Menschen aller Altersgruppen sind beleuchtete Sockelleisten, die mit einem Funkschalter oder Bewegungsmelder gekoppelt sind und nachts den Weg ins Bad ausleuchten.

Dort sorgt ein unterfahrbares Waschbecken dafür, dass auch Rollstuhlfahrer das Becken bequem benutzen können.

Zweckmäßigkeit berücksichtigt

In der Küche gibt es absenkbare Oberschränke und einen Herd mit Abschaltautomatik, der mit einem Bewegungssensor kombiniert ist. Die Heizung mit selbstlernender Einzelregelung „erlernt“ das Verhalten des Bewohners in den einzelnen Räumen und passt dementsprechend die Raumtemperatur an. Im Bad wurden neben der barrierefreien Einrichtung auch multifunktionale Fenstergriffe montiert. Diese verfärben sich bei hoher Luftfeuchtigkeit oder senden ein Signal an den Pflegedienst, falls der Raum über mehrere Tage nicht gelüftet wird. Eine ähnliche Funktion erfüllt ein Wasserfluss-Sensor, der eine Meldung an Angehörige oder an eine Pflegezentrale auslöst, wenn über einen längeren Zeitraum kein Wasser entnommen wird.

Professor Birgit Wilkes von der Technischen Hochschule Wildau, die die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen hat, erläutert den speziellen Nutzen der Musterwohnung so: „Sie ist angelegt wie ein Supermarkt – man findet fast alle Lösungen, die heute möglich sind. Der Kunde kann sich die Produkte aussuchen, die für ihn sinnvoll und hilfreich sind.“ Nahezu alle Einbauten seien sowohl in Eigenheimen als auch in Geschosswohnungen nachrüstbar, ohne die Wände aufreißen zu müssen. Für Architekt Busch war zudem der ästhetische Anspruch wichtig: „Auch eine barrierefrei und behindertengerecht ausgestattete Wohnung muss nicht aussehen wie eine Pflegestation.“

Zitat

Dirk Schadeberg, bei Busch-Jaeger für den Vertrieb im Raum Berlin zuständig, resümiert: „Für den rasant wachsenden Markt generationenübergreifender Wohnprojekte gibt es bisher nur sehr wenig interessante Referenzprojekte. Dieses Objekt in dieser Größenordnung hat Alleinstellungscharakter. Ideal außerdem die Kombination mit Konferenz- und Besprechungsräumen für Kundengespräche.“

Zitat

Tiago da Silva, Geschäftsführer der OTB GmbH & Co. KG, zieht sein Fazit zum Projekt:

„Besonders wichtig war uns, dass die hier eingesetzten Produkte und Lösungen problemlos miteinander harmonieren. Außerdem wollen wir zeigen, wie alltagstauglich diese Systeme sind und welche riesige Bandbreite an Funktionen damit abgedeckt werden kann. Allein in Berlin gibt es etwa 100.000 pflegebedürftige Menschen, von denen die Hälfte von den eigenen Angehörigen gepflegt wird. Und das ist oft nicht leicht, weil 95 % der Wohnungen nicht alters- und behindertengerecht ausgestattet sind.“

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