Mittler am Bau
Eine Rolle für den beratenden TGA-Ingenieur?Die beratenden Ingenieure der TGA nehmen in der Planung und Realisierung eine Position zwischen Investor und Nutzer einerseits sowieden ausführenden Firmen andererseits ein. Dabei ist die Unabhängigkeit und die Neutralität von Liefer- und Handelsinteressen neben der fachlichen Qualifikation unabdingbare Voraussetzung eines beratenden TGA-Ingenieurs. Nur so kann er als Sachverwalter seines Auftraggebers entsprechen. Die nicht selten auftretenden hohen Überschreitungen bei Energienachweisen haben inzwischen erfolgreich zu einer Erweiterung von TGA-Ingenieurleistungen geführt, die leider kein Bestandteil der HOAI sind. Dementsprechend werden sie bislang auch nur zu selten als Zusatzleistung aus Wettbewerbsgründen angeboten und dementsprechend viel zu wenig genutzt.
Zu Projektbeginn muss der beratende TGA-Ingenieur mit dem Investor, Nutzer u.a.m. die Planungsziele diskutieren, festlegen und dokumentieren. Dabei ergeben sich grundsätzlich drei Wege der Zielsetzung:
Zu Projektbeginn muss der beratende TGA-Ingenieur mit dem Investor, Nutzer u.a.m. die Planungsziele diskutieren, festlegen und dokumentieren. Dabei ergeben sich grundsätzlich drei Wege der Zielsetzung:
Neben der fachlichen Kompetenz muss der TGA-Ingenieur auch in der Lage sein das gesamte betriebswirtschaftliche Spektrum als Berater abdecken zu können. Dazu gehören ebenso FM-Dienstleistungen wie Contracting-Verfahren oder auch die Life Cycle Costs u.v.a.m. Sind dann die Grundlagen geklärt, beginnt die eigentliche Planungsleistung mit der Entwicklung von Konzepten und Systemen, die dann mit allen Beteiligten wie Investor, Architekt und auch dem Nutzer abzustimmen sind. In dieser Phase ist zur Sicherstellung einer energieeffizienten Bauweise ein gewerkeübergreifendes Team nicht nur sinnvoll sondern unerlässlich. Standardisierte und transparente Prozesse helfen, die Effizienz der Ressourcen zu steigern und so auch den Qualitätsstandard sicherzustellen. Während der Planungsphase ist der TGA-Ingenieur darauf angewiesen, von Komponentenherstellern qualifiziert fachliche und preisliche Informationen zu erhalten, die ihn in die Lage versetzen das möglichst optimale Gesamtkonzept zu entwickeln. Was technische Innovationen betrifft leider noch viel zu wenig. Trotzdem liest man immer wieder von hochenergieeffizienten Gebäuden, die meist ihre Bewährungsprobe der Inbetriebnahme und des nutzerbestimmten Gebäudebetriebes (noch) nicht überstanden haben.
Komplexe Anforderungen
Unbestritten hat die TGA-Branche massive Qualitätsprobleme, die aufgrund der ständig erweiterten Regelwerke und komplexen Anforderungen des nachhaltigen Bauens noch zunehmen werden. Die hohen Kosten- und Zeitüberschreitungen haben nicht selten in der Überforderung der Kontrollorgane, insbesondere bei größeren Projekten der öffentlichen Hand, ihren Grund: Ihnen fehlt teils das Fachwissen, der Überblick und sie sind somit schlichtweg überfordert. Das ist einer der Hauptgründe weshalb größere kommunale Projekte häufig o.g. Probleme bereiten. Ein weiterer Grund besteht darin, dass jedes Gebäude ein Unikat ist. Und so werden jedes Mal die Architekten und Fachingenieure neu zusammengefügt. Das ist eine Komplexität, die es in keiner anderen Branche gibt. Da die Ausführenden meist immer noch in aller Regel nach dem günstigsten Preis ausgesucht werden, ist die Einhaltung der geforderten Qualität eine Palette von unmöglich bis Zufall. Ausführende TGA-Firmen haben ein regelrechtes Nachtragsmanagement geschaffen, um aus einem rot abgeschlossenen Auftrag mit schwarzen Zahlen sicher enden zu können. Da ist es auch kein Wunder, dass sich bei einer Vielzahl energetischer Nachmessungen im TGA-Bereich bei relativ neuen Gebäuden aller Art erschreckende Abweichungen von teilweise 200 % und mehr ergaben. Eine für den beratenden und überwachenden TGA-Ingenieur keine leichte Aufgabe, dies zu verhindern.
Es sind gemeinsam mit allen Beteiligten energieeffiziente Lösungen zu entwickeln, damit auch mehr Kostenwahrheit und Termintreue erreicht werden können. Die wichtigsten Gründe, warum Kosten teils exorbitant aus dem Ruder laufen, sind u.a. Mängel bei der Planung, fehlende Risikoabschätzung oder auch psychologische, politische und ökonomische Gründe. Dazu gehört die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten genauso dazu wie zu großer Optimismus, was die Durchführung des Projekts und den tatsächlichen Nutzen angeht. Teilweise wird auch wissentlich der Nutzen eines Projekts hochgerechnet und die Kosten niedrig, um für ein Vorhaben die erforderlichen Genehmigung der zuständigen Instanzen zu bekommen. Viele moderne Gebäude funktionieren nicht richtig und verbrauchen weitaus mehr Energie als von den beratenden TGA-Planern kalkuliert. Unzureichende Kommunikation und Misstrauen zwischen den Vertragspartnern führen zu einer konfrontativen Projektabwicklung und gefährdet Kosten- und Terminziele. Den anlagenbauenden Firmen muss klar sein, dass sie während der Bauphase laufend Nachweise für ihre zugesagte qualitativ hochwertige Leistung zu erbringen haben. Und dann wird die anfängliche Kalkulation im Laufe der Bauzeit immer unrealistischer. Schwerwiegende Projektstörungen stammen auch aus dem Bereich der Planung. In der oftmals überhasteten Planungsphase werden meist 80 % und selten mehr der Kosten festgelegt. Dort liegen die Mängel, die dann eine Kostenexplosion verursachen und sich später auf der Baustelle kaum noch reparieren lassen. Hinzu kommt: Großprojekte laufen häufig länger, manchmal über Jahre. In der Zeit wechseln oftmals Entscheidungsträger, oft mit neuen Wünschen.
Zusätzlich verändern sich im Verlauf des Projekts die Anforderungen an den Bau. Das können neue Energieeffizienz- oder Brandschutzanforderungen sein, die zusätzlich Geld kosten. Und natürlich steigen die Preise. Auch die Vergabepraxis solcher Projekte trägt mit dazu bei, die Kosten in die Höhe zu treiben, so lange immer der derjenige den Zuschlag erhält, der am billigsten, am Ende oft der Teuerste ist. Der Auftrag bei öffentlichen Projekten geht an den billigsten Anbieter, das wird von unserem Vergaberecht indirekt gefordert. Die Firmen müssen also mit dem niedrigsten Preis in die Ausschreibung gehen – und über Nachträge zu ihrem eigentlichen Ergebnis kommen. Das führt zu der vielbeklagten Konfrontation im Bauwesen. Es wäre dringend geboten, bei der Vergabe nicht nur auf den Preis, sondern verstärkt auch auf die Qualität zu achten. Das wäre ein erster, wenn auch noch ungewöhnlicher, Ansatz, um künftig (Steuer-)Verschwendungenwie den bekannten Skandalprojekten zu verhindern. Durch professionell gemanagte und professionell begleitete Großprojekte könnten so Milliarden eingespart werden.
Qualitätskontrolle am Bau
Insbesondere bei Einsatz in- und ausländischer Subunternehmer für TGA-Leistungen muß verstärkt erfahrenes Führungs- und Überwachungspersonal eingesetzt werden. Häufiger als früher sind Mängel und Wissensdefizite gesetzlicher Bestimmungen und Ausführungsvorschriften festzustellen. Hier sind vorrangig Brandschutz- und Schallschutzbestimmungen zu nennen. Dabei ersetzt der beratende TGA-Ingenieur nicht die Qualitätsüberwachung der ausführenden Firmen. Um das Projekt zu einem guten Ende zu führen, müssen während der gesamten Bauphase und mit Beginn der Inbetriebnahmephase die Leistungen verstärkt aktiv überwacht werden und enden dann in der Abnahme der TGA-Gewerke. Wenn Architekt und TGA-Planer das Projekt nach erfolgter Abnahme und der Übergabe an den Nutzer verlassen haben, bleibt oftmals der Nutzer allein zurück. Denn damit endet normalerweise die Leistung des beratenden TGA-Ingenieurs.
Nachdem der TGA-Ingenieur der Immobilie den Rücken gekehrt hat, sollte spätestens dann überprüft werden, ob die Energieoptimierungsmaßnahmen aus der Simulation im Betrieb erreicht und mit dem Nutzer u. U. betriebsbedingt optimiert werden können bzw. müssen. Darunter fallen auch Nutzungsänderungen in der Anfangsphase der Immobilie gegenüber der Planung bzw. Ausführung. Energieeffiziente Produkte und Systeme sind dabei lediglich ein bedeutender Baustein auf die eine dauerhafte Prüfung bis zum Nachweis der garantierten Echtdaten erfolgt. Das Zauberwort heisst Monitoring.
Monitoring von Anfang an
Monitoring beginnt aber nicht erst bei der gewerkeübergreifende Inbetriebnahme oder nach der Abnahme, sondern das übernehmen bei außergewöhnlichen Projekten von der ersten Stunde an inzwischen Experten, die für den Investor oder seinen Vertreter eine neuartige Rolle im Beraterstab darstellen. Von den ersten Überlegungen des Projektes an quasi als technischer System-, Qualitäts- und Projektsteurer parallel zum Architekten wird das energetische Gesamtkonzept (mit-)entworfen, überwacht und bis in die Nutzerphase über entsprechendes Monitoring gesichert. Alsdann wird gemeinsam an der Optimierung der Betriebsparameter der Immobilie mitgewirkt. Von diesen Vorgaben ist nicht mehr abzuweichen. Objekte, die bereits vor dem Bau durch die Energiesimulation perfekt abgestimmt wurden (was ja meist geschieht), werden in der Umsetzungsphase konsequent quergecheckt. Schon in der Planungsphase werden entscheidende Objektbetriebsprozesse unter Mithilfe des später Betreibenden und Nutzers zunächst simuliert und dann definiert. Diese Parameter dienen der Erstellung einer individuellen Betriebssteuerung der Immobilie. So ist man stets auf dem aktuellen Stand der Technik. Neueste und gesicherte Erkenntnisse mit entsprechenden Referenzen werden umgesetzt. Damit werden mitunter bislang eingesetzte Produkte und Systeme in Energieeffizienz und Nachhaltigkeit getoppt. So werden für den lüftungstechnischen Einsatz z.B. hocheffiziente WRG-Systeme oder in Deutschland auch bisher weitestgehend unbekannte Systemvereinfachungen mit hohem Einsparpotential oder Ventilatoren mit bislang unerreichten ErP-Werten vorgeschlagen, eingeplant und installiert. Das Wichtigste folgt zum Schluss: Da das Honorar nicht an Baukosten gekoppelt ist, machen sich die Einsparungen meist schon kurz nach der Inbetriebsetzung oder Nutzerphase bezahlt und entlasten so jahrzehntelang die stets steigenden Betriebskosten. Es stellt sich allerdings die Frage, warum derartiges Vorgehen noch so selten genutzt wird.
Die Frage der Vergütung
Wer heute nachhaltige Immobilien wie außen Design und innen Effizienz errichtet, weiß aber auch, dass derartige Ingenieurleistungen aufgrund zusätzlicher Leistungen nicht in der HOAI aufgeführt sind und Zusatzkosten verursachen. Sie sind aber erfahrungsgemäß als marginal zu betrachten, erzielt man doch rasch enorme energetische Erfolge in der objektangepassten Betriebsweise. Nur so werden Betriebskosten durch individuell nutzerangepasste Energiekonzepte reduziert und durch permanentes Monitoring die „Life Cycle Costs“ optimiert. Leider sind diese Vorgehensweisen des durchgängigen Monitorings bislang noch Einzelfälle.
Um also weiteren Fehlentwicklungen entgegenzuwirken, gründete der damalige Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung Peter Ramsauer im April 2013 eine Expertenkommission, die den Ursachen auf den Grund gehen und Lösungsvorschläge entwickeln sollte. Neben zahlreichen erarbeiteten Maßnahmen empfiehlt die Kommission die Nutzung von BIM („Building Information Modeling“). Es steht für eine neue Arbeitsweise auf Grundlage digitaler Technologie und wird aus Sicht der Kommissionsmitglieder wesentlich dazu beitragen, Bauprojekte mit geringeren Risiken und höherer Kosten- und Terminsicherheit durchzuführen. Mit BIM wird zuerst virtuell geplant, dann die Kosten exakt ermittelt, dann folgt die darauf aufbauende Ausschreibung und erst danach real gebaut. Die vielen einzelnen Prozesse eines größeren oder umfangreicheren Projektes können so besser ineinandergreifen; die einzelnen Fachmodelle für Architektur, und Technik können bei BIM zusammengeführt werden. Das Bundeskabinett hat den von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vorgelegten „Aktionsplan Großprojekte“ im Dezember 2015 jedenfalls erst einmal beschlossen. Ziel des Aktionsplans ist es, die Kostenwahrheit, Effizienz und Termintreue von Großprojekten erheblich zu verbessern.
Die Briten haben seit 2011 eine so genannte „Major Projects Authority“, ein Kompetenzzentrum für Großprojekte, sehr ähnlich dem hier angedeuteten Aktionsplan Großprojekte. Das Kompetenzzentrum, dem viele Experten aus verschiedenen Bereichen des Bau- und Planungsgewerbes aus dem ganzen Land angehören, ist direkt beim Premierminister angesiedelt. So will man verhindern, dass sich jeder Fehler, der irgendwo in einer Region begangen wurde, wiederholt. Mit Anfang 2016 wurde diese Vorgehensweise Pflicht bei allen britischen Großprojekten. Auch bei uns ließe sich bereits heute schon bei Großprojekten „Erst virtuell, dann real bauen“ umsetzen. Ein Weg deutschen Planungen im In- und Ausland erneut zu hoher Reputation und Großaufträgen zu verhelfen.
In der CCI berichtete E. Fiedler in der Ausgabe 10/2016 über die neue VDI 6041 „Technisches Monitoring von Gebäuden und gebäudetechnischen Anlagen“. Es dürfte interessant sein zu welchen Ergebnissen die Vorgehensweise nach der druckfrischen VDI 6041 gelangt.
Quelle
- Als Bauherr versagt die Politik zu oft, Detlef Hagenbruch, tab 4/2016, Seite 83 bis 87Jetzt Artikel freischalten:
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