Kommentar

Der subventionierte Fachkräftemangel

„Ein großartiger Tag für die Stadt Magdeburg, für Sachsen-Anhalt und für Deutschland“, äußerte sich Thomas Einsfelder, Geschäftsführer der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG), über die erfolgreiche Ansiedlung des neuen Intel-Werkes in Sachsen-Anhalt. Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff erklärte dazu: „Wir haben uns als ein hervorragender Standort mit Zukunft präsentiert und freuen uns jetzt auf viele tausend neue Arbeitsplätze und eine Milliardeninvestition für Sachsen-Anhalt.“

Dipl.-Ing. (FH) Bernd Bürner,
Geschäftsführer des ITGA Bayern, Sachsen und Thüringen e.V.
Bild: Steffen Oliver Riese

Dipl.-Ing. (FH) Bernd Bürner,
Geschäftsführer des ITGA Bayern, Sachsen und Thüringen e.V.
Bild: Steffen Oliver Riese
Diese Milliardeninvestition in den Standort Deutschland wird mit einem „einstelligen Milliardenbetrag“ subventioniert. Eine Investition in die Zukunft, bei der leider außer Acht gelassen wird, wie sie sich auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Viele Vertreter der Mitgliedsunternehmen des ITGA Bayern, Sachsen und Thüringen berichten, dass speziell bei Monteuren und Servicetechnikern eine Gehaltsspirale entstanden sei, die Tarifverträge wie ein Relikt aus vergangenen Tagen erscheinen lässt. Viele Unternehmen werben inzwischen mit einer Vier-Tage-Woche und „24 plus 40“ Freitagen im Jahr.

Globale Firmennetzwerke sind Konkurrenten bei der Fachkräftesuche

Um eines vorwegzunehmen: Investitionen in den europäischen Markt machen uns unabhängiger von globalen Handelsströmen und -kämpfen und das ist zu begrüßen. Es scheint jedoch bei einigen politisch Verantwortlichen noch nicht angekommen zu sein, dass wir bereits jetzt ­einen eklatanten Fachkräftemangel haben – auch ohne Ansiedlungen von globalen Firmennetzwerken. Viele Unternehmen unserer Branche sind auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Bundesländern Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und den angrenzenden östlichen Nachbarländern angewiesen, um überhaupt noch handlungsfähig zu bleiben. In Sachsen-Anhalt werden durch die Ansiedlung von Intel direkt 3.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Und es ist davon auszugehen, dass noch zusätzliche 7.000 Arbeitskräfte bei den Zulieferern benötigt werden. In der vor wenigen Monaten eröffneten Gigafactory von Tesla sollen im ersten Ausbauschritt direkt 12.000 Arbeitskräfte beschäftigt werden.

Ohne Fachkräfte keine Energiewende

Bereits heute klagen 45 % der Planungsbüros und 34 % der im Hochbau tätigen Unternehmen über einen Mangel an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bereits in der Arbeitsgruppe „Gebäude“ der Roadmap Energieeffizienz 2045 des damaligen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) wurde erkannt: „Ohne Fachkräfte keine Energiewende“. Wir sollten es uns als Staat überlegen, ob wir durch Leuchtturmprojekte wie Intel oder Tesla kurzfristig werbe- und wahlwirksam Arbeitsplätze schaffen und damit den Fachkräftemangel noch zusätzlich verschärfen. Schafft nicht eher eine solide Basis an gut ausgebildeten Fachkräften in einem demokratisch auf festen Füßen stehenden Staat die Grundlagen, um eine nachhaltige Wirtschafts- und Umweltpolitik zu etablieren? Letzteres wird eine riesige Aufgabe mit vielen kleinen Erfolgen und leider auch – wenn wir ehrlich zu uns sind – kommenden Misserfolgen, die medienwirksam nicht ganz so herausstechen. Aber sie kann die Grundlage für eine weitere gesunde Wirtschaft und Sozialstruktur in unserem Land bilden.

Der Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder.

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