Kommentar

Klimaschutz herbeifördern?

Die Klimaschutzziele 2020 wurden für den Gebäudebereich bekanntlich um rund 2 Mio. t CO2 verfehlt. Lag und liegt es an zu hoch gesteckten Zielen? Immerhin soll in den nächsten neun Jahren mehr CO2 eingespart werden als in Summe in den zurückliegenden 30 Jahren. Ist das realistisch? Oder liegt es an den falschen Instrumenten?

Nachdem das Verfehlen der Klimaschutzziele bekannt und öffentlich wurde, setzte die Bundesregierung fast panikartig ein „Sofortprogramm 2020 für den Gebäudesektor“ auf. Wesentlicher Bestandteil sind weitere 5,8 Mrd. € für die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Somit stehen für die Gebäudesanierung zweistellige Milliardenbeträge zur Verfügung. Ein mutiger Schritt, der in der Bau- und TGA-Branche Beifall hervorruft. Doch nun kommt die spannende Frage: Wurde jemals eruiert, ob und inwieweit diese Fördermilliarden tatsächlich geeignet sind, die Klimaschutzziele zu erreichen?

Wirkung der Förderprogramme

Die genaue Analyse der großen Förderprogramme ist im Hinblick auf die daraus resultierenden CO2-Vermeidungskosten ernüchternd. Schon vor geraumer Zeit brachte die FDP-Bundestagsfraktion die Bundesregierung mit einer diesbezüglichen Anfrage kräftig in die Bredouille. Sie musste zugestehen, dass sie die möglicherweise eingesparten CO2-Emissionen nicht oder nur unzureichend quantifizieren kann. Doch Konsequenzen wurden keine gezogen. Auch zum neuen „Sofortprogramm“ kommentiert das Forschungsinstitut Prognos, „es sei kein Nachweis geliefert worden, dass das von BMWi und BMI vorgeschlagene Sofortprogramm 2020 die Anforderungen des Klimaschutzgesetzes erfüllt, die Einhaltung der Jahresemissionsmengen des Sektors für die folgenden Jahre sicherzustellen“. Diese Aussage gelte auch bei Berücksichtigung der für die Analyse der Wirkung des Sofortprogramms 2020 als Randbedingung vorgegebenen erhöhten Fördervolumina. Dem ist nichts hinzuzufügen.

CO2-Vermeidungskosten in der Gebäudetechnik

Hinzuzufügen ist jedoch die von BTGA, FGK und RLT-Herstellerverband bereits im Jahr 2019 erstellte Untersuchung zu den CO2-Vermeidungskosten in der Gebäudetechnik. So liegen die Vermeidungskosten für die Wärmerückgewinnung für die im Jahr 2017 verkauften RLT-Geräte bei -216 € pro Tonne CO2. Negative Vermeidungskosten bedeuten, dass sich Investitionen in die CO2-Vermeidung sehr schnell amortisieren und eine hohe Rentabilität haben. Ähnliche Werte ergeben sich für die variable Volumenstromregelung, die Erhöhung des Ventilatorwirkungsgrades und die Sanierung in der Kältetechnik. Mit dieser von drei wissenschaftlichen Instituten (RWTH Aachen, ILK Dresden, Umweltcampus Birkenfeld) erstellten Untersuchung wurden die Ergebnisse einer McKinsey-Studie aus dem Jahr 2007 bestätigt, die ebenfalls zu dem Schluss kommt, dass Investitionen in die Anlagentechnik vorrangig im Nichtwohngebäudebereich zu den effizientesten Maßnahmen zählen.

Förderprogramme an CO2-Vermeidungskosten ausrichten

In der Analyse und Bewertung der gesamten Randbedingungen kann der Bundesregierung nur empfohlen werden, ihre Förderprogramme an einem zielführenden Wert – und das sind die CO2-Vermeidungskosten – zu orientieren. Damit bekäme auch der beachtlich strapazierte Begriff „Technologieoffenheit“ eine völlig neue Dimension. Eines dürfte sicher sein: Klimaschutz lässt sich nicht einfach herbeifördern!

Der Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder.

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