Kommentar

Die Corona-Krise als Chance für das Klima und die TGA?

Die Corona-Krise hat unser Leben, wie wir es bisher kannten, maßgeblich verändert. Weltweit war das öffentliche Leben mehr oder weniger heruntergefahren – und ist es vielfach noch. Produktionsanlagen standen und stehen in Teilen der Welt immer noch oder schon wieder still. Transport und Verkehr wurden auf das Nötigste beschränkt.

So belastend diese Maßnahmen für die Wirtschaft und den Einzelnen sind, so entlastend scheinen sie für das Klima zu sein: Der Ausstoß von Treib-hausgasen ging in den Monaten März bis Mai 2020 wesentlich zurück. Die International Energy Agency (IEA) schätzt in ihrem Bericht vom April 2020, dass die globalen CO2-Emissionen im Jahr 2020 um 8 % im Vergleich zum Jahr 2019 sinken werden. Das wäre laut IEA der niedrigste Stand seit 2010 und die größte Minderung, die jemals erreicht wurde – doppelt so viel wie die Summe aller bisherigen Reduktionen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Doch diese Reduktionserfolge kommen nur scheinbar dem Klima zugute: Emittierte Klimagase verschwinden nicht einfach aus der Atmosphäre, sie kumulieren. Überdies verursacht die bestehende Infrastruktur direkt oder mittelbar weiterhin Emissionen. Um den CO2-Ausstoß nachhaltig zu reduzieren, reicht ein vor-übergehender Lockdown nicht aus. Vielmehr ist ein Umbau der bestehenden Infrastruktur erforderlich.

Das Konjunkturpaket der Bundesregierung

Ein gutes Signal ist das Konjunkturpaket, das vom Bundeskabinett am 12. Juni 2020 beschlossen wurde, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie anzugehen. Es lässt den Klimaschutz erfreulicher- und konsequenterweise nicht aus den Augen.

Neben Maßnahmen zur Stärkung der Absatznachfrage und gezielten Investitionsförderungen enthält das Konjunkturpaket auch ein so genanntes Zukunftspaket, das der Energiewende und dem Erreichen der Klimaziele dienen soll. Das bestehende CO2-Gebäudesanierungsprogramm soll demnach für 2020 und 2021 um 1 Mrd. € auf 2,5 Mrd. € aufgestockt werden. Auch die Förderprogramme des Bundes zur energetischen Sanierung kommunaler Gebäude werden aufgestockt und ein Programm zur Förderung von Klimaanpassungsmaßnahmen in sozialen Einrichtungen wird aufgelegt. Bei den durch das Paket geförderten Maßnahmen wird auch die TGA-Branche eine zentrale Rolle spielen.

Das Paket enthält außerdem das „Zukunftsprogramm Krankenhäuser“ und das „Investitionsprogramm für den Ausbau von Ganztagsschulen und Ganztagsbetreuung“. Auch bei der Umsetzung dieser Programme werden die Länder und Kommunen nicht ohne die TGA-Branche auskommen. Es darf davon ausgegangen werden, dass der in diesen Bereichen bestehende Investitionsstau nun kurzfristig und mit größerer Nachfrage aufgelöst werden kann.

Wirtschaftliche Wiederbelebung

und Klimaschutz

Neben den kurzfristigen Chancen, die das Konjunkturpaket der TGA-Branche bietet, sollte der mittel- und langfristige Blick auf das Klima nicht aus den Augen verloren werden. Aus dem Klimaschutz können sich Chancen für die Branche ergeben, da er unmittelbare Auswirkungen auf die Planung, die Ausführung und den Betrieb von Gebäuden und deren Technik hat – und das auch auf lange Sicht, denn es wird auch zukünftig darum gehen, den Gebäudebestand energetisch zu ertüchtigen. Das wird durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) bestätigt, das trotz der Corona-bedingten Einschränkungen von Bundestag und Bundesrat verabschiedet wurde. Es soll der Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäudebereich dienen und ein wichtiger Baustein der Energiewende und des Klimaschutzes sein.

Die TGA-Branche hat die Chance, sich als langfristiger Partner für den Umbau der bestehenden Infrastruktur zum Schutz des Klimas zu präsentieren. So kann sie auch längerfristig von den jetzt gesetzten Impulsen profitieren. Das zeigt, dass wirtschaftliche Wiederbelebung nach der Corona-Krise und Klimaschutz kein Widerspruch sein müssen.

 

Der Kommentar gibt die Meinung der Autorin wieder.

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