Integrierte Lösungen für ein höheres Sicherheitsniveau

In vielen Gebäudeobjekten arbeiten sowohl elektronische Schließsysteme als auch Gefahrenmeldeanlagen. Kombiniert man beide Systeme zu einer Gesamtlösung, ergeben sich wertvolle Synergien. Die technischen Möglichkeiten zur Realisierung einer solchen Lösung reichen dabei von der punktuellen Anbindung einzelner Funktionen bis hin zu gemeinsamen Software-Plattformen.

Der Blick in ein beispielhaftes Hotel zeigt, wie viele unterschiedliche Sicherheitssysteme in einem komplexen Objektbau parallel arbeiten: So nutzen die Gäste Chip­karten als elektronische Zimmer­schlüssel. Für Außentüren und Funk­tionsräume haben die Mitarbeiter herkömmliche Schlüssel. Eine Brand- und eine Einbruchmeldeanlage überwachen flächen­deckend das Gebäude.

Eine kombinierte sicherheitstechnische Lösung würde hier entscheidende Vorteile bieten: So ließe sich beispielsweise eine elektronisch gesicherte Außentür (Bild 1) so programmieren, dass sie abends zu einem definierten Zeitpunkt automatisch verriegelt und gleichzeitig die Einbruchmeldeanlage scharfschaltet.

Die Kombinierbarkeit von elektro­nischer Schließtechnik auf der einen und Gefahrenmeldeanlage auf der anderen Seite ist jedoch keineswegs automatisch gegeben. Auf der Suche nach ent­sprechenden Verknüpfungsmöglich­keiten lohnt sich deshalb ein näherer Blick auf diese beiden Gewerke.

 

Online und offline

Grundsätzlich stehen bei der Realisierung einer elektronischen Schließanlage drei Möglichkeiten zur Auswahl: elektronische Offline- und Onlinesysteme sowie die Kombination aus beiden. Welcher Anlagentyp jeweils eingesetzt wird, richtet sich nach den objektspezifischen Anforderungen: So bieten Online-Systeme ein höheres Sicherheitsniveau als Offline-Lösungen. Die Investitionskosten pro Tür sind beim Online-System mit rund 2000 € jedoch fast zehn Mal höher als bei Offline-Komponenten. Viele Betreiber setzen auf Misch­lösungen: Dies führt allerdings zu schwer zu verwaltenden und für die Nutzer umständlich handhabbaren Insellösungen mit mehreren unterschiedlichen Medien.

Deshalb setzen sich inzwischen kombinierte Online-Offline-Lösungen zunehmend durch. Dabei wird ein Online-Zutrittskontrollsystem um speziell ausgewählte Offline-Komponenten so ergänzt, dass auch normale Raum- und sogar Möbeltüren in die zentrale Verwaltung der Zutrittsrechte einbezogen werden können. Bei den Offline-Terminals handelt es sich um speziell entwickelte Komponenten eines bestehenden Offline-Schließsystems.

Gefahrenmeldeanlagen

Unabhängig von der Schließtechnik werden zur Sicherung industrieller und öffentlicher Gebäude Gefahrenmeldeanlagen (GMA) eingesetzt. Eine solche Anlage besteht aus einer Zentrale und mehreren Meldern. Beispiele sind etwa Rauch-, Wärme- oder Mehrkriterienmelder für die Branddetektion bzw. Glasbruch-, Kontakt- oder Körperschallmelder zur Erkennung von unerlaubtem Zutritt. Je nach Aufgabe kann sich eine solche Anlage aus bis zu einigen tausend Meldern und mehreren untereinander vernetzten Zentralen zusammensetzen. Das Ziel dieser Anlagen ist es vor allem, entstehende Brände sowie Einbruchsversuche schnell und zu verlässig zu erkennen. Die entsprechenden Meldungen werden dann an der Gefahrenmeldezentrale (GMZ) angezeigt sowie automatisch an Feuerwehr bzw. Polizei übertragen.

Eine besondere Leistungsfähigkeit entwickeln GMA in der Kombination mit anderen Systemen. Im Brandfall steuert die Anlage dann beispielsweise Lösch- und Sprinkleranlagen oder auch Flucht- und Brandschutztüren an. Sind diese Flucht- und Brandschutztüren Bestandteil eines elektronischen Schließsys­tems, lassen sie sich auf zwei verschiedene Arten an eine Gefah­renmeldeanlage anbinden: über makroprogrammierbare Steuerungen oder über Komponenten wie etwa Rettungswegsystem-Terminals (RWS-Terminals).

 

Punktuelle Anbindung von Flucht- und Brandschutztüren

Brandschutztüren sind in der Regel mit einem Drehtürantrieb ausgestattet. Die Aktivierung der elektronisch gesicherten Tür erfolgt mit dem Schlüsselmedium über einen Wandleser. Um die Türsteuerung mit einer Brandmeldeanlage zu koppeln, muss der Leser makroprogrammierbar, also flexibel konfigurierbar sein.

Bei Fluchttüren gemäß DIN EN 179 bzw. in elektronischen Schließlösungen kann die Realisierung der Notausgangs- bzw. Panikfunktion grundsätzlich auf zwei Arten erfolgen: Entweder türseitig durch ein elektrisch kuppelbares Einsteckschloss mit Selbstverriegelung und Panikfunktion. Oder bauseitig durch einen elektrischen Türöffner mit Fluchttüröffner. Beide Schließelemente werden im Normalbetrieb über ein Wandterminal mit dem elektronischen Schlüssel angesteuert. Im Notfall lässt sich die Tür durch ein RWS-Terminal öffnen (Bild 2). Es besteht aus einem auffälligen roten Notknopf, der sich mit einer einzigen Handbewegung auslösen lässt: Die Tür öffnet sich, gleichzeitig wird ein Alarm ausgelöst.

Das RWS-Terminal lässt sich auch für die Anbindung der Tür an die GMA nutzen: Bei unberechtigter Aktivierung der Fluchtwegfunktion wird eine Meldung über die Einbruchmeldeanlage ausgelöst. Oder die Türsteuerungen entriegeln sich im Brandfall selbstständig und geben den Weg nach außen frei.

 

Plattform für integrierte Gefahrenmeldeanlagen

Für die vollständige Verknüpfung von Schließsystem und Gefahrenmeldeanlage bietet sich eine betriebssystemunabhängige Soft­ware-Plattform an, wie sie z. B. „Online Integra“ (SOI) von Häfele bietet (Bild 3). Diese arbeitet javabasiert und ermöglicht verschiedene Anwendungsvarianten: So ist der Zugriff auf alle Funktionen der Software über HTML und Standard-Webserver auch an abgesetzten Arbeitsplätzen möglich. Die Software unterstützt professionelle Datenbanken wie Oracle und MS-SQL-Server. Über einen Export-/Import-Generator können Personenstammdaten beispielsweise aus SAP direkt in die Zutrittsverwaltung übernommen werden.

In der Basisversion erlaubt die Software den Aufbau und die Verwaltung umfassender Online-Offline-Zutrittskontrollsysteme. Zur Integration von Gefahrenmeldeanlagen lässt sich der Zutrittskontroll-Online-Manager über Einschubkarten so erweitern, dass die Software die Funktionen einer Brand- oder Einbruchmeldezentrale übernehmen kann.

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