Eindrücke von der Hannover Messe 2009

„Energie ist die Grundlage des menschlichen Lebens und der Wirtschaft. Jeglicher Transport- und Produktionsprozess wäre ohne Energie nicht möglich.“ Die­se beiden Sätze stehen inzwischen weltweit auf der Tagesordnung von Politik, Wirtschaft und, vielleicht nicht so klar formuliert, von Privathaushalten. Die Bedeutung der Energie wurde auf der Hannover Messe mit ihren 6150 Ausstellern und 210 000 Besuchern deutlicher als je zuvor.

Nur so ist es zu verstehen, dass Energie, deren Umwandlung, Transport und Verteilung und nicht zuletzt deren Messung, das Messethema Nummer 1 war. Besonders deutlich wurde dies in Halle 13, in der Wärmeerzeugerfirmen wie Brötje, Buderus und Viessmann genauso anzutreffen waren, wie Unternehmen der Wasserstofftechnik und große Energieversorger. Egal ob große Energieströme gelenkt werden müssen oder kleinste Energiemengen zeitgenau abgerechnet werden müssen, die Steuerung und Überwachung der Vorgänge erreicht ein immer größeres Maß an Genauigkeit. Dies ist wichtig, damit „Smart Metering für Smart grid“ – „Intelligente Abrechnung für intelligente Netze“ kommen kann. Gemeint ist damit, dass die (elektrischen) Energieversorgungssysteme durch die Berücksichtigung des Verbrauchers und dessen tatkräftiger Mitwirkung besser steuerbar werden. So sollen Lastspitzen reduziert und die verstärkte Einspeisung unregelmäßig zur Verfügung stehender dezentraler Versorger wie Windkraftanlagen und Photovoltaiksysteme besser in die Netzinfrastruktur eingepasst werden. Dies funktioniert mit einer exakten Sensorik, einer genauen Zählung („Smart Metering“) und einer funktionierenden Kommunikations- und Informationstechnik. Für alle die­se Bereiche waren technische Lösungen auf der Messe zu sehen. Mit den inzwischen gestarteten Feldversuchen wird sich allerdings zeigen müssen, inwieweit Kunden willens sind, sich teilweise oder komplett vom Energieversorger fremdbestimmen zu lassen, um Lastspitzen zu kappen. Eine genaue Abrechnung bedeutet auch die Möglichkeit der genauen Überwachung. Nicht nur die Frage der Datensicherheit und des möglichen Missbrauchs – niedrige Verbrauchswerte lassen auf die Abwesenheit von Nutzern schließen und könnten Einbrechern neue Informationsmöglichkeiten bieten – muss eindeutig geklärt sein.

Prof. Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) stellte im Rahmen einer Pressekonferenz zum 60jährigen Bestehen des Fraunhofer-Gesellschaft, klar, dass eine Steigerung der Energieeffizienz Vorrang vor der Suche nach neuen Energien habe. Passend zum Thema machte die Kampagne „no-energy“ (www.no-e.de) an einem Stand auf ver­meidbare Stromverluste auf­merk­sam, die vor allem an PC-Arbeitsplätzen, aber auch in der Beleuchtung häufig anzutreffen seien. So wird nach Angaben des Bundesumweltministeriums Strom im Wert von rund 4 Mrd. € jedes Jahr bislang ungenutzt, z. B. durch Stand-by-Verluste verschwendet. Daneben bietet die Natur zahlreiche Vorbilder und zeigt in vielfältigsten Beispielen, wie man mit einem Minimum an Energieverbrauch ein Maximum an Leistung erzielen kann. Diese werden in der „Bionik“ erforscht und für die Technik nutzbar gemacht. Ob im Wasser oder in der Luft, Festo zeigte mit seinen autonomen Robotern vom Typ „AquaPenguin“ und „AirPenguin“, wie bionische Lösungen aussehen können. Die faszinierend zu betrachtenden Automaten, zeigen wie Systeme bei minimalem Energieverbrauch hocheffiziente Bewegungen ausführen können. Dabei sollten möglichst wenig Massen bewegt werden. Dies demonstrierte auch Igus, ein Spezialist für Kunststoffketten in der Automatisierung. Das Unternehmen hat ein Robotergelenk entwickelt, das besonders leicht ist. Geringere Massen, die bewegt werden müssen, bedeuten geringere Antriebsleistung und damit weniger benötigte Energie. Auch das ist ein wichtiger Ansatz, wie effizienter mit Energie umgegangen werden kann. Frequenzumrichter, die für einen angepassten Energiebedarf bei Antrieben sorgen, verhalten sich gegenüber dem speisenden Netz nicht neutral. Die Gleichrichterbrücken laden die in den Geräten enthaltenen Energiespeicher wie Zwischenkreiskondensatoren kontinuierlich nach. Dies führt zu einem stoßförmigen Ladestrom an Stelle eines kontinuierlichen Stromflusses. Die „LowHarmonicDrives“ von Danfoss vereinen die Vorteile des aktiven Filters mit denen des drehzahlgeregelten Antriebs in idealer Weise. Die integrierten, optimal angepassten aktiven Filter eliminieren die durch den Frequenzumrichter hervorgerufenen Netzrückwirkungen. Dies reduziert die Oberwellenbelastung und sorgt für eine bessere Netzqualität.

Die Hannover Messe zeigte in Diskussionen und Foren sowie einer Vielzahl von Produkten und Lösungen, dass ein Weg für den Energie-Mix der Zukunft gefunden werden muss. Dieser kann in den nächsten Jahren nur in einem wirkungsvollen Zusammenspiel von erneuerbaren Energien und effizient genutzten konventionellen Energien bestehen.

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