VdZ-Projektforum 2012 in Berlin

Die Energiewende beginnen!

„Es sieht nicht so toll aus um die Heizungsmodernisierung!“, erklärte Jürgen Bähr, Agentur Weber Shandwick, auf dem VdZ-Projektforum 2012 (www.vdzev.de) Ende Februar in Berlin. Damit brachte er zur Sprache, was viele in der Branche derzeit bewegt. Die energetische Sanierung der Gebäude – egal ob im Einfamilienhaus, in der Wohnungswirtschaft oder im Industrie- und Objektbau – kommt nicht wirklich in Fahrt.

Nach einem eher allgemein gehaltenen Überblick über die Arbeit des VdZ durch Andreas Müller, ZVSHK, berichtete Hans-Dieter Karl vom ifo-Institut in München, dass die wirtschaftliche Lage der Heizungsbranche insgesamt gar nicht so schlecht sei, wie er mit aktuellen Konjunkturzahlen unterstrich. Sowohl Heizungsindustrie als auch Großhandel und installierende Unternehmen sehen durchaus positiv in die Zukunft. Am Rande wies er darauf hin, dass es für die Lüftungs- und Klimabranche ähnlich positiv aussehe.

Peter Rathert, Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen, zeigte auf, dass bei der Heizenergie immerhin die Kehrwende geschafft sei und der Verbrauch, wenn auch langsam, doch kontinuierlich sinke. Problematisch könne es zukünftig sein, dass der Strombedarf der Gebäude, nicht zuletzt durch den verstärkten Einsatz an IT-Geräten weiter steige. Für die Novellierung der EnEV sagte er als Zwischenstand voraus, dass die Anforderungen an die Gebäudequalität nicht mehr großartig steigen sollen. Allerdings liege noch einiges im Argen, was die Qualität der Aussteller von Energieausweisen betreffe. Hier und bei der Umsetzung des baulich geforderten Energiestandards seien stärkere Kontrollen notwendig, um die geforderte Bauqualität im Arbeitsalltag zu erreichen.

In die gleiche Richtung argumentierte Matthias Wagnitz, ZVSHK Potsdam, der anhand von Auswertungen aufzeigte, dass ein Großteil der Gebäude bereits das Anforderungsniveau der EnEV 2002 nicht (mehr) erfüllen würde. Gründe hierfür seien mangelnde Schulungen und die fehlende Ausrichtung der Haustechnik an die Umgangspraxis der Nutzer. Er untermauerte seine Ausführungen mit drei Behauptungen, die in diesem und nächsten Jahr durch Umfragen und Interviews auf ihren Wahrheitsgehalt getestet werden sollen:

Ein Nutzer liest keine Normen,
Ein Nutzer stellt sich üblicherweise in seinem Verhalten nicht aktiv um (auch nicht mit neuer Technik),
Ein Nutzer sollte sich daher so wohlfühlen, dass er nicht in das System eingreift (er sollte aber immer die Möglichkeit dazu haben, um nicht bevormundet zu werden).

Holger Thamm, Stiebel Eltron, berichtete ergänzend über ein VdZ-Projekt zum Thema „Smart Home“. Dieses biete die Möglichkeit dem Nutzer, die gewünschten Eingriffsmöglichkeiten in ein System zu haben.

Dr. Manfred Pikart erläuterte ein weiteres VdZ-Projekt, das die VDI 3805 in die ISO 16757 als Weltnorm überführen soll. Darin geht es um den Produktdatenaustausch. Wie Dr. Pikart an einem Beispiel erläuterte, sind allein in einem durchschnittlichen Projekt für eine Heizungs- und RLT-Anlage die Produkte von über 40 Herstellern verbaut. Hier bietet die VDI 3805 eine wesentliche Hilfe im Planeralltag.

Mit weiteren Vorträgen von Tanja Loitz, co2online, zu einer Endkundenkampagne zum hydraulischen Abgleich, von Dr. Ernst-Moritz Bellingen, iwo, zu einer in der Erstellung befindlichen Broschüre zu Hybridheizsystemen, von Wolfgang Zaremski, VDKV, zum Thema ganzheitliche Gebäudekonzepte für Heizen, Wohnen, Klimatisieren und von Johann Zirngibl, CSTB, zum Weg Europas hin zu einheitlichen Rahmenbedingungen für Energieeffizienzanforderungen wurde das Wissensupdate des VdZ-Projektforum 2012 ergänzt.

So wurde am Ende eines langen Forumstages klar erkennbar, warum Herr Müller in seiner Einführung das breite Spektrum der Arbeiten des VdZ so deutlich hervorgehoben hatte, und das völlig zu recht.

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