Die Gebäude des CampusRO entstanden in nachhaltiger Holz-Hybridbauweise im KfW-40-plus-Standard.
Bild: Sigurd Steinprinz, Düsseldorf / ACMS Architekten, Wuppertal
In Rosenheim ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware. Als sich die Gelegenheit bot, eine frei werdende Gewerbefläche direkt gegenüber der Hochschule Rosenheim zu neuem Wohnraum umzuwidmen, ergriff ein privater Investor die Initiative. In Zusammenarbeit mit der Stadt entstand dort ein Campusgelände mit zukunftsorientiertem Wohnkonzept für Studierende. Die 1,4 Hektar umfassende Fläche bietet Platz für 211 Studenten-Apartements sowie ein weiteres Boardinghouse mit zusätzlichen 40 Apartements. Nach Durchführung eines internationalen Ausschreibungsverfahrens erhielt das Konzept von ACMS Architekten aus Wuppertal den Planungszuschlag. Der Campus Rosenheim ist Teil eines komplett neu entwickelten Quartiers, in dem benachbart ebenfalls günstiger Wohnraum für Familien sowie für das Pflegepersonal der städtischen Kliniken entstand.
Modernes Wohnkonzept für Studierende
Das Wohnkonzept bietet Platz für 211 Studenten-Apartements sowie ein Boardinghouse mit zusätzlichen 40 Einheiten.
Bild: Sigurd Steinprinz, Düsseldorf / ACMS Architekten, Wuppertal
Die Gebäude des studentischen Wohnens und des Boardinghouses sind um verschiedene, miteinander vernetzte Höfe gruppiert. Bis zu 6 Geschosse in gestaffelten Höhen erzeugen einen abwechslungsreichen Eindruck. Gemeinschafts- und private Bereiche sind voneinander getrennt. Die Wohneinheiten sind zu beiden Seiten des Gebäudes ausgerichtet und flächenmäßig auf ein Minimum begrenzt. Sie ermöglichen Privatsphäre sowie konzentriertes Lernen und Arbeiten aber auch eine kommunikative Ausrichtung zur Gemeinschaft. Richtung Innenhof öffnen sich die einzelnen Geschosse durch Laubengänge, die durch Außentreppen zugänglich und miteinander verbunden sind. Die Innenhöfe, und die vielfältigen Dachterrassen, auf denen das Campusleben stattfindet, sind begrünt und bieten zahlreiche Sitzgelegenheiten sowie Abstellplätze für Fahrräder. Diese Bereiche sollen der Kommunikation dienen. Als weitere Treffpunkte bieten sich ein Restaurant sowie ein Café im Boardinghouse an. Pluspunkt: Das Café zieht mit seiner Terrasse im sechsten Obergeschoss und dem Blick auf die Berge auch Gäste an, die nicht im Quartier wohnen.
Bei der Konzeption der Wohnanlage stand der Nachhaltigkeitsaspekt an erster Stelle. Die Planer griffen daher auf eine Hybridbauweise zurück. Während die tragenden Außenwände als Holztafelkonstruktion im Werk vorgefertigt und als komplette Wandabschnitte mit dem Kran auf der Baustelle versetzt wurden, entstanden die Decken in Holz-Beton-Verbundbauweise. So werden gute Brand- und Schallschutzwerte erreicht. Sämtliche Wandmodule wurden im Werk komplett mit Dämmung, Fenstern sowie den vorbereiteten Vorrichtungen für die Installation der Haustechnik versehen. Das galt auch für die Montagekästen der Lüftungsgeräte und die Kanäle zur Be- und Entlüftung.
Bei der Konzeption der Wohnanlage stand der Nachhaltigkeitsaspekt an erster Stelle.
Bild: Sigurd Steinprinz, Düsseldorf / ACMS Architekten, Wuppertal
Die Stromversorgung wird zu 70 % durch eine eigene Photovoltaikanlage sichergestellt. Die dazu benötigten Module wurden auf den Flachdächern montiert. Dabei war die anteilige Nutzung der attraktiven Dachflächen für Terrassen, Dachbegrünung sowie die PV-Anlage zu berücksichtigen. Die Gebäudebeheizung erfolgt mittels Fernwärme. Insgesamt ist das Baukonzept in der Nachhaltigkeit so ausgelegt, dass eine DGNB-Zertifizierung im Platin-Standard mit einem Gesamterfüllungsgrad für das studentische Wohnen von 85,8 % erreicht werden konnte. Der Campus Rosenheim ist damit das erste studentische Wohnquartier Deutschlands mit diesem DGNB-Standard.
Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung Teil des Konzepts
Einen wichtigen Teil, der vom Ingenieur-Büro (IB) Lackenbauer GmbH geplanten Haustechnik übernimmt eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung. Die dadurch zurückgewonnene Wärme wird zur Raumtemperierung genutzt. Der Vorteil des hier eingesetzten Lüftungskonzeptes ist ein kontinuierlicher Luftaustausch, indem einzelne Räume mit einem Lüftungsgerät ausgerüstet werden. In diesem Fall wurde komplett auf eine Mehrraumlösung des Unternehmens Meltem zurückgegriffen, bei der je Apartment ein separates Gerät eingesetzt wurde. Mithilfe eines Kanalanschlusses wird im innenliegenden Bad (nach DIN 18017-3) die Abluft abgesaugt und gleichzeitig der Wohnraum mit Zuluft versorgt.
Sämtliche Wandmodule wurden im Werk komplett mit Dämmung, Fenstern sowie den vorbereiteten Vorrichtungen für die Haustechnik versehen. Das galt auch für die Montagekästen der Lüftungsgeräte und die Kanäle zur Be- und Entlüftung.
Bild: Sigurd Steinprinz, Düsseldorf / ACMS Architekten, Wuppertal
n den drei Gebäuden A bis C installierte die Schupfner GmbH als ausführendes Fachhandwerksunternehmen 161 Lüftungsgeräte vom Typ M-WRG-II-P, die den erforderlichen Luftaustausch ermöglichen. Dazu kommen weitere 40 Geräte der gleichen Bauart im Boardinghouse. Sämtliche Komfortlüftungsgeräte kamen in der optisch sehr dezenten, wandintegrierten Einbauart U2 zum Einsatz. Sie wurden im Zuge des Innenausbaues in die bereits vorintegrierten und projektbezogen gefertigten Montagekästen mit einer Rahmentiefe von 25 mm in den Außenwänden eingesetzt. Der ausreichende Schallschutz konnte in der vorliegenden Einbausituation im Rohbau im vorgezogenen Musterapartment nachgewiesen werden. Für die Zufuhr der Luft entschied man sich für Flachkanäle, während die Abluft über bauseits integrierte Rundrohre DN 100 abgeleitet wird.
Bei der Installation der Lüftungstechnik wurde komplett auf die Mehrraumlösung von Meltem zurückgegriffen.
Bild: Sigurd Steinprinz, Düsseldorf / ACMS Architekten, Wuppertal
Während der Heizperiode wird verbrauchte, warme Raumluft über einen Kreuzgegenstrom-Wärmeübertrager abgesaugt. Dabei wird ihr die Wärme entzogen und an die gleichzeitig getrennt zugeführte Frischluft übertragen. Bis zu 94 % der Wärme lässt sich so zurückgewinnen. Außerdem gelangt die Zuluft auf diese Weise bereits vorgewärmt und zugfrei in den Wohnraum. Das bedeutet nicht nur eine Senkung des Energiebedarfs, sondern führt auch zu höherem Wohnkomfort. Die kontinuierliche Be- und Entlüftung bewirkt außerdem den Abtransport von in der Luft vorhandenen Schadstoffen. Auch Allergiker können aufatmen, denn alle Geräte sind im Standard mit einem Feinstaubpartikelfilter (ISO ePM1 60 % (F7)) für die Außenluft ausgerüstet. Sein feines Filtermedium hält wirkungsvoll lungengängige Feinstaubpartikel wie Pollen, Ruß und Bakterien der Staubklasse PM1 zurück. Auf Wunsch ist optional ein spezieller Aktivkohlefilter erhältlich, der die Gerüche von Schadgasen, Stickoxide und Ozon bindet.
Fensterlaibungslösung an der Fassade nahezu unsichtbar
Die Holzfassade der Gebäude mit ihrer vertikalen Struktur und der auffälligen Bänderung durch die Geschossdecken ist ein zentrales architektonisches Kennzeichen der Campusgebäude in Rosenheim. Die Fassadenoptik sollte daher nicht durch die Fassadenabschlüsse für Außenluftansaugung und Fortluftausbringung beeinträchtigt werden. Für solche Fälle bietet Meltem mit der Fensterlaibungslösung eine Möglichkeit, die Fortluft- und Außenluftkanäle in der Fensterlaibung münden zu lassen. So bleibt die Fassade unberührt. Lediglich eine unauffällige und für den Betrachter kaum sichtbare Edelstahlblende bildet den äußeren Abschluss.
Die Zuluft gelangt bereits vorgewärmt und zugfrei in den Wohnraum. Das führt zu einer Senkung des Energiebedarfs und steigert den Wohnkomfort.
Bild: Sigurd Steinprinz, Düsseldorf / ACMS Architekten, Wuppertal
Die Steuerung der Geräte erfolgt automatisch. Dabei werden die Lüftungsgeräte kontinuierlich gemäß der voreingestellten Parametrierung betrieben. Dabei wird die Entlüftung der innenliegenden Bäder bei Nutzung über den externen Steuereingang (O/EST) über die Lichtschalter gesteuert. Änderungen in den Einstellungen der Geräte können vom Betreiber über eine Funkfernbedienung vorgenommen werden.
Fazit
Der Campus Rosenheim setzt neue Maßstäbe im studentischen Wohnen. Sowohl die Umsetzung der Gebäude im KfW40+ Standard als auch die Holzhybridbauweise entsprechen einem Standard für zukunftsgemäßes Bauen. 2023 wurde das wegweisende Objekt mit dem Balthasar-Neumann-Preis ausgezeichnet, der von der DBZ Deutsche Bauzeitschrift und dem Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V. vergeben wird. Zur guten Innenraumluftqualität und vorbildlichen Energiebilanz der Wohngebäude tragen die dezentralen Komfortlüftungsgeräte einen erheblichen Teil bei.
