SAP Garden in München: Eine Elektroinstallation der Superlative

Anforderungen einer modernen Multifunktionsarena an Planung und Ausführung

11.500 Zuschauer, eine Gesamtleistung von 10 MW sowie hohe Anforderungen an Brandschutz, Energieversorgung und Denkmalschutz: Der SAP Garden im Münchner Olympiapark stellte die Elektroplanung vor außergewöhnliche Herausforderungen. Die Elektroinstallation umfasste u. a. die Anbindung der Gebäudetechnik, der Sicherheitssysteme und einer großflächigen Photovoltaikanlage. Das Projekt zeigt, welche Lösungen für die komplexen Anforderungen entwickelt wurden und welche Rolle unterschiedliche Rohrsysteme bei der Umsetzung spielten.

Der SAP Garden im Münchner Olympiapark.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen

Der SAP Garden im Münchner Olympiapark.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen
Als die Claus Heinemann Elektroanlagen GmbH den Auftrag erhielt, die elektrotechnischen Gewerke des Münchner SAP Garden zu realisieren, stand für Projektleiter Christian Deser außer Frage, wer sein Kooperationspartner im Bereich der Elektroinstallationsrohre sein würde. Denn das europaweit beachtete Großbauprojekt ging in seinen Anforderungen weit über den Rahmen vergleichbarer Vorhaben hinaus. Nicht nur, dass hier unter erheblichem Zeitdruck und auf höchstem technischem Niveau eine moderne Multifunktionsarena verwirklicht werden sollte, die als künftige Heimspielstätte der Münchner Basketball- und Eishockey-Erstligisten vorgesehen war: Eingebettet in das weltbekannte, seit 1998 denkmalgeschützte Ensemble des Münchner Olympiaparks und errichtet auf dem Grundriss des einstigen Olympischen Radstadions, sollte der SAP Garden zugleich auf heutigem Level an das ökologisch-freiheitliche Grundkonzept des historischen Parkareals anknüpfen und so Vergangenheit und Zukunft miteinander verbinden.

Florian Bürk, seinerzeit Leiter Vertrieb Inland Geschäftsbereich Elektro Systeme bei Fränkische mit Heinemann Projektleiter Christian Deser.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen / Fränkische

Florian Bürk, seinerzeit Leiter Vertrieb Inland Geschäftsbereich Elektro Systeme bei Fränkische mit Heinemann Projektleiter Christian Deser.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen / Fränkische
Das galt nicht nur für das äußere Erscheinungsbild der schlanken, zu zwei Dritteln unterirdisch angelegten Arena, das durch geschwungene Zuwege und Grünanlagen, ein begrüntes Dach, einen verglasten Eingangsbereich und eine aufgelockerte Lisenenfassade aus recyceltem Aluminium geprägt wird. Es galt ausnahmslos auch für alle gebäudetechnischen Gewerke – die von Heinemann verantwortete Elektroinstallation eingeschlossen. „Ein Vorhaben dieser Größe erfordert Weitsicht und verzeiht keine Nachlässigkeiten. Jeder Fehler erzeugt einen Dominoeffekt und zieht oft Verzögerungen und zusätzliche Kosten nach sich“, betont Florian Bürk, seinerzeit Leiter Vertrieb Inland Geschäftsbereich Elektro Systeme bei Fränkische. Umso wichtiger sei es, durch die Wahl starker Partner eine zuverlässige Umsetzung aller Maßnahmen sicherzustellen.

Hohe Komplexität der Elektroinstallation

Die beiden Technologiespezialisten mussten insbesondere in der Planungsphase ein Höchstmaß an Aufwand investieren. „Die größte Herausforderung war die überaus komplexe Aufgabe, für jeden Anwendungsbereich die richtige Produktlösung zu finden“, erläutert Bürk. Die Ursache dafür zeigt der Blick auf den Umfang des Projektauftrags an Heinemann. Denn der international tätige Elektrotechnik-Spezialist war beim Bauprojekt SAP Garden nicht nur für Werk- und Montageplanung sowie Installation und Wartung aller Elektroanlagen verantwortlich – vielmehr fielen auch zentrale sicherheitstechnische Gewerke in seinen Zuständigkeitsbereich, darunter Brandmelde- und Sprachalarmierungsanlagen, Videoüberwachungs- und Einbruchmeldesysteme sowie der Leitstand für Polizei und Feuerwehr. In einer Sportarena, die bis zu 11.500 Zuschauer fassen und überdies mit drei angegliederten unterirdischen Eisflächen vielfältige Möglichkeiten für Jugendtraining und Breitensport bieten sollte, bedeutete das für die Claus Heinemann Elektroanlagen GmbH ein Maximum an Verantwortung.

Gebäudeübergreifende Gesamtleistung von 10 MW

Unabhängig von dieser Aufgabe war indessen auch schon die klassische Elektroinstallation anspruchsvoll genug. So mussten bspw. im Bereich der veranstaltungsbegleitenden Übertragungstechnik über 500 individuell bespielbare TV-Screens angeschlossen werden, die über die gesamte Arena verteilt sind. Auch für einen gigantischen Videowürfel unter der Hallendecke mit insgesamt 209 m² Projektionsfläche und mehr als 16 t Gewicht sowie ein zwischen den Zuschauerrängen umlaufendes Fasciaboard von 263 m Länge galt es, die nötigen betrieblichen Voraussetzungen zu schaffen.

(1/2) Die Verlegung hochwertiger und langlebiger Elektroinstallationsrohre, die Kabel und Leitungen dauerhaft vor mechanischen und thermischen Belastungen schützen, war eine Voraussetzung für die reibungslose Umsetzung aller elektrischen Anschlüsse.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen / Fränkische

(1/2) Die Verlegung hochwertiger und langlebiger Elektroinstallationsrohre, die Kabel und Leitungen dauerhaft vor mechanischen und thermischen Belastungen schützen, war eine Voraussetzung für die reibungslose Umsetzung aller elektrischen Anschlüsse.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen / Fränkische
Weitere Kernaufgaben waren die elektrischen Anschlüsse für Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik sowie die kabeltechnische Anbindung zweier Systeme zur teilautarken Energieversorgung: einer Photovoltaikanlage auf dem Hallendach, deren 799 Module den Strom für den Betrieb mindestens einer der Eisflächen bereitstellen, sowie eines Wärmerückgewinnungssystems, das die Abwärme der Kältemaschinen in die Wärmeversorgung der Halle integriert. Und nicht zuletzt war auch die unterbrechungsfreie Stromversorgung der Gebäude-IT sicherzustellen. Insgesamt wurden im SAP Garden schließlich mehr als 1.000 km elektrische Leitungen, rund 300 Stromkreisverteiler sowie 5.000 Steckdosen und Schalter verbaut, um gebäudeübergreifend eine Gesamtleistung von 10 MW bereitstellen zu können.

Halogenfreie Rohre für Brandschutzbereiche

(2/2) Die Verlegung hochwertiger und langlebiger Elektroinstallationsrohre, die Kabel und Leitungen dauerhaft vor mechanischen und thermischen Belastungen schützen, war eine Voraussetzung für die reibungslose Umsetzung aller elektrischen Anschlüsse.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen / Fränkische

(2/2) Die Verlegung hochwertiger und langlebiger Elektroinstallationsrohre, die Kabel und Leitungen dauerhaft vor mechanischen und thermischen Belastungen schützen, war eine Voraussetzung für die reibungslose Umsetzung aller elektrischen Anschlüsse.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen / Fränkische
Voraussetzung für die reibungslose Umsetzung dieser Anschlüsse war die Verlegung von hochwertigen und langlebigen Elektroinstallationsrohren, die Kabel und Leitungen dauerhaft vor mechanischen und thermischen Belastungen schützen und zugleich einer strukturierten Gebäudeverkabelung dienen. „Diese Installationsrohre werden schon im Zuge des Rohbaus in Wände, Decken und Treppen integriert und von uns dann später mit Kabeln belegt“, erklärt Projektleiter Deser das Vorgehen und nennt auch gleich ein Beispiel für die Unterstützung einer strukturierten Verkabelung: „In der Lüftungszentrale etwa konnten wir die gesamte Verkabelung der Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik über Installationsrohre miteinander verbinden.“ Insgesamt wurden im SAP Garden am Ende rund 100 km Elektroinstallationsrohr verlegt. Welche Rohrsysteme in welchen Anwendungsbereichen zum Einsatz kamen, war dabei Gegenstand sorgfältiger Einzelfall-Abwägungen, bei denen über die Schutz- und Strukturierungsaufgaben hinaus stets noch weitere Aspekte berücksichtigt werden mussten. So entschieden sich Heinemann und Fränkische bspw. dafür, im Umkreis von Fluchtwegen und Feuerwehr-Zugängen halogenfreie Rohre vom Typ „FPKu-EM-F-LS0H Low Smoke“ einzusetzen, die hohen Temperaturen bis zu 120 °C widerstehen. Die flammwidrigen und selbstverlöschenden Spezialrohre lassen im Brandfall keine toxischen oder ätzenden Gase entstehen und zeichnen sich durch äußerst geringe Rauchentwicklung aus, was bei Evakuierung und Brandbekämpfung von entscheidender Bedeutung ist.

Dachinstallation unter strengen Denkmalschutzauflagen

(1/2) Die PV-Anlage auf dem Dach der Arena sollte aufgrund der Denkmalschutzauflagen nicht über den Rand des Hallendachs hinausragen.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen

(1/2) Die PV-Anlage auf dem Dach der Arena sollte aufgrund der Denkmalschutzauflagen nicht über den Rand des Hallendachs hinausragen.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen
Eine weitere spezielle Herausforderung ergab sich aus der großangelegten PV-Anlage auf dem ovalen Dach der Arena. Sie durfte das Dach nicht zu stark belasten, um die Statik der Konstruktion nicht zu gefährden. Sie sollte aufgrund der Denkmalschutzauflagen aber auch nicht über den Rand des Hallendachs hinausragen, um die Sicht auf die Bauwerke und das Landschaftsprofil des geschützten Areals nicht zu beeinträchtigen. Der wichtigste Faktor war dabei die bekannte, rund 74.800 m² große Zeltdachkonstruktion, welche Olympiastadion, Olympiahalle und Olympia-Schwimmhalle überspannt und als eine der bedeutendsten architektonischen Leistungen des 20. Jahrhunderts gilt. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe des SAP Garden und kann auch von der Besucherterrasse der Arena gut eingesehen werden.

(2/2) Die PV-Anlage auf dem Dach der Arena sollte aufgrund der Denkmalschutzauflagen nicht über den Rand des Hallendachs hinausragen.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen

(2/2) Die PV-Anlage auf dem Dach der Arena sollte aufgrund der Denkmalschutzauflagen nicht über den Rand des Hallendachs hinausragen.
Bild: Claus Heinemann Elektroanlagen
Das Ziel, den freien Blick auf diese Architektur-Ikone auch bei der Bestückung des Hallendachs mit Hunderten von Solarmodulen zu erhalten und das Dach zugleich nicht zu überlasten, wurde durch eine flache, leichte, aber dennoch stabile Modul-Tragkonstruktion erreicht, zu der auch „Alu-Steck ES“-Aluminiumrohre von Fränkische samt „AMS-E“-Steckmuffen und „ASG-E“-Abstandsschellen gehören. Diese Elektroinstallationsrohre fügen sich unauffällig in die Tragkonstruktion ein, verbinden die Solarmodule untereinander und schützen deren Verkabelung vor UV-Strahlung und schädlichen Witterungseinflüssen.

Nachhaltigkeitsbeitrag durch ökobilanzierte Rohre

Angesichts der ökologischen Ausrichtung des SAP Garden spielten bei der Auswahl der Elektroinstallationsrohre insgesamt vor allem Nachhaltigkeitsaspekte eine wichtige Rolle. Hier hat Fränkische mit den ersten am Markt verfügbaren Kunststoff-Wellrohren, die nach ISO 14025 bzw. EN 15804 ökobilanziert wurden, die sich nahtlos in das nachhaltige Konzept der Arena einfügen und die prinzipiellen Vorteile von Kunststoff-Wellrohren nach eigenen Angaben noch einmal potenziert. „Entgegen einer weit verbreiteten Auffassung sind Elektroinstallationsrohre aus Kunststoff generell sehr nachhaltige Produkte, da sie eine Lebensdauer von bis zu 100 Jahren erreichen und anschließend noch der Wiederverwertung zugeführt werden können“, unterstreicht Bürk. Durch die Verwendung sogenannter Rezyklate, also wiederaufbereiteter Gebrauchsmaterialien, werden bei der Herstellung der neuen Rohre 60 % weniger fossile Ressourcen verbraucht und pro laufendem Meter 47 % weniger CO₂-Emissionen verursacht als bei der Produktion marktüblicher Kunststoff-Wellrohre. Konkret verbaut wurden im SAP Garden ökobilanzierte Rohre für die Erdverlegung („Kabuflex R plus 450 co2ntrol“) sowie für Unterputz-, Hohlwand- und Estrichinstallationen („FBY-EL-F co2ntrol“).

Darüber sind in der Multifunktionsarena noch weitere langlebige Kunststoffrohre zu finden, darunter „FPKu-EM-F“-Stangenrohre sowie „FFKuS-EM-F“-Wellrohre mit hochgleitfähiger Innenschicht. Zudem wurden in vereinzelten Sichtbereichen metallgebundene Verrohrungen mit explizitem ästhetischem Anspruch verwirklicht. In Anbetracht dieser Lösungsbreite zieht Heinemann Projektleiter Christian Deser denn auch ein positives Fazit: „Wir hatten mit der Fränkischen einen innovativen Partner für diese High-Tech-Arena – und im Endeffekt für jeden Anwendungsfall das passende Produkt.“

Zeitgemäße Sportstätte im Geist der historischen Parkarchitektur

Den Planern des SAP Garden ist es gelungen, eine zeitgemäße Sportstätte im Geist der historischen Parkarchitektur zu realisieren und damit unter modernen Vorzeichen an die Überlegungen der preisgekrönten Architekten um Günter Behnisch und Frei Otto anzuknüpfen. Deren fortschrittliche Ideen für eine nachhaltige Bebauung und Gestaltung, für eine dauerhafte Harmonie von Natur und Technik spiegeln sich auch in der neuen Arena wider. Die von Heinemann in Zusammenarbeit mit Fränkische realisierten elektrotechnischen Gewerke sollen dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Sie entsprechen in Leistungsfähigkeit und nachhaltiger Ausführung allen Anforderungen an eine zukunftsweisende Multifunktionsarena auf gebäudetechnisch höchstem Niveau. Sie erfüllen ebenfalls alle Denkmalschutzvorgaben und schreiben somit von technologischer Seite die historischen Leitgedanken des Geländes fort. Denn das Ensemble des Olympiaparks steht nicht nur seit einem Vierteljahrhundert unter Denkmalschutz, sondern inzwischen auch auf der Vorschlagsliste zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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