LED‑Sanierung im Bestand: Was für die TGA-Planung zu beachten ist

Alexej Schulz über geregelte Beleuchtung, Funkvernetzung, Wartbarkeit und Planung in Industrie & Logistik

Das EU‑Verbot für Leuchtstoffröhren beschleunigt die Modernisierung der Beleuchtung in Industrie und Logistik. Effiziente LED‑Leuchten sind Standard – die größten Effekte entstehen jedoch erst, wenn Sensorik und Lichtmanagement funkvernetzt zusammenspielen. So lassen sich laut Alexej Schulz, Vertriebsleiter bei SchahlLED Lighting, Energieverbrauch und CO2‑Bilanz massiv senken. Im Interview erklärt er, was „geregelte“ Beleuchtung ausmacht, welche Anforderungen an das vernetzte System zu beachten sind – und wieso vor allem in der Logistik Einsparungen von deutlich über 80 % realistisch sind.

tab: Herr Schulz, was treibt die Umrüstung aktuell – und sind Einsparungen von über 80 % wirklich erreichbar?

Alexej Schulz, seit Frühjahr 2025 Vertriebsleiter bei SchahlLED Lighting.
Bild: SchahlLED Lighting

Alexej Schulz, seit Frühjahr 2025 Vertriebsleiter bei SchahlLED Lighting.
Bild: SchahlLED Lighting
Alexej Schulz: Das Verbot von Leuchtstoffröhren aber auch ausgediente LED-Systeme der ersten Generation lenken den Blick auf intelligente Lösungen. Reine LED‑Ersatzleuchten bringen gegenüber Leuchtstoffröhren zwar Effizienz, aber das Maximum erreichen wir erst mit Sensorik plus Lichtmanagement. In der Logistik sehen wir durchweg Einsparungen über 80 % beim Energieverbrauch – weil Beleuchtung dank Präsenz‑ und Tageslichtsteuerung nur dann in erforderlicher Stärke aktiv ist. Die höchste derzeit technisch mögliche Einsparung ist nur mit sensorgesteuerter, funkvernetzter LED‑Beleuchtung neuester Generation und in Verbindung mit einem Lichtmanagementsystem zu erreichen.

tab: Können Sie die Einsparpotenziale in typischen Anwendungen konkretisieren?

Alexej Schulz: In Industrie und Logistik ist die Beleuchtung noch immer oft im Dauermodus an, da kommen wir her. Der tatsächliche Bedarf an Licht über den Tag verteilt, ist bspw. in der Logistik jedoch meist nur für kurze Zeiten auf Volllast gegeben, da relativ wenig Betrieb herrscht. Mit Sensorik sparen Betreiber gegenüber Dauerlicht dann nicht selten bis zu 90 % der Beleuchtungszeit und damit sehr viel Energie. In Produktionshallen, die im Schnitt rund 40 % belegt sind, leuchten nur die tatsächlich genutzten Zonen. Bei Strompreisen häufig über 20 ct/kWh sind die Kosteneffekte entsprechend auch hier sehr deutlich.

tab: Welchen Einfluss hat die Regelung auf Lebensdauer und Wirtschaftlichkeit?

Professionelle Umrüstung: Ältere Beleuchtungssysteme werden durch moderne, energieeffiziente Technik ersetzt.
Bild: SchahlLED Lighting

Professionelle Umrüstung: Ältere Beleuchtungssysteme werden durch moderne, energieeffiziente Technik ersetzt.
Bild: SchahlLED Lighting
Alexej Schulz: Weniger Volllast und weniger Betriebsstunden verlängern die Lebensdauer der Leuchten erheblich. Eine moderne, sensorgesteuerte Anlage erreicht heute rund zwei Jahrzehnte – mit lediglich wenig Teiletausch über die Jahre. Deshalb gilt: Moderne, sensorgesteuerte LED‑Leuchten mit einem Lichtmanagementsys­tem sind eine hochprofitable Investition.

tab: Gilt Ihr Plädoyer auch für den Neubau – trotz höherer Anfangskosten?

Alexej Schulz: Ja. Sensorik, Gateway, Lichtmanagement und ggf. Cloud verursachen zwar höhere Investitionsausgaben, sparen aber vom ersten Tag an Betriebskosten. Hier gilt es insbesondere Vermietern deutlich zu machen, wie stark dies die Immobilie aufwertet, auch wenn sich die Betriebskosteneinsparungen erst beim Mieter positiv niederschlagen. Zudem bringen der konsequente Einsatz von funkvernetzter Sensorik mit einem Lichtmanagementsystem, das die laufenden Betriebskosten-, kWh- und CO2 Einsparungen darstellen kann, ESG-Konformitäts-Vorteile.

tab: Wie gehen Sie in Projekten methodisch – von der ­Bestandsaufnahme bis zur Übergabe – vor?

Alexej Schulz: Wir haben es mit einem erklärungsbedürftigen Produkt zu tun, besser gesagt einer Investition. Die Kenntnisse potenzieller Kunden über die heutigen technologischen Möglichkeiten, mittels hochmoderner Beleuchtungsanlagen große Einsparungen zu realisieren, sind überschaubar. Daher ist eine professionelle und kompetente Ansprache sehr wichtig. Um es dem Kunden leicht zu machen, gehen wir für die Angebotserstellung in Vorleistung, in dem wir die Vor-Ort Bestandsaufnahme und die anschließende sehr detaillierte Lichtplanung mit Wirtschaftlichkeitsberechnung nicht in Rechnung stellen. Ein in dieser Form erstelltes Angebot überzeugt meist von allein, vor allem durch sehr schnelle Amortisationszeiten der Investition.

tab: Worauf sollten TGA‑Ingenieure und Planer bei der Planung und Ausschreibung besonders achten?

 Alexej Schulz: Das Fundament bilden eine klare Spezifikation der Regelstrategie in Bezug auf Tageslichtnutzung und Präsenz gefolgt von IT‑Unabhängigkeit des Funknetzes, Wartbarkeit auf Komponentenebene, Notlicht‑Integration, Monitoring‑Funktionen und belastbare Garantien. Zudem wäre es wünschenswert, wenn TGA-Planer mehr Aspekte der Wirtschaftlichkeit sensorbasierter Systeme gegenüber Lösungen mit wenig oder überhaupt keinen Sensoren einfließen lassen. Ein weiterer Gesichtspunkt sind mögliche Herausforderungen bei der langfristigen Kompatibilität von System-Elementen verschiedener Anbieter, wenn bspw. Sensorik und Lichtmanagementsystem nicht vom Leuchtenhersteller stammen, in der Praxis aber über viele Jahre sehr eng aufeinander abgestimmt bleiben müssen.

tab: Welche typischen Fallstricke begegnen Ihnen bei Ausschreibung und Vergabe?

Alexej Schulz: Häufig sind Ausschreibungen auf die Verteidigung eines bestimmten Wunschfabrikats ausgelegt, weniger auf eine konsequente Technologieoffenheit, wobei sich die bessere und wirtschaftlichere Technologie nicht immer dem Weg bahnen kann.

tab: Warum plädieren Sie für ein System „aus einem Guss“?

Alexej Schulz: Leuchten und Lichtmanagement sollten eine durchgängig kompatible, digitale Einheit bilden – idealerweise als erweiterbares Ökosystem für zukünftiges Gebäudemanagement. Mischlösungen aus Leuchten, Sensorik und Steuerung verschiedener Anbieter bergen hingegen enorme Kompatibilitäts‑ und Obsoleszenzrisiken. Scheitert der viel beworbene junge Steuerungsanbieter, was leider nicht selten passiert, kann die gesamte Anlage leiden.

tab: Was verstehen Sie unter „geregelter“ Beleuchtung?

Die Montage der Deckenleuchten schafft die Infrastruktur für vernetzte Lichtsteuerung und digitale Gebäudefunktionen.
Bild: SchahlLED Lighting

Die Montage der Deckenleuchten schafft die Infrastruktur für vernetzte Lichtsteuerung und digitale Gebäudefunktionen.
Bild: SchahlLED Lighting
Alexej Schulz: In die Leuchten integrierte Sensoren erfassen Umgebungshelligkeit und Präsenz von Menschen. Sie regeln so jede Leuchte individuell aber im Abgleich der weiteren Leuchten im Raum. Jede Leuchte passt dabei ihren Lichtstrom automatisch an; bei viel Tageslicht dimmt sie über das Sensor-Signal herunter oder schaltet ganz ab. Gleichzeitig bleibt die Beleuchtungsstärke normgerecht – im Lager zwischen den Regalen etwa als Richtwert 200 lx. So vermeiden wir Überbeleuchtung, reduzieren Betriebsstunden und schonen die Komponenten.

tab: Viele „smarte“ Systeme funken. Welche Anforderungen stellen Sie an Funk- und IT‑Sicherheit?

Alexej Schulz: Zunächst einmal möchte ich die Notwendigkeit eines funkbasierten Systems im Grundsatz hervorheben. Um das Maximum an Einsparungen aus einer Beleuchtungsanlage rauszuholen, sind mehr Sensoren stets rentabler. Wir gehen bspw. einen Schritt weiter und integrieren in jede Einzelleuchte einen eigenen Sensor. Würde man so nun alle Einheiten untereinander verkabeln, um sie „smart“ kommunizieren zu lassen, wäre der Verkabelungsaufwand schnell nicht bezahlbar. Hier kommt moderne Funktechnologie ins Spiel. Ein professionelles System arbeitet in einem eigenständigen, sicheren Netz – unabhängig von der IT des Betreibers. Das minimiert Angriffsflächen, insbesondere in kritischer Infrastruktur. Zudem muss die Funkverbindung in Hallen robust durch Maschinen, Regale und dicke Wände hindurch funktionieren, was nur die wenigsten Systeme einwandfrei beherrschen. Gängige Protokolle im 2,4 GHz‑Bereich stoßen hier bspw. oft an Grenzen; entscheidend sind Stabilität, Reichweite und Störfestigkeit am Ort. Daher setzen wir auf eine sehr robuste Funktechnologie, die ihre Ursprünge in Smart-City-Anwendungen im Sub-GHz Bereich hat.

tab: Was ist aus Sicht von Betrieb und Instandhaltung unverzichtbar?

Alexej Schulz: Wartbarkeit bis auf Komponentenebene. Jedes Bauteil der Leuchte sollte sich unkompliziert tauschen lassen. Für Notbeleuchtung empfehlen sich sehr langlebige Akkus der neuesten Generation. Ein sicheres Control Center ermöglicht autorisiertem Personal Parametrierung, Monitoring und Servicefunktionen – z. B. automatische monatliche Prüfprotokolle für Notleuchten sowie Auswertungen zu Energie, Kosten und CO2-Einsparungen, bis hinunter auf die einzelne Leuchte.

tab: Ihr Ausblick: Welche Technologie‑ oder Marktentwicklungen sollten Planungsbüros 2026 und danach auf dem Radar haben?

Alexej Schulz: Technologisch gesehen bietet der Markt im Kontext von IoT für das ganze Gebäude eine gewaltige Vielzahl von Sensor-Lösungen. Hier gilt es, sich offen zu zeigen und nicht nur die höheren Investment-Kosten in den Vordergrund zu stellen, um die Lücke zum Stand der Technik zu schließen. Bei den heutigen Möglichkeiten der Funktechnologie würde ich das Datenkabel weitestgehend verbannen, das gilt für Sanierungsvorhaben aber auch im Neubau. So finden unterschiedlichste Sensoren mit geringem Aufwand Einzug ins Gebäude, die miteinander kommunizieren und wertvolle Daten für Auswertungen und laufende Optimierungen weit über das Licht hinaus bieten.

x

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 02/2012

Licht- und Gebäudeautomation

Für den gut geplanten Lichteinsatz im Gebäude

Lichtmanagement als Zauber­wort für „intelligenten“ Lichteinsatz und Energieeffizienz? Welche Vorteile bietet es, Licht digital zu steuern und dadurch gezielt, dosiert, punktgenau oder...

mehr
Ausgabe 05/2019

LED ist das Leuchtmittel der Zukunft

Lichtplanung für Büro- und Industriegebäude

Ein Wechsel auf LED kommt aktuell auch aus rechtlichen Gründen gelegen. In der EU herrscht nach dem Produktions- und Vertriebsverbot für klassische Glühlampen seit September 2018 ein...

mehr
Ausgabe 03/2022

Human Centric Lighting

Lernumgebungen richtig beleuchten

Licht für jede Tageszeit Wissenschaftler unterscheiden zwischen visuellen, psychologischen und (neuro-)biologischen Lichtwirkungen. Licht ist aus neurobiologischer Sicht der wichtigste Faktor für...

mehr
Ausgabe 7-8/2018

Moderne Beleuchtung am Arbeitsplatz

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Für die Entstehung des Lebens auf der Erde ist maßgeblich die größte uns bekannte Strahlungsquelle, die Sonne, verant­wort­lich. Die Sonnenstrahlung, die durch die Atmosphäre auf die Erde...

mehr
Ausgabe 01/2015 Arbeitssicherheit durch Tageslicht

Vorteile der Tageslichtnutzung

Die TU Ilmenau hat in Zusammenarbeit mit der zuständigen Branchengenossenschaft (Studie: Optimale Beleuchtung bei Schichtarbeit, TU Ilmenau, Mai 2009) an 350 Arbeitsplätzen den Zusammenhang zwischen...

mehr