Das Bergson Kunstkraftwerk gilt als neuer kultureller Hotspot in München.
Bild: Bergson / Simon Haseneder
Das ehemalige Heizwerk, geplant in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, stand seit den späten 1980er Jahren in München-Aubing weitgehend leer. Zeitweise wurde das Areal bspw. für Techno-Veranstaltungen genutzt. Das änderte sich, als die Brüder Christian und Michael Amberger, Inhaber der Firma Allguth, das Objekt entdeckten. Anstatt dort eine neue Unternehmenszentrale einzurichten, sahen sie das Potenzial für einen kulturellen Hotspot – ein Treffpunkt für Kreative und Künstler, für Musik und Kunst. 2005 ging das teils verfallene Gebäude sowie 20.000 m² Gelände an das Familienunternehmen Allguth, zwei Jahre später stand das Heizwerk unter Denkmalschutz. Ab 2015 wurden die Pläne für das Areal konkreter. Das Architektenbüro Stenger2 erhielt den Auftrag, den Bestand umzubauen und direkt daneben einen Neubau zu planen.
Transformation zum multifunktionalen Gebäudekomplex
Ein Teil der Lüftungsanlage für den Konzertsaal.
Bild: Condair
Von der Entkernung des Kubus über die Entwicklung der gewünschten Räume bis zum Gesamtkonzept war es ein mehrstufiger Planungs- und Umsetzungsprozess. Das Ziel: ein multifunktionaler Komplex, der viele Optionen der Nutzung bietet. Dazu wurde neben dem Heizwerk ein quaderförmiger Neubau errichtet, die Verbindung zum Bestand löste man mit einem gemeinsamen Empfangsbereich. Als prägend für die äußere Struktur des alten Stahlbetonbaus gilt die Hülle aus Vollziegeln sowie die lang gestreckten Fensteröffnungen. Im Innern der über 20 m hohen Halle sind die Relikte der riesigen Silos sichtbar geblieben, ein deutlicher Hinweis auf die frühere Nutzung. Bei allem Erhalt des industriellen Flairs wurden zeitgemäße TGA-Systeme geplant. Hier war die IVM Gebäudetechnik GmbH mit Dipl.-Ing. Karl-Heinz Mayer mit der Planung betraut, die sämtliche Gewerke mit Ausnahme der Elektrotechnik verantwortete.
13 Wärmepumpen für die Heizung und Kühlung sowie eine Gasbrennwert-Doppelkesselanlage mit einer Gesamtleistung von 1.000 kW liefern Wärme und Kühlung. Je nach Raum wird sie per Flächenheizung, Klimadeckensegel und Türluftschleieranlagen eingebracht. Ein unverzichtbarer Teil der technischen Infrastruktur bildet die Lüftungs- und Klimatechnik.
Temperatur und Feuchte zusammen denken
Aufgrund der vielfältigen Bereiche und Nutzungen galt es, die Anforderungen der einzelnen Abschnitte genau zu erfassen. Anspruchsvoll waren in diesem Zusammenhang die Galerie und der Konzertsaal. Für erstere sah man den Bereich über den alten Kohlesilos vor, wobei diese durch einen Gitterboden in weiten Strecken sichtbar blieben. Die Verantwortlichen entwickelten ein ausgefeiltes Konzept für die klimatischen Bedingungen, denn Ausstellungsstücke unterliegen strengen Anforderungen, was Temperatur und Luftfeuchte betrifft. Diese Werte müssen äußerst stabil und mit nur geringen Toleranzen gegeben sein, unabhängig von der Besucherzahl, der Jahreszeit oder anderen Einflussfaktoren. Nur dann ist es bspw. möglich, Leihgaben für eine Schau zu erhalten.
Für den Konzertsaal sind Dampf-Luftbefeuchter „Condair RS“ mit insgesamt 210 kg/h Dampfleistung installiert.
Bild: Condair
Etwas anders stellte sich die Situation für den Konzertsaal dar, der sich im Neubau befindet. Sowohl für den bis zu 470 Plätze umfassenden Saal als auch für das Lager des Konzertflügels wurden gleiche Werte vorausgesetzt, um die optimalen klimatischen Bedingungen zu garantieren. Für die Luftfeuchtigkeit sind Werte von mindestens 45 % relativer Luftfeuchte erforderlich.
Die Systemauswahl erfolgte einerseits im Hinblick auf die Erfüllung der Vorgaben, andererseits spielten die Folgekosten eine große Rolle. Zudem legte Karl-Heinz Mayer als Fachplaner Wert auf Erfahrung, Support und Kundendienst, was Großprojekte angeht. Daher wurden für die raumlufttechnischen Anlagen Produkte der AL-KO Therm GmbH (9 „WK-com 30 Thermo“ Zentrallüftungsgeräte, 6.000 bis 25.000 m³/h) und der Wolf Anlagen-Technik GmbH (2 „AT 4-F 12x12/12x12 wetterfest“ Vollklimageräte, 3.500 m³/h) eingesetzt. Für alle Details rund um die Luftbefeuchtung war das Unternehmen Condair verantwortlich.
Klimatisierungskonzept für die Galerie
Tabelle 1: Auslegungswerte für das Klimatisierungskonzept der Galerie.
Tabelle: Condair
Aufgrund der Vorgaben der Bauherren entschied man sich dafür, die Galerie im zweiten Obergeschoss mit einer Lüftungstechnik auszustatten, die eine Vollklimatisierung gewährleistet. Zudem wurde sie als Doppelanlage ausgeführt – diese Redundanz sichert den Betrieb zu jeder Zeit. Die Werte in Tabelle 1 waren für die Auslegung relevant. Die Umsetzung erfolgte mit einem Vollklimagerät von AL-KO Therm, das die genannten Parameter für den Luftaustausch erfüllt. Um die Raumluftfeuchte wie vorgesehen zu gewährleisten, fiel die Wahl auf zwei Widerstands-Dampf-Luftbefeuchter „Condair RS 8“. Sie erhitzen Wasser nach dem Tauchsieder-Prinzip auf 100 °C und geben den entstehenden Dampf in die Lüftungsanlage ab. Die Dampf-Luftbefeuchter sind in eigenen Kuben in den Zuluftkanal eingebaut. Die Steuerung der Vollklimafunktion übernimmt die im
Die Wasseraufbereitung für die Galerie mit der Enthärtungsanlage „Condair Soft 60“ mit einer Kapazität von 56 m³ · °dH.
Bild: Condair
RLT-Gerät von AL-KO Therm integrierte Regelanlage. Dabei bleibt die Lufttemperatur weitgehend konstant. Diese Technik arbeitet mit Widerstandselementen – Heizstäben im Dampfzylinder – und ist daher nicht von der Leitfähigkeit des vorhandenen Wassers abhängig. Die „RS 8“ können sowohl mit Trinkwasser wie auch mit vollentsalztem Wasser betrieben werden. Von Vorteil ist die mit dem Verfahren verbundene Hygiene, denn Keime werden eliminiert und die Luftqualität wird verbessert. Des Weiteren lässt sich die Dampfabgabeleistung stufenlos zwischen 0 und 100 % regeln. Die Geräte verfügen über ein patentiertes Kalkschutzmanagement, mit dem eine dauerhafte Ablagerung von Kalk auf den Heizstäben verhindert wird.
Die befeuchtete Zuluft wird über schmale, lange Schlitzauslässe an einer der Längsseiten der Galerie eingebracht. Sie gestatten eine zugfreie und dezente Luftzufuhr. Dementsprechend erfolgt die Abluftabsaugung auf der gegenüberliegenden Seite. Schalldämpfer verhindern jeweils die Entwicklung von Strömungsgeräuschen. Raumluftfühler überwachen den CO₂-Gehalt, die Feuchte und die Temperatur, damit die Sollwerte jederzeit einreguliert werden.
RLT-Anlage und Feuchteregelung im Konzertsaal
Tabelle 2: Auslegungswerte für die RLT-Anlage und Feuchteregelung im
Konzertsaal.
Tabelle: Condair
Für den Konzertsaal im Neubau wurde eine eigene Lüftungstechnik installiert, die der Größe und den baulichen Gegebenheiten angepasst ist. Für den Saal galten die Werte aus Tabelle 2. Hier wurde eine raumlufttechnische Anlage der Wolf Anlagen-Technik GmbH installiert. Es sind Widerstands-Dampf-Luftbefeuchter „Condair RS“ mit insgesamt 210 kg/h Dampfleistung eingebaut. Sie befeuchten im Winter die trockene Luft, um die gewünschten Bedingungen herzustellen. Die komplette Zuluftführung findet unter dem Konzertsaal statt. Dabei ist der Saal darüber in Zonen eingeteilt: Bodenauslässe gibt es auf der Bühne und in den ersten Reihen des Parketts. Die Sitzreihen im ansteigenden Bereich sowie auf der Empore weisen unterhalb der Sitze Öffnungen auf, durch die die Luft gleichmäßig einströmt. Damit dieses Verfahren dauerhaft auf dem gewünschten Niveau abläuft, sind die Dampf-Luftbefeuchter der Serie „Condair RS“ in einem vorgelagerten eigenen Technikraum platziert. Die Absaugung erfolgt über der Bühne unter der Konzertsaaldecke.
Der Blick auf die ansteigenden Stuhlreihen: Hier sitzen die Öffnungen, um die Luft in den Konzertsaal zu bringen.
Bild: Condair
Wasser für Befeuchtung und Einbindung in GLT
Die Luftbefeuchtung für die Galerie wird mit zwei Dampf-Luftbefeuchtern „Condair RS“ stabil gehalten.
Bild: Condair
Das Trinkwasser für sämtliche Bereiche wird per chemischer Enthärtung mit Salz aufbereitet, um auf einen Härtegrad von ca. 6 °dH zu kommen. Im zweiten Schritt erfolgt die Reduktion auf 0 °dH. Dazu werden Geräte aus der Condair-Serie „Soft“ eingesetzt. Für die Galerie reicht die Ausführung „Soft 60“ mit einer Kapazität von 56 m³ · °dH. Der Konzertsaal ist mit zwei „Soft 120“ ausgestattet, die jeweils 109 m³ · °dH erbringen. Anschließend wird das Wasser zu einer Umkehr-Osmoseanlage geleitet, die das hochwertige Permeat in einem atmosphärisch geschlossenen Druckspeicher aus Edelstahl bereitgestellt. Dieses hygienisch einwandfreie Wasser steht dann den Dampf-Luftbefeuchtern zur Verfügung. Durch die Verwendung hochwertiger Membranmodule wird die Dauerabgabe der benötigten Permeatleistung sichergestellt. Eine großvolumige Bevorratung des Befeuchtungswassers ist deshalb nicht erforderlich. Mit dieser Konfiguration wird stehendes Wasser vermieden und es werden die Hygieneansprüche gewährleistet, zudem führt es zu längeren Wartungsintervallen. Die Umkehrosmoseanlage „Condair AX05 W“ stellt das Osmosewasser mit einer Permeatleistung von 50 l/h für die Galerie zur Verfügung. Das Modell „AX 50“ liefert 500 l/h für den Konzertsaal.
Sämtliche Geräte der Luft- und Klimatechnik sind in der GLT zusammengefasst. Dies gelingt problemlos, weil die Widerstands-Dampf-Luftbefeuchter der Serie „Condair RS“ serienmäßig eine Schnittstelle zu den gängigen GLT-Systemen Modbus und BACnet enthalten. So lassen sich die Zonen bedarfsgerecht und nach den kundenspezifischen Vorgaben steuern.
Erfahrungen im laufenden Betrieb
Die Vision, einen multikulturellen Begegnungsort zu schaffen, hat sich erfüllt. Durch das Zusammenspiel der regionalen Partner sowie das Einbeziehen von Condair im Bereich Luftbefeuchtung konnte das außergewöhnliche Projekt vor einem Jahr abgeschlossen werden. „Nach dem Einschalten funktionierte die Anlage inklusive Luftbefeuchtung einwandfrei“, berichtet Planer Karl-Heinz Mayer. Ebenso positiv äußern sich die Bauherren: „Kurze Wege, schnelle Entscheidungen und Begegnung auf Augenhöhe – das waren die Voraussetzungen, um das Bergson zu einem Hotspot zu machen. Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis.“
