Brandschutz für PV-Anlagen in Planung und Betrieb
Sonderbauten, rechtliche Vorgaben und RisikenPhotovoltaik-(PV)-Anlagen sind für die Energiewende unverzichtbar, bergen aber spezifische Brandschutzrisiken. Speziell bei Sonderbauten steigen die Anforderungen an Planung und Prüfung. Fehlende gesetzliche Regelungen führen häufig zu Unsicherheiten. Unabhängige Fachprüfungen helfen, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Anlagensicherheit langfristig zu gewährleisten.
Angesichts des beschleunigten Ausbaus von Solaranlagen auf Dächern von Industrie- und Sonderbauten rücken brandschutztechnische Risiken zunehmend in den Fokus. Aktuelle Schadensfälle zeigen, dass insbesondere elektrische Komponenten wie Wechselrichter oder mangelhafte Leitungsverlegung zu Brandauslösern werden können. Gleichzeitig fehlt es bislang an einer einheitlichen brandschutztechnischen Regulierung. Die steigende Zahl von PV-Anlagenbränden ist häufig auf Mängel in der Installation, Wartung oder Instandhaltung zurückzuführen. Die Ursachen reichen von Überspannung und Materialalterung bis...
Photovoltaik-Anlagen sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Energiewende, bergen jedoch spezifische Brandschutzrisiken.
Bild: TÜV Hessen
Angesichts des beschleunigten Ausbaus von Solaranlagen auf Dächern von Industrie- und Sonderbauten rücken brandschutztechnische Risiken zunehmend in den Fokus. Aktuelle Schadensfälle zeigen, dass insbesondere elektrische Komponenten wie Wechselrichter oder mangelhafte Leitungsverlegung zu Brandauslösern werden können. Gleichzeitig fehlt es bislang an einer einheitlichen brandschutztechnischen Regulierung. Die steigende Zahl von PV-Anlagenbränden ist häufig auf Mängel in der Installation, Wartung oder Instandhaltung zurückzuführen. Die Ursachen reichen von Überspannung und Materialalterung bis hin zu Nagerverbiss und Installationsmängel über Brandwände.
In der Praxis fehlt es häufig an einem brandschutzgerechten Vorgehen: Viele PV-Anlagen werden von Drittbetreibern errichtet, die die spezifischen Anforderungen an den baulichen Brandschutz nicht kennen. Besonders bei Nachrüstungen werden Brandwände oder Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) überbaut oder unzureichend integriert, Feuerwehrpläne bleiben vielfach unverändert. So ging etwa ein Dachbrand im Mai 2025 in einem Schulzentrum in Nordrhein-Westfalen auf einen defekten Wechselrichter zurück; ein weiterer Brand in einem Logistiklager in Hessen wurde auf fehlerhafte PV-Module zurückgeführt.
Gerade in Sonderbauten sind ein stromlos schaltbarer Feuerwehrschalter und die Einbindung in bestehende Blitzschutzsysteme zwingend erforderlich. Werden diese Maßnahmen vernachlässigt, steigt im Falle eines Blitzeinschlags das Risiko eines Totalschadens erheblich. Zudem fehlt vielen Anlagenbetreibern das Bewusstsein für die brandschutztechnischen Anforderungen und ihre Bedeutung für den sicheren Betrieb über den gesamten Lebenszyklus der Anlage hinweg.
Normative Anforderungen an PV-Anlagen
Zwar besteht laut Baurecht keine Genehmigungspflicht für PV-Anlagen, dennoch sind grundlegende Schutzziele einzuhalten. Diese ergeben sich etwa aus § 14 Musterbauordnung (MBO), wonach bauliche Anlagen so anzuordnen und zu errichten sind, dass die Ausbreitung von Feuer und Rauch verhindert und wirksame Löscharbeiten möglich werden. Die Landesbauordnungen enthalten zudem weitere brandschutzrelevante Vorgaben für Sonderbauten. Allerdings greifen diese meist nicht unmittelbar auf PV-Anlagen.
Relevanter sind hier technische Normen wie die DIN VDE 0100-712, die sich mit der Errichtung von PV-Stromversorgungssystemen befasst. Darüber hinaus verweist das VdS-Merkblatt 3245 auf zentrale Anforderungen in Planung, Bau und Betrieb. Dazu zählen etwa die Einhaltung von Mindestabständen zwischen Modulen, nichtbrennbare Materialien bei Hochhäusern oder Industrieanlagen sowie geschützte Aufstellorte für Wechselrichter und Speichersysteme. Weitere Orientierung bieten die Empfehlungen der DGUV sowie verschiedene technische Leitfäden und Merkblätter der Berufsgenossenschaften.
Vorgaben durch Versicherer
Wird eine Immobilie gegen Feuer versichert, fordern Versicherer häufig unabhängige Prüfungen elektrischer Anlagen. Laut VdS-Berichten weist rund ein Drittel der geprüften PV-Systeme sicherheitsrelevante Mängel auf. Dazu gehören u. a. ungeschützte Leitungsführungen, unzureichender Blitzschutz oder nicht dokumentierte Trennstellen. Hier sind vorausschauende Planung und kontinuierliche Überwachung erforderlich. Vor allem Betreiber öffentlicher Gebäude und Sonderbauten sollten daher frühzeitig unabhängige Fachprüfer einbinden und gegebenenfalls bestehende Anlagen nachträglich bewerten lassen. Auch für kommunale Träger ergibt sich daraus eine Verantwortung, gerade wenn Dritte als Betreiber der Anlage auftreten.
Besondere Gefahren durch elektrische Komponenten
Die steigende Zahl von PV-Anlagenbränden ist häufig auf Mängel in der Installation, Wartung oder Instandhaltung zurückzuführen.
Bild: OpenAI
Zwischen 30 und 40 % der PV-Brände sind laut Studien auf elektrische Komponenten zurückzuführen. Wechselrichter stellen dabei eine besondere Gefahrenquelle dar: Ohne ausreichende Belüftung oder bei direkter Sonneneinstrahlung drohen thermische Überlastungen. Auch die Alterung von Bauteilen fördert die Brandgefahr. Brandschutzkonzepte müssen daher auch Inspektions- und Wartungszyklen berücksichtigen, um Defekte frühzeitig zu erkennen. Zusätzlich können Monitoring-Systeme zur Überwachung der Betriebsparameter beitragen, Fehlerquellen frühzeitig zu identifizieren und das Sicherheitsniveau zu erhöhen.
Auch die Dachbeschaffenheit stellt einen kritischen Faktor dar. Gerade Bitumen- oder Teerpappbedachungen auf Flachdächern sind leicht entflammbar. Hier ist ein erhöhtes Augenmerk auf brandsichere Unterkonstruktionen und modulare Unterteilungen der PV-Flächen zu legen. Kabeldurchführungen müssen fachgerecht mit Leitungsschotts oder Brandschutzkanälen ausgeführt sein. Bei Neubauten kann dies von Anfang an eingeplant werden. Bei Bestandsbauten empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Trag- und Brandschutzstruktur vor Installation der Module.
Unabhängige Prüfung dringend empfohlen
Ein Genehmigungsverfahren für PV-Anlagen würde die Brandsicherheit erhöhen, wird aber bisher nicht obligatorisch vorgesehen. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Einbindung unabhängiger Prüforganisationen. Derartige Fachpartner begleiten von der brandschutztechnischen Begutachtung über die Planung bis zur Abnahme und können auch elektrische Sicherheit, Feuerwehrpläne und Dokumentation prüfen. Damit lassen sich potenzielle Risiken frühzeitig identifizieren und PV-Anlagen nachhaltig sicher betreiben. Der zunehmende Ausbau erneuerbarer Energien darf nicht auf Kosten der Sicherheit erfolgen. Ziel muss es sein, Energie- und Sicherheitsinteressen miteinander zu vereinen – durch Fachkompetenz, Regulierung und Kontrolle.
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