Recht & Beruf | Zertifizierungen/ Nachhaltigkeit | 04.03.2016

Projekt „EnEff Campus:blueMAP TU Braunschweig“ legt Masterplan vor

Auf dem Weg zu einem CO2-neutralen und energieeffizienten Campus

  • Für die Erfassung des baulichen Bestandes wurden u.a. MAV auf dem Campus eingesetzt. (Foto: TU Braunschweig)

  • Mit Hilfe von Thermographie-Aufnahmen hat das Projektteam den Verbesserungsbedarf an Hüllenflächen untersucht. (Foto: IGS/TU Braunschweig)

Eine Primärenergieeinsparung von 40 % auf dem Campus und damit eine Verdopplung der Klimaschutzziele der Bundesregierung – dieses ambitionierte Ziel haben sich Wissenschaftler zusammen mit der Hochschulleitung und Verwaltung der Technischen Universität Braunschweig gesetzt. Im Rahmen des Forschungs- und Pilotprojektes „EnEff Campus“ entwickelten sie einen „Integralen Energetischen Masterplan“ sowie ein Umsetzungskonzept (siehe tab 4/2015, www.tab.de/artikel/tab_Optimierung_der_Quartiersentwicklung_2327272.html). Vorgesehen sind zahlreiche Maßnahmen bis zum Jahr 2020, die zudem Vorbildwirkung für die energetische Optimierung von Hochschulen und innerstädtischen Quartieren haben.
 
 
Masterplan: über 40 % Energie sollen eingespart werden
 
Für einige Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig ist ihre Carolo-Wilhelmina nicht nur der Ort ihrer Forschung und Lehre, sondern auch ihr Forschungsgegenstand. Im Rahmen des Projektes „EnEff Campus: blueMAP TU Braunschweig“ haben sie gemeinsame mit dem Gebäudemanagement und weiteren externen Kooperationspartnern den baulichen Bestand des TU-Campus untersucht und dabei alle gebäudeenergetischen, organisatorischen und infrastrukturellen Maßnahmen und Szenarien in einem Masterplan zusammengefasst sowie ein Konzept für deren Umsetzung entwickelt.
 
So ließen sich etwa 9 % der Primärenergie durch die energetische Sanierung der Hüllflächen im Gebäudebestand, wie etwa Dach, Fassade, Fenster, Kellerdecke einsparen. Für die Umsetzung hat das Forscherteam u.a. eine Methode entwickelt, mit der die dafür erforderlichen detaillierten Berechnungen für einzelne Gebäudetypen zuverlässig auf eine unbegrenzte Anzahl ähnlicher Gebäude übertragen werden könnten, erklärt Projektleiterin Tanja Beier vom Institut Gebäude- und Solartechnik der TU Braunschweig.
 
Ein weitaus höheres Einsparpotential von 16 % sieht das Projektteam durch die Betriebsoptimierung von RLT-Anlagen und weitere 19 % durch die Errichtung von Photovoltaianlagen, der Integration von BHKW, dem Austausch von veralteten Kühlschränken und den umfassenden Austausch von Beleuchtungsmitteln. Ein Potential von weiteren 15 % wird beim Nutzerverhalten gesehen. Somit könnten die Forscher ihr Ziel von 40 % Primärenergiereduzierung sogar übertreffen.
 
 
Pilotstandort mit Vorbildcharakter
 
Das Forschungsprojekt kommt nicht allein der TU Braunschweig zugute: Im Rahmen der Förderinitiative „Energieeffiziente Stadt“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ist der Campus der TU Braunschweig auch ein Pilotstandort mit Vorbildcharakter für die Entwicklung von Methoden und Werkzeugen zur energiereichste Sanierung von Hochschulen und innerstädtischer Quartieren. Die bauliche Substanz der insgesamt 200 Gebäude, die sich auf einer Gesamtfläche von rund 400.000 m2 verteilen, sei sehr gut mit der eines innerstädtischen Quartiers vergleichbar, erklärt Projektleiterin Tanja Beier.
 
Außerdem verfügt die TU Braunschweig gegenüber einer innerstädtischen Siedlungsfläche über einen wesentliche Vorteil: Als eine der ersten Hochschulen kann sie eine umfassende und detaillierte Erfassung der Energieverbrauchsdaten auf dem Campus vornehmen. Diese können zeitlich hochaufgelöst konkreten Flächen und Nutzungen zugeordnet werden und erlaubend damit auch einen Ausblick auf die zukünftige Bedarfsentwicklung auf dem Campus. Bedingungen, die in einem innerstädtischen Quartier erst mit großem Auffand geschaffen werden müssten, erklärt die Projektleiterin. Neben dem Projekt „EnEff Campus“ werden diese Möglichkeiten auch im Projekt „Energiekostenbudgetierung“ genutzt, das vor allem energiebewusstes Handeln auf dem Campus fördert und damit ebenfalls ein Beitrag zu dem Projektziel leiste, erklärt Tanja Beier.
 
 
Zum Forschungsprojekt „EnEff Campus“
Das Forschungsprojekt „EnEff Campus:blueMAP TU Braunschweig“ wird als Teil der Förderinitiative „Energieeffiziente Stadt“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit einer Summe von 1,2 Mio. € gefördert. Ziel des Pilot- und Forschungsprojektes ist es, Methoden und Werkzeuge zu erforschen und zu entwickeln, die der energiegerechten Sanierung von Städten zugutekommen sollen. Dafür arbeiten seit dem Jahr  2010 Wissenschaftler aus der Architektur, der Psychologie und der Elektrotechnik gemeinsam mit Experten aus Verwaltung und Hochschulleitung der TU Braunschweig sowie in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, dem lokalen Energieversorger BS I ENERGY und weiteren Partnern in dem Projekt. Die Umsetzung ausgewählter Maßnahmen bis zum Jahr 2020 erfolgt ab Mitte 2015 im Rahmen des Folgeprojektes „EnEff Campus 2020“ an der TU Braunschweig (www.tu-braunschweig.de/igs/forschung/eneffcampus).

Update 2016: Projekt-Team verzeichnet erste Erfolge: 10 % Primärenergie reduziert
 
Erste Maßnahmen haben die Wissenschaftler in enger Zusammenarbeit mit den Experten des Gebäudemanagements bereits auf dem Campus der TU Braunschweig umgesetzt. So werden in einem Chemie-Gebäude der Volumenstrom sowie die Zulufttemperatur ausgewählter Anlagen in der Nacht abgesenkt. Diese Maßnahme reduzierte den Verbrauch für Wärme und Strom um jährlich ca. 1.890 MWh. Gleichzeitig konnten die Energiekosten um rund 180.000 €/a gesenkt werden. In einem anderen Gebäude, berichtet die Projektleiterin, wurde die vorhandene Beleuchtung durch 310 LED-Leuchten und 110 Bewegungsmelder ersetzt. Diese Beleuchtungserneuerung reduziert den Primärenergieverbrauch für Strom um ca. 208 MWh/a und die jährlichen Betriebskosten um ca. 15.300 €. Durch das Austauschen von ca. 150 veralteten Kühl- und Gefrierschränken wurden weitere 95 MWh eingespart. Mit diesen ersten Maßnahmen und der eingeführten Energiekostenbudgetierung an der Technischen Universität Braunschweig wurde der Gesamt-Primärenergieverbrauch im Vergleich zum Basisjahr 2011 in den letzten zwei Jahren um 10 % reduziert.

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