Diverse (Akustik/Dämmung/Fördertechnik) | News | 15.01.2016

Ein Walzbleidach für ein Kulturdenkmal

Sanierung der Geburtskirche in Bethlehem

  • Im Jahr 2014 wurde das Dach der Geburtskirche komplett saniert. Spannungen in der Region, der laufende Betrieb sowie strenge Materialvorgaben erschwerten das Projekt. (Foto: VASARI Architectures & Restoration LLC)

  • Die Dachfläche wurde mit Walzblei aus Deutschland eingekleidet. Darunter befindet sich eine doppelte Holzschalung auf Balken aus originalgetreuem Lärchenholz. (Foto: VASARI Architectures & Restoration LLC)

  • Das Walzblei wurde wie üblich manuell am Objekt zugeschnitten und verarbeitet. Es sieht nicht nur historisch authentisch aus, sondern besticht auch mit seiner Langlebigkeit. (Foto: VASARI Architectures & Restoration LLC)

Die Geburtskirche in Bethlehem gehört zu den wichtigsten Denkmälern des Nahen Ostens. Nachdem sie jahrhundertlang kaum gepflegt wurde, erfolgte von 2011 bis 2015 eine umfassende Sanierung des Objektes. Das Dach wurde dabei mit 80 t Walzblei neu eingekleidet – ein Projekt, das angesichts der Konflikte der Region eine besondere Herausforderung war.

Hier soll einst Jesus Christus in der Krippe gelegen haben: Bereits im vierten Jahrhundert wurde eine Geburtskirche in Bethlehem – auf dem heutigen Autonomiegebiet der Palästinenser – errichtet. Die heutige Grundstruktur geht auf das sechste Jahrhundert zurück, und seit mindesten 500 Jahren ist das Dach in Blei gekleidet. Drei christliche Gemeinschaften teilen sich die Nutzung des Gotteshauses. Noch heute ist es ein Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt, insbesondere in der Weihnachtszeit.

Vernachlässigt und beschädigt

Die Bedeutung des Objektes steht in keinem Verhältnis zur notdürftigen Instandhaltung, welche die Geburtskirche über Jahrhunderte hinweg erfahren hat. Die Spannungen zwischen den Nutzern verhinderten ein koordiniertes bauliches Vorgehen. Hinzu kamen die vielen Konflikte der Region – ein Raketeneinschlag von 1967 zeugte von der gefährlichen Lage. Die letztmalige Sanierung fand vor rund 150 Jahren statt. Kein Wunder also, dass die Kirche auf der UNESCO-Liste der 100 gefährdetsten Baudenkmäler stand.

Umfassende Sanierung ab 2014

Im Jahr 2011 begannen die Planungen für eine umfassende Sanierung des Weltkulturerbes. 2014 starteten die Dachdeckerarbeiten. Die Vorgaben: historisch authentische Werkstoffe und ein minimalinvasives Vorgehen. Rund drei Viertel der Balken ließen sich weiterverwenden – für den Rest musste originalgetreues Lärchenholz unter größtem Aufwand aus den Ostalpen beschafft werden. Neu konstruiert wurde eine doppelte Holzschalung mit dazwischenliegender Belüftungsebene. Als Trennlage dient eine 1 cm dicke Matte aus Schafswolle, die haltbar und feuchtigkeitsabsorbierend ist.

Walzblei: authentisch und hochfunktional

Die Bleiflächen wurden komplett erneuert. Hier konnte auf ein deutsches Qualitätsprodukt zurückgegriffen werden: Walzblankes Blei der Krefelder Röhr + Stolberg GmbH (www.roehr-stolberg.de). Optisch gleicht es dem Material, das seit Jahrhunderten auf Dächern verwendet wird, zumal die typische handwerkliche Verarbeitung direkt am Objekt für ein organisches, traditionelles Aussehen sorgt. Seine hohe Witterungs- und UV-Beständigkeit machen Walzblei zugleich zu einem der langlebigsten Werkstoffe im Dachbereich, zudem lässt es sich zu hundert Prozent recyceln. So bewährt sich das Material auch heute noch vielfach in der Denkmalsanierung, aber auch an modernen Dächern und Fassaden.

Anspruchsvolle Planung und Logistik

Raketenbeschuss in der Nähe, Bauarbeiten bei laufendem religiösen Betrieb und mehrere Wochen Wartezeit beim israelischen Zoll: Die Sanierung der Geburtskirche in Bethlehem war ein Projekt mit Hindernissen. Die außergewöhnliche Architektur der Kirche mit ihren massiven Außenmauern sowie der mangelnde Platz in der Umgebung erforderte zudem eine einzigartige Gerüstkonstruktion, die im Innenraum begann, durch die Fenster nach außen fortgeführt und auf das Dach geleitet wurde. Dennoch konnten die Arbeiten im Januar 2015 erfolgreich abgeschlossen werden.

Die Koordination des Projektes übernahm Claudio Alessandri von der Universität Ferrara. Die Firma Piacenti SPA und ihr Subunternehmen VASARI Architectures & Restoration LLC waren für die Ausführung vor Ort verantwortlich. Die beiden Spezialisten für Denkmalpflege hatten unter anderem die Uffizien in Florenz bei ebenfalls laufendem Betrieb restauriert.

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    (Foto: Geberit)

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