Recht & Beruf | Normen/ Verordnungen/ Richtlinien | 19.02.2016

EN ISO 9972

Was bringt die neue Norm für Gebäude-Luftdichtheitsmessungen?

Im Dezember 2015 ist die aktuelle Ausgabe der EN ISO 9972 als DIN-Norm für Luftdurchlässigkeitsmessungen an Gebäuden erschienen. Gleichzeitig hat das Deutsche Institut für Normung, seinen Gepflogenheiten entsprechend, die Vorgängernorm DIN EN 13829 zurückgezogen. Für die Messpraxis in Deutschland ändere sich dadurch allerdings zunächst gar nichts, stellt der in Berlin ansässige Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e.V.) klar. Hauptgrund: Sowohl die geltende EnEV 2014 als auch die Luftdichtheitsnorm DIN 4108-7 beziehen sich in ihren relevanten Passagen jeweils ausdrücklich auf eine bestimmte Fassung der DIN EN 13829. Daher sei diese weiterhin anzuwenden.
 
Tatsächlich ähneln sich neue und alte Norm stark und beschreiben dasselbe Messverfahren. Ihr wesentlicher inhaltlicher Unterschied liegt in der Definition des Innenvolumens V: Nach DIN EN ISO 9972 schließt dieses das Volumen von Innenbauteilen wie Decken und Innenwänden mit ein und ist somit größer als nach DIN EN 13829. „Schon allein deshalb darf man bei Nachweismessungen im Rahmen der EnEV 2014 das Innenvolumen keinesfalls nach neuer ISO 9972 berechnen“, betont FLiB-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Oliver Solcher. Denn die Luftdichtheitsanforderungen der geltenden Energieeinsparverordnung beziehen sich explizit auf das „gekühlte oder beheizte Luftvolumen“. Dieses errechnet sich nicht nur nach DIN EN 13829, sondern auch nach DIN V 18599-1 als Produkt aus Nettogrundfläche und mittlerer lichter Raumhöhe und schließt somit das Volumen der Gebäudekonstruktion aus.
 
Zwar rechnet der FLiB (www.flib.de) damit, dass die nächste EnEV-Novelle auf DIN EN ISO 9972 als Messnorm Bezug nehmen wird. Die abweichende Definition des Innenvolumens wird aber auch dann kein Problem darstellen, zeigt sich Oliver Solcher überzeugt: „Die ISO 9972 erlaubt es schließlich ausdrücklich, eigene nationale Bezugsgrößen festzulegen.“ Somit könne man auch künftig das Luftvolumen nach Definition der DIN V 18599-1 ansetzen.  
Mit anderen Unterschieden zur EN 13829 wird man sich jedoch befassen müssen, sobald die EnEV DIN EN ISO 9972 heranzieht. So gibt es verwirrende Abweichungen bei den Formelzeichen. Beispiel: ISO 9972 verwendet das Symbol q50 für den Leckagestrom bei 50 Pascal, während DIN EN 13829 damit die hüllflächenbezogene Luftdurchlässigkeit bezeichnet. Zudem fordert die neue Norm von Messgeräten für die Gebäudeluftdichtheitsmessung einen größeren Messbereich und höhere Genauigkeit. Vor 2017 ist mit einer überarbeiteten EnEV aber ohnehin nicht zu rechnen.

Thematisch passende Beiträge

  • FLiB-Beiblatt zur DIN EN 13829

    Praxishilfe für Messdienstleister

    Der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e. V.), Berlin, hat eine aktualisierte Fassung seines Beiblatts zur DIN EN 13829 vorgelegt. In der vierten Auflage seiner Anmerkungen zur Messnorm greift der FLiB neuere Entwicklungen der verweisenden Regelwerke auf, die sich unmittelbar auf die Arbeit mit der Norm auswirken. Damit soll das überarbeitete Beiblatt all jenen, die...

  • Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen zieht nach Berlin

    Ab sofort werden die Geschäfte des Fachverbands Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e. V.) von Berlin aus geführt: Am 18. Januar 2011 nahm die Verbandsgeschäftsstelle ihre Arbeit in neuen Räumen im Technologiepark Berlin Adlershof im Bezirk Treptow-Köpenick auf. Zuvor war der FLiB in Kassel ansässig, wo er im Jahr 2000 auch gegründet wurde. Die neue Adresse lautet: Fachverband Luftdichtheit im...

  • Normgerechte Luftdurchlässigkeitsmessung

    Wo lauern Fehler bei Luftdichtheitstests?

    Ein Großteil der Luftdurchlässigkeitsmessungen an Ge­bäu­den findet in Zusammenhang mit Verordnungen oder Förderprogrammen statt. Die Mehrzahl dieser öffentlich-rechtlichen Nachweise wiederum setzt bei Luftdichtheitstests auf die Vorschriften der Messnorm DIN EN 13829. In der Praxis aber kommt es bei diesen Tests immer wieder zu Abweichungen von der Norm, hat man beim Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e. V., Berlin) festgestellt. Um Anbieter wie Auftraggeber für mögliche Fehlerquellen zu sensibilisieren, macht der Verband auf einige grundlegende Problemfelder aufmerksam.

  • Gebäude-Luftdichtheit

    Der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FLiB e.V.) hat einen zweiten Band seiner Reihe „Gebäude-Luftdichtheit“ vorgelegt. Das Buch vereint eine Reihe von Fachbeiträgen rund um die luftdichte Gebäudehülle. Dazu zählen Ausführungen zur Rolle konzeptioneller Leistungen für das Entstehen von Gebäude-Luftdichtheit einschließlich praktischer Umsetzungsbeispiele ebenso wie Berechnungen zum Abschätzen...

  • Zur Gebäudepräparation bei Luftdichtheitstests

    Was die EnEV 2014 vorgibt und was nicht

    Die Neufassung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) schreibt vor, dass Luftdichtheitstests nach dem Verfahren B der DIN EN 13829 vorzunehmen sind. Damit herrscht, wenn die EnEV am 1. Mai 2014 in Kraft tritt, erstmals Klarheit darüber, wie Öffnungen in der Gebäudehülle für eine EnEV-Schlussmessung vorbereitet werden sollen. Vermeintliche Klarheit, befürchtet man allerdings beim FLiB e.V....

alle News

News der SHK- und Kältebranche

Top 5 - Meistgelesen

Inhalte der nächsten Heftausgaben

  • Heft 07 - 08 /2016

    Rigolentunnel für Industrie und Gewerbe – Unterirdische Versickerung mit statischer Versicherung

    Der Wasserkreislauf des Niederschlagswassers soll geschlossen werden, auch im Siedlungsgebiet. Mitgeführte Schadstoffe aus dem Oberflächenabfluss gehören nicht ins Grundwasser. Bei großen Objekten in Industrie und Gewerbe sind die dafür erforderlichen Grünflächen oft nicht ausreichend vorhanden. Hier darf die Regenwasserbehandlung alternativ nach DIBt geprüften, für die Einleitung in Gewässer maßgeblichen Kriterien erfolgen. Idealerweise beginnt dies bereits oberflächennah in Kastenrinnen. Retention bei Versickerung und verzögerter Ableitung kann Flächen sparend im Untergrund stattfinden. Dafür stehen Rigolentunnel zur Verfügung.

    (Foto: Birco)

  • Heft 09 / 2016

    Barrierefreiheit in öffentlichen Sanitärräumen – Aspekte der Gestaltung

    Der demografische Wandel, einhergehend mit einer wachsenden Zahl von bewegungseingeschränkten und pflegebedürftigen Menschen sowie die immer umfangreicheren gesetzlichen Regeln in allen EU-Staaten stellen Betreiber von öffentlichen Sanitärräumen vor hohe Herausforderungen. Um möglichst allen Besuchern Zugang zu Sanitärräumen zu gewähren, müssen insbesondere öffentliche Gebäude diese barrierefrei gestalten.

    (Foto: Kuhfuss Delabie)

Einkaufsführer Bau

A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N 
O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | 0-9 | 

Suchbegriff


tab @ Twitter

Branchenbuch der Kälte- und Klimatechnik

Branchenbuch der Kälte- und Klimatechnik

Branchenbuch der Kälte- und Klimatechnik

Das Branchenbuch der Kälte- und Klimatechnik bietet ausführliche Informationen rund um die Anbieter von Kälte- und Klimatechnik.
Hier geht's zur Online-Recherche