icbp2010: Dialog und Erfahrungsaustausch für die Zukunft

Die ganzheitliche Optimierung des Lebenszyklus der Gebäude hinsichtlich Architektur und Funktionalität, des Einsatzes innovativer Gebäudetechnologien und smarter Materialien, einer kontrollierten Energieeffizienz und Betriebsoptimierung aller Gebäudetechnologien bis hin zu nutzerfreundlichem Innenraumklima und der Steigerung von Lernfähigkeit und Produktivität der Menschen sind nur ein Auszug der Themen, die auf der „icbp – International Conference on Building Performance“ am 20. und 21. September 2010 diskutiert werden (siehe Statements rechts). Die Konferenz wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie von Ebert-Ingenieure und dem Institut für Gebäude- und Solartechnik (IGS) an der TU Braunschweig in Berlin durchgeführt. Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es unter www.icbp2010.com .

„Vernetzung einzelner technischer Gewerke“

„Seit Jahren spielen wir in Deutschland und Europa in der angewandten Forschung für energieeffizientes Bauen und bei der Nutzung erneuerbarer Energien in der ersten Liga. Als praxisnahes Forschungsinstitut ist unser Labor die gebaute und genutzte Umwelt. Mehrere unserer Forschungsprojekte der letzten Jahre haben sich mit dem klimagerechten und ressourcenschonenden Bauen beschäftigt. Projekte wie EVA, TwinSkin und DEAL sind der Frage nachgegangen: „Wie funktionieren die Green- und ECO-Buildings in Deutschland? – Welche Energieeffizienz und Nutzerkomfort werden in der Praxis tatsächlich erreicht?“ Wir haben die Gebäude auf den Prüfstand gestellt und konnten daraus Rückschlüsse auf die Planung, das Bauen und den Betrieb ableiten. Der Gebäudebetrieb und nicht nur der Nutzer haben einen erheblichen Einfluss auf die Einhaltung der Gebäudeperformance. Das IGS hat deshalb in Zusammenarbeit mit dem Projektträger Jülich (PTJ) das Forschungsfeld EnBop (Energetische Betriebsoptimierung) im Rahmen von EnOB (Forschung für Energieoptimiertes Bauen) konstituiert. Hierbei handelt es sich um ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) zum energieoptimierten Bauen.

Wir benötigen Werkzeuge für die effiziente Evaluierung der Gebäudeperformance und der halbautomatischen Betriebsoptimierung – in EnBop sollen die entsprechenden praxisnahen Entwicklungs- und Forschungsarbeiten gefördert und koordiniert werden. In Zusammenarbeit mit Kollegen aus der Informatik und Gebäudeautomation arbeiten wir an der Entwicklung eines „Energienavigators“ – ein Werkzeug, das den energieoptimierten Gebäudebetrieb online unterstützt.

Der hohe Grad der Vernetzung einzelner technischer Gewerke über die Gebäudeautomation ist heute neben den traditionellen Disziplinen wie der Art der Energieerzeugung oder der Ausführung der Gebäudehülle entscheidend für die Gesamtperformance eines Gebäudes. Außerdem denken wir heute langfristig und sprechen von einem Lebenszyklus. Deshalb wird die Überwachung des laufenden Betriebs und die Auswertung der anfallenden Daten aus der Gebäudeautomation immer wichtiger.“

Statement von Univ. Prof.Dr.Ing. M. Norbert Fisch

„IT als Controllinginstrumentarium für effizienten Gebäudebetrieb“

„In der Energieeffizienz haben wir uns über Jahre in Deutschland eine ähnliche Führungsrolle erarbeitet wie im Recycling. Und in beiden Fällen fast den Blick auf das Ganze bzw. das Wesentliche aus den Augen verloren – Vermeiden statt Recyclingquote, Ökobilanz statt Mehrweg um jeden Preis.

Wir haben eine hocheffiziente Anlagentechnik sowie neue Dämmmaterialien entwickelt und sind gleichzeitig beispielweise auf der Bauherrenseite als Perfektionisten und kritische Techniker nicht immer offen und risikofreudig genug für Innovationen. Wir denken in geordneten Bahnen und in Berufsgruppen – bereits in unserem Studium und in der Ausbildung – und haben in den letzten Jahren erstaunt festgestellt, dass die Alltagswelt anders funktioniert.

Das Thema Nachhaltigkeit hat uns deshalb kurzfristig fast überfordert, denn wir waren es nicht gewohnt das Gebäude als eine Einheit zu sehen und uns der Kommunikation mit den anderen Disziplinen und Akteuren zu stellen. In Deutschland denken wir immer zu sehr in Gewerken, was durch die Unterteilung der HOAI untermauert wird.

Zusätzlich hat dabei in vielen Bereichen vom Entwurf bis in den Betrieb die IT-Technologie ebenso Einzug gehalten wie in den eingesetzten Techniklösungen. Die Technisierung der Gebäude sollten wir als einmalige Chance sehen, ein neues Maß an nachweislicher Effizienz zu erzielen. Dabei reicht es nicht, die Daten der Technik zu sammeln, sondern man muss sie als Controllinginstrumentarium für einen effizienten Gebäudebetrieb oder als „Signalgeber“ für technische Defekte sehen. Die vorausschauende Steuerung der Anlagentechnik mit Hilfe meteorologischer Vorhersagen kann hier ebenso als Beispiel genannt werden wie die Überprüfung verschiedener Varianten der Energiebereitstellung im Raum und von natürlichen Lüftungskonzepten über Simulationen, um die Potentiale der Einsparung und die Einhaltung der Behaglichkeitsgrenzen im Vorfeld der Realisierung zu verifizieren.“

Statement von Prof. Dr.-Ing. Werner Jensch

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