Elektro/Licht/Sicherheit | News | 20.09.2011

Neue Schaltanlagen nach Kabelbrand

Schnelle Hilfe für ein Stahlwerk

Der Schock saß tief, als im August 2008 sich ein Kabelbrand über 12 h im Keller des Schaltanlagengebäudes ausbreitete und damit die Produktionsanlagen außer Betrieb setzte.

Nach dem Brand wurde schnell klar, dass die Stromzuführungen über das Mittelspannungsnetz (12 kV) mit seinen mehr als 90 Schaltfeldern komplett ersetzt werden mussten – und zwar so schnell wie möglich, damit die Produktion wieder laufen konnte.
Dazu hat die Firma Enertek innerhalb von acht Wochen nach Auftragserteilung 84 Schaltfelder geliefert, die zehn Monteure vor Ort errichteten und die Inbetrieb­nahme zusammen mit dem Kunden durchführten.
 

Vom Kabelbrand zur neuen Anlage

Der Kabelbrand im Schaltanlagengebäude des Werkes, der erst nach 12 h vollständig gelöscht werden konnte, setzte die Produktion der Strangguss-anlagen, das Drahtwalzwerk und die Schweißmaschinen zur Herstellung von Betonstahlmatten außer Betrieb. Schnell wurde erkannt, dass die Schaltfelder über dem Kabelkeller durch die Ruß- und Qualmbeanspruchung nicht mehr betriebsbereit waren. Daher wurden die in den 70-iger Jahren errichtete Schaltanlage von Typ „CSIM “(DDR-Standard) vom Betriebspersonal komplett abgebaut und entsorgt. Durch Neuanstrich wurden die Schaltanlagenräume dann für die neuen Anlagen vorbereitet.

Bereits am 4. September 2008 wurde seitens des Kunden der Auftrag an Firma Enertek [1] erteilt, innerhalb von nur acht Wochen die neuen Schaltfelder zu liefern und zu errichten.
Bereits am 17. Oktober – also sechs Wochen später – wurden die ers­ten Schaltfelder geliefert und am 7. November 2008 die letzten der 84 Felder. Damit war eine Inbetrieb­nahme der kompletten Mittelspannungsanlage am 14. November (Bild 2) gegeben.
Für den Kunden hat bei der Auftragsvergabe die Fachkompetenz des Schaltanlagen-Unternehmens ein wichtige Rolle gespielt. Die Enertek Energietechnik GmbH in Brüsewitz [1] gibt es seit 1999 und hat 60 Mitarbeiter, die mit dem Schalt­anlagenbau, Errichtung, Mon­tage und dem erforderlichen Service tätig sind.
In diesem sehr begrenzten Lieferzeitraum kam ein weiterer Vorteil zum tragen: Die Fachkompetenz in der Blechbearbeitung, Erfahrung im Schaltanlagenbau und die Leistungsstärke in Zusammenarbeit mit modernen Betriebsmitteln als Baukastensystem für den Schaltanlagen-Aufbau. Die Firma KWM Weisshaar GmbH [2] – ein moderner Blechbearbeitungsbetrieb mit 500 Mitarbeitern und der Herstellerlizenz für das Mittelspannungs-Schaltanlagensystem Malu – hat mit seinem Fachpersonal die 84 Schaltfelder vorgefertigt und an Enertek nach Brüsewitz geliefert.
Dort wurden gleichzeitig der elektrische Ausbau des Schienensystems, die Sekundärverdrahtung und der Netzschutz vorgenommen, so dass die Schaltfelder anschlussfertig zum Kunden geliefert werden konnten.

Schaltanlage nach der neuen Norm

Für den Kunden war bei der Wahl des Schaltanlagentyps u.a. auch die Erfüllung der neuen Norm (VDE 0671 Teil 200) [3] und die Störlichtbogenqualifikation gemäß IAC (Internal Arc Qualifikation) eine wichtige Voraussetzung [4]. Dabei fiel die Wahl auf die Mittelspannungs-Schaltanlage des Typs „Malu 12“; 31,5/80 kA – eine Entwicklung von Minis+Systeme GmbH [5] [6]. Zur Standard-Ausführung gehört die Isolation des Schienensystems. Insgesamt ist die Anlage in zwei Blöcke mit je 13 und 14 Schaltfelder und vier Sektionen mit 16, 16, 12 und 13 Schaltfeldern unterteilt. Im Vergleich zur alten Anlage CSIM wurde damit rund ein Drittel der Stellfläche eingespart.

Ergebnis

Nach dem Umbau läuft der Produktionsprozess im Stahlwerk wieder problemlos auf Hochtouren. Der Kunde war sich über die großen Anforderungen an Enertek jederzeit bewusst. Insofern unterstreicht es seine Freude über die fachkompetente, pünktliche Arbeit.

Fazit

Das Beispiel des Stahlwerkes in Brandenburg zeigt die gute Kooperation bei der Herstellung der Stahlteile, der Feldmontage, der Errichtung vor Ort und der Inbetriebnahme. Unterstützt wird das ganze durch die klassische Bauweise [5] der Malu-Anlagen nach der neuen Norm.

Dipl.-Ing.Gerhard Voß,

VDE, Ingenieurbüro IGV Elek­tro­technik, Ladenburg, und

Dipl.-Ing. Manfred Haase,

Tech­nische Leiter für Mittelspann­ungs-Schaltanlagen bei Enertek Energietechnik GmbH in Brüse­witz

 

Literatur

[1] www.enertek.de [2] www.kwm-weisshaar.de [3] IEC 62271-200 (VDE 0671-200) Hochspannungs-Schaltgeräte und Schaltanlagen von 1 bis 52 kV [4] Voß, G: Mittelspannungschaltanlagen. Stand der Technik aktualisiert, Netzpraxis 9/2008, Seite 52-57 [5] Voß, G: MittelspannungsSchaltanlagen. Klassiker gefragt, Elektropraktiker 2/2009, Seite 155-156 [6] www.minis-systeme.com

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