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BTGA | Leitartikel | 24.10.2017

Kommentar

Digitaler Wandel – und nun?

  • RA Thomas Wiese, Geschäftsführer des ITGA Nord e.V.

  • Der digitale Wandel erfasst auch die TGA-Berufe. Foto: obs/people grow Personalberatung/PeopleImages

Nichts ist beständiger als der Wandel – das ist eine alte Weisheit und nun wahrlich nichts Neues. Wird allerdings der Begriff „digital“ vor das Wort „Wandel“ gesetzt, so wird es spannend.

Im Bundestagswahlkampf 2017 haben fast alle politischen Parteien die Digitalisierung und die damit einhergehenden Umbrüche in den Fokus genommen. Es blieb aber reichlich nebulös, was nun genau mit diesem Zauberwort gemeint ist und wie sich die Digitalisierung auf unser tägliches Leben auswirken wird.

Industrielle Revolution 4.0

Fachleute reden im Zusammenhang mit der Digitalisierung von der „Industriellen Revolution 4.0“. Auf all unsere Lebensbereiche wird der digitale Wandel Einfluss nehmen; es wird nichts bleiben, wie es ist. Produktionsabläufe werden sich ändern, weil Maschinen die Produktion eigenständig organisieren und sich selbst reparieren. Diese Maschinen lernen das Denken, das heißt, die Fein- und Grobmotorik von Robotern entwickelt sich zügig fort. Sie erkennen ihre Umgebung und navigieren sicher durch den Raum. Sie entwickeln die Fähigkeit, Stimmen zu erkennen, können Sprache verarbeiten und auch aktiv Sprache verwenden. Schon jetzt werden ähnlich intelligente Maschinen in der Automobil-industrie eingesetzt. Diese Entwicklung wird sich aber auf weitere Branchen – auch auf unsere – erstrecken, denn die Datenvolumina pro Minute werden sich in den nächsten Jahren vervielfachen. Dadurch wird es auch möglich sein, eine vollständige Automatisierung von Planungs- und Steuerungsprozessen umzusetzen und Maschinen kommunizieren zu lassen. In unserer Branche gibt es bereits vernetzte Anlagen, die sich „melden“, wenn sie gewartet werden müssen oder wenn ein Bauteil auszuwechseln ist. Zukünftig wird es verstärkt darum gehen, dem Kunden die Funktionsfähigkeit einer Anlage an 365 Tagen im Jahr zu verkaufen.

Daten und Vernetzungen sind dabei die herausragenden Begriffe, bilden sie doch die Grundlagen für das Geschäft im digitalen Zeitalter. Wenn früher Banken und Versicherungen ihre potenziellen Kunden am besten kannten, wissen heute Google, Facebook und Co. viel mehr über die Kunden von Finanzdienstleistungen.
Suchmaschinen wie Google sind ein Beweis dafür, dass Geis-tesarbeit immer mehr und mehr von Maschinen geleistet wird. Ein Stichwort genügt und der Zugriff auf digitale Dokumente gelingt schnell. Digital gespeicherte Daten bieten eine riesige Wissensplattform.

Digitaler Wandel der Arbeitswelt

Selbstverständlich wird der digitale Wandel auch die Arbeitswelt erfassen. Alte Berufe werden wegfallen, neue Berufe werden entstehen, beispielsweise der Data Scientist oder der Roboterkoordinator. Es werden Kenntnisse in der Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 sowohl aus der IT als auch aus der Produktion benötigt. IT- und Data-Integration sowie persönliche Dienstleistungen werden immer mehr zunehmen. Auch die in unserer Branche bisher bestehenden Berufsbilder werden sich anpassen müssen.

Die am Markt agierenden Firmen werden sich der  Digitalisierung stellen. Die Politik ist aufgefordert, hier die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehört auch die notwendige Hardware, beispielsweise schnelle Datennetze.
Das Bundesarbeitsministerium hat einen Katalog „Arbeiten 4.0“ erstellt. Die darin aufgenommenen Themen „Arbeitszeit“ und „Anpassung der Qualifikation an die Anforderungen der digitalen Wirtschaft“ können nur den Anfang einer Diskussion bilden.
Die Regelungen der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen müssen angesichts der anstehenden Veränderungen überdacht werden. Arbeitsplätze werden flexibler und mobiler, die Hierarchien werden flacher, die Führung auf Zeit wichtiger, die Maschine ersetzt nicht mehr nur die Muskelkraft, sondern auch die Geisteskraft – all das sind Umstände, die mit den heute bestehenden Arbeitsgesetzen wenig kompatibel erscheinen.
Es gibt also einiges zu tun! Packen wir es an!
Der Kommentar gibt die Meinung des Autors wieder.

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