Klima/Lüftung | Grundlagen | 10.06.2011

Filterklassen in der Raumlufttechnik

Die neue Europanorm EN 779:2011 (bis vor kurzem noch prEN 779:2010 genannt, Ablösung der DIN EN 779:2002 und voraussichtliches Inkrafttreten Herbst 2011), die das Prüfverfahren von Grob- und Feinstaubfiltern definiert, schafft alltags­tauglichere Voraussetzun­gen zur Klassifizierung von Luftfiltern: Fortan bestimmen neben dem mittleren auch der minimale Wirkungs­grad die Filterklassen F7, F8 und F9. Damit können viele Feinstaubfilter aus synthetischen, statisch aufgeladenen Materialien mit schnellem Wirkungsverlust nicht mehr ihrer bisherigen Klassifizierung gerecht werden. Glasfasermedien hingegen erreichen oftmals größere mini­male Abscheideleistungen, als es die Norm künftig fordert. Camfil warnt deshalb Planer und Betreiber davor, schlechtere Luftqualitäten zu akzeptieren, als sie mit bereits auf dem Markt erhältlichen Filter­medien erreichbar wären. Beispielsweise erfüllen alle Glasfaser-Taschenfilter von Camfil die Zertifizierungsvorgaben des SP Technical Research Institute of Sweden (P-mark). So lassen sich mit der Hi-Flo-Serie minimale Wir­kungsgrade von 50, 70 und 80 % statt den hierzulande geforderten 35, 55 und 70 % für die Filterklassen F7, F8 und F9 erzielen.

Schätzungen des Umweltbundesamtes zufolge sterben jährlich 370000 Men­schen in Europa vorzeitig an den Folgen der Luftverschmutzung durch Fein­staub und Ozon. Da der Durchschnittsbürger rund 80 % seiner Lebenszeit in ge­schlossenen Räumen verbringt und hier rund 50 % aller Luftpartikel von außen kommen, kann jeder Großstadtbewohner betroffen sein. Luftverschmut­zung hat vor allem einen negativen Einfluss auf die Entwicklung der Lungenfunk­tionen speziell für Personen im Alter von zehn bis 18 Jahren. Verminderte Leistungsfähigkeit über verstärkte Krankheitsanfälligkeit bis hin zu chronischen Erkrankungen und Tod sind mögliche Folgen. Von den lungengängigen Stäuben (<2,5 µm), sind Rußpartikel mit weniger als 1 µm beson­ders schädlich. Studien der Brigham Young University in Utah/USA haben jedoch ergeben, dass Menschen, die Luftverschmutzungen ausgesetzt sind, ein höheres Risiko haben, an Herz- und Gefäßerkrankungen als an Lungenleiden zu sterben.

Vorgaben der EN 13 779

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund gibt die europäische Norm EN 13779 Leitlinien für Lüftungs- und Klimaanlagen in Nichtwohngebäuden, um bei akzep­tablen Installations- und Betriebskosten ein zu allen Jahreszeiten behagliches und gesundheitlich unbedenkliches Innenraumklima zu schaffen. Die Norm schreibt vor, in einem ersten Schritt die Qualität der benötigten Innenraumluft (IDA 1 bis 4) zum Beispiel einer Industriehalle, Shopping-Mall, Fachhochschule oder Stadtverwaltung zu klassifizieren. Im Anschluss ist eine Bestimmung der Außenluftqualität vor Ort (ODA 1 bis 3) erforderlich. Beide Größen bilden die Grundlage für eine exakte Bestimmung geeigneter Filterkategorien.

Mittlere Filterklassen

Bisher gab es hierzulande nur die Unterteilung in Grob- (G1 bis G4) und Feinstaub-Filter (F5 bis F9). Dabei bestimmte der mittlere Wirkungsgrad die Filterklasse unge­achtet der Tatsache, dass sich synthetische Filter innerhalb kürzester Zeit ent­laden (Discharging) und ihre Filterleistung damit in der Regel deutlich unter den Klassifizierungswert sinkt. Deshalb wurden Filterleistungen in entladenem Zustand (minimaler Wirkungsgrad) häufig als „nicht gemessen“ angegeben, obwohl diese auch nach alter Norm ermittelt und auf Prüfzeugnissen angege­ben werden mussten. Die Filterklasse sagte also nur etwas über die durch­schnittliche Abscheideleistung des Filters unter Laborbedingungen, nichts aber über die unter realen Bedingungen zu erwartenden Abscheideleistungen, Stand­zeiten und Druckverluste. Filter der bisherigen Filterklassen F5 und F6 (nach EN 779:2002) sind unter Realbedingungen generell nur eingeschränkt zur Feinstaubfiltration geeignet. Dieser Tatsache trägt fortan eine neue mittlere Filtergruppe mit den Klassen M5 und M6 (Medium-Filter) Rechnung.


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